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15.08.2011

13:45 Uhr

Teurer Franken

Wie meine Laune mit dem Wechselkurs sinkt

VonHolger Alich

Seit heute ist Holger Alich neuer Korrespondent für das Handelsblatt in Zürich. Was ein Neuankömmling aus der Eurozone im Reich des teuren Franken erlebt: ein Erfahrungsbericht.

Holger Alich macht sich auf den Weg nach Zürich - und macht erste Erfahrungen mit dem teuren Franken. Quelle: MEIGNEUX/ SIPA PRESS für Handelsblatt

Holger Alich macht sich auf den Weg nach Zürich - und macht erste Erfahrungen mit dem teuren Franken.

ZürichWälder und Wiesen direkt vor der Haustür, der schöne Zürichsee nur ein paar Gehminuten entfernt – meine Chefs mussten mich nicht lange bitten, nach sieben Jahren aus dem hektischen Paris in den Großraum Zürich zu ziehen. So gewinne ich für die Kinder an Lebensqualität und ich lerne ein neues Land und seine Themen kennen, dachte ich. Und tatsächlich: Gleich vom ersten Tag an fesselte mich ein Thema wie meine neuen Nachbarn: Der Franken-Kurs. 

Natürlich hatte ich den Auszug aus der Eurozone bei meinen Gehaltsverhandlungen thematisiert, und ausgemacht, dass meine Zulagen direkt in Franken ausbezahlt werden und zwar zu einem vorab festgelegten Wechselkurs. Dennoch bekomme ich den Großteil meines Salärs nach wie vor in Euro. „Mach dir keine Sorgen, der Euro ist eine starke Währung“, tönte mein Chef. Als er das sagte, bekam ich für einen Euro noch 1,20 Franken.

Währungsentwicklung des Schweizer Franken von Januar 2010 bis August 2011 (im Verhältnis zum Euro)

Kaum in der Schweiz Anfang August angekommen, war der Kurs schon auf 1,10 Franken abgerutscht. Und seitdem ist meine Laune und die meiner Frau stark vom Wechselkurs abhängig. Denn die August-Miete für unsere neue Wohnung hatte mich bereits umgerechnet 400 Euro mehr als die Juli-Miete gekostet. Da fängt man dann an, sich ein Lesezeichen im iPhone-Browser für den Franken-Kurs anzulegen.

Zumal sich auf einmal ungeahnte Kostenblöcke auftun. Für den Müll zum Beispiel. Mein neuer Nachbar wies mich höflich darauf hin, dass ich alte Packfolien und sonstigen Müll nicht einfach so in den Container schmeißen dürfte. „Da brauchen Sie schon eine Müllmarke“, klärte mich der gute Mann auf. Auch die Säcke sind normiert, die Liter-Zahl muss draufstehen. Und ein 35-Liter-Sack muss mit einer Müllmarke à 1,80 Franken versehen werden – sonst nimmt ihn die Müllabfuhr nicht mit.

Kommentare (12)

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Hildebr.

15.08.2011, 14:28 Uhr

Wenn sich die Währungsentwicklung von EUR/CHF 1.20 auf 1.10 (8.3%) mit EUR 400 auf die Miete auswirkt, dann kostet die Wohnungsmiete ursprünglich EUR 4820 und nach der Erhöhung EUR 5220. Da hält sich das Mitleid in Grenzen.

Thomas

15.08.2011, 15:06 Uhr

Ein paar rhetorische Fragen, die mir so spontan einfallen: Seit wann gibt es den Franken ? Seit wann gibt es den Euro ? Seit wann sinkt der Eurokurs zum Franken ? Warum tut er das ? Und seit wann hat die Schweiz und insbesondere Zürich, aus deutscher Sicht hohe Preise ?
Um obige Fragen beantworten zu können, muß man eigentlich nur mal kurz in's Internet schauen bzw. mal kurz Zürich besuchen. Bedenkt man aber noch zusätzlich, dass der Autor für ein "Wirtschaftsblatt" arbeitet und täglich hinreichend nah an den Informationsquellen sitzt, kann ich nur sagen: Auweia !
Zudem ein echtes Novum: in Zürich zu arbeiten und in EUR bezahlt zu werden. Ich kenn sonst keinen, der das macht. ;-)))

Klaus

15.08.2011, 15:27 Uhr

Wer in Meilen an der "Gold-Küste", dem nicht gerade billigsten Wohngebiet in Zürich lebt, darf sich nicht wirklich über Mietpreisschwankungen in Höhe von 400€ wundern ... sage da nur ... Seeseite wechslen ;-) ... Und hier über Mülltourismus zu schreiben ... da geben wir Deutschen nicht wirklich ein super Bild ab ... ob man sich lieber in Franken oder Euro bezahlen lassen will, dass muss jeder selber entscheiden ...

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