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28.02.2017

20:58 Uhr

Teurer Heizstoff

Russland dreht den Gaspreis hoch

VonAndré Ballin, Franz Hubik

Die russische Gazprom will die Gaspreise in Europa um zehn Prozent anheben. Für Rabatte sieht der Gas-Riese keinen Anlass. Warum sich die Verbraucher in Deutschland trotzdem keine großen Sorgen machen müssen.

Europa bleibt für den russischen Gas-Förderer Gazprom ein wichtiger Markt – trotzdem sieht es für Rabatte keinen Anlass. dpa

Gas-Mess-Station an der russisch-ukrainischen Grenze

Europa bleibt für den russischen Gas-Förderer Gazprom ein wichtiger Markt – trotzdem sieht es für Rabatte keinen Anlass.

Moskau/DüsseldorfDie russische Gazprom hat Preiserhöhungen von zehn Prozent im Europageschäft angekündigt: „2017 wird sich die Preisspanne zwischen 180 und 190 Dollar pro 1.000 Kubikmeter einpegeln“, sagte der stellvertretende Gazprom-Chef Alexander Medwedew auf dem Investorentag des Konzerns in Singapur. Im vergangenen Jahr exportierte der russische Staatskonzern sein Gas in die EU-Länder noch für durchschnittlich 167 Dollar.
Die Preisanhebung ist keine große Überraschung. Im vergangenen Jahr ist bereits der Ölpreis von seinen Tiefs bei 28 Dollar pro Barrel auf das Doppelte gestiegen. Gazprom hat seine Lieferungen in den meisten Fällen an den Ölpreis gekoppelt. Die Gaspreise folgen damit der Entwicklung des Öls in einem zeitlichen Abstand von sechs bis neun Monaten. Schon im vergangenen Sommer hatte Medwedew daher davon gesprochen, dass die „Talsohle erreicht“ sei. Damals hatte Gazprom noch einem Abschlag von 30 Dollar pro 1.000 Kubikmeter auf seinen Exportpreis zugestimmt. Allerdings hat Gazprom mit jedem Land geheime Separatverträge. Je kleiner die Konkurrenz, desto höher auch der Preis, den Gazprom diktiert.

Für neue Rabatte sieht der russische Gas-Riese in Europa keinen Anlass: Immerhin konnte Gazprom seinen Marktanteil 2016 von 31 auf 34 Prozent steigern. Auch in der Menge erreichte der Export nach Europa mit 179,3 Millionen Kubikmeter ein Allzeithoch „Im Gegensatz zum Sport stellen wir unsere Rekorde ohne die Einnahme von Doping auf, also ohne Subventionen, für die im Endeffekt der Verbraucher zahlen muss“, kommentierte Medwedew das Rekordergebnis des Konzerns mit einem ironischen Seitenhieb auf die Dopingaffäre russischer Athleten.

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Ob die europäischen Energieversorger nun die Preiserhöhung an den Verbraucher weitergeben, ist noch unklar. Fest steht jedoch, dass sie in der Vergangenheit nur unwesentlich von den fallenden Gaspreisen profitierten: Laut Eurostat kostete die Kilowattstunde private Haushalte im ersten Halbjahr 2016 6,61 Cent gegenüber dem Hochstand von 6,89 Cent pro Kilowattstunde im zweiten Halbjahr 2013, während im gleichen Zeitraum der Gazprom-Exportpreis von 380 Dollar auf 170 gesunken ist.
Einen direkten Einfluss auf den Endkundenpreis von deutschen Gasverbrauchern habe die Preiserhöhung von Gazprom nicht, heißt es bei den Berliner Gaswerken Gasag, einem der größten Gasversorger in Deutschland. „Mit einer diversifizierten Einkaufsstrategie schützt die Gasag sich und ihre Kunden vor singulären Einflüssen auf den Gaspreis“, erklärte das Unternehmen auf Anfrage. Wenn die Preiserhöhung von Gazprom nachhaltig wäre und weitere relevante Märkte dem russischen Beispiel folgen sollten, würde aber auch die Gasag auf die geänderten Rahmenbedingungen „reagieren“, erläuterte eine Unternehmenssprecherin.
Beim Oldenburger Energieversorger EWE rechnet man wegen der milden Witterung aktuell eher mit einer geringeren Nachfrage und damit einhergehend auch mit niedrigen Gaspreisen. Denn in der Regel bestimme immer noch Angebot und Nachfrage den Preis, erklärte ein Unternehmenssprecher.

Kommentare (1)

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01.03.2017, 09:55 Uhr

Deutschland hat sich mit der Energiewende und dem Abschalten der Kernkraft mehr und mehr von Russischen Gas abhängig gemacht. Wenn jetzt die Deutsche Braunkohle auch noch wegfällt, dann hat Russland die Deutsche Volkswirtschaft mit der Erdgaslieferung so richtig an den Eiern. Danke für diese asoziale Energiewende mit dem marktfeindlichen EEG...danke an die Grün-Sozialistischen Merkel - Deutschland-Volkswirtschaft-Vernichter.

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