Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.02.2013

16:47 Uhr

Teurer Rohstoff

Die wundersame Ölpreis-Rally

Die Weltwirtschaft schwächelt. Trotzdem steigt der Ölpreis. Die Förderländer versuchen sogar, zu bremsen. Doch die gängigen Mittel erweisen sich als wirkungslos. Was hinter dem Anstieg der Ölpreise steckt.

Öl-Händler an der New York Mercantile Exchange (Nymex). Zuletzt gab es viele Wetten auf steigende Preise. ap

Öl-Händler an der New York Mercantile Exchange (Nymex). Zuletzt gab es viele Wetten auf steigende Preise.

Was auf dem Ölmarkt vor sich geht, verwundert selbst Experten: Seit Wochen steigen die Preise für Rohöl, zwischenzeitlich bis auf 119 Dollar je Barrel der Sorte WTI. Aktuell liegt der Preis bei 115 Dollar. Die Gefahr: Bleibt Öl weiterhin so teuer, könnte das eine Erholung der Weltwirtschaft abwürgen. Das hat jüngst das Centre for Global Energy Studies festgestellt.

Die Weltwirtschaft befindet sich ohnehin nicht in bester Verfassung. Europa steckt in der Rezession, die USA wachsen ebenfalls kaum, China legt zwar noch zu, aber nicht mehr so rasant wie in den vergangenen Jahren. Eigentlich müsste der Ölpreis aufgrund geringer Nachfrage und hoher Lagerbestände fallen.

Die Staaten mit dem größten Öldurst

Rang 10

Taiwan

Der Inselstaat importiert rund 1,0 Millionen Fass Öl am Tag. Ein Fass (Barrel) Öl entspricht rund 159 Litern. Taiwan rangiert auf dem zehnten Platz der Ölverbraucher.

Quelle: Internationale Energieagentur (EIA), Stand: August 2012

Rang 9

Italien

Die Bewohner des Stiefelstaats importieren rund 1,3 Millionen Fass Öl am Tag.

Rang 8

Spanien

Die gleiche Menge Rohöl führt Spanien ein. Dort sind es 1,3 Millionen Barrel am Tag.

Rang 7

Frankreich

Etwas mehr importieren die Nachbarn nördlich der Pyrenäen: Dort sind es 1,7 Millionen Fass Öl täglich.

Rang 6

Südkorea

Noch etwas mehr Öl schnappt sich Südkorea. Das Land importiert 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 5

Deutschland

Der Öldurst Deutschlands ist ähnlich groß wie von Südkorea: 2,3 Millionen Fass Öl importieren die Deutschen täglich.

Rang 4

Indien

Die gleiche Menge des Energieträgers wie Deutschland führt Indien ein. Das aufstrebende Land kommt auf 2,3 Millionen Fass Öl.

Rang 3

Japan

Deutlich mehr Volumen des Energieträgers führen die Japaner ein. Dort sind es 4,3 Millionen Fass täglich. Der Inselstaat ist damit der drittgrößte Ölimporteur der Welt.

Rang 2

China

Noch mehr des Rohstoffs holt die Volksrepublik ins Land. 5,5 Millionen Fass importieren die Chinesen täglich.

Rang 1

USA

Mit Abstand das meiste Erdöl importieren die USA: Mit 8,7 Millionen Fass täglich liegen die Amerikaner an der Spitze.

Die Förderländer dürften ebenfalls kein Interesse daran haben, den Preis weiter in die Höhe zu treiben, wenn dadurch die Konjunktur in den Industriestaaten und damit die Nachfrage nach Öl einzubrechen droht. Das Erdölkartell Opec versucht derzeit, den Markt zu stabilisieren, indem es höhere Reservekapazitäten bereitstellt. Damit signalisiert man dem Markt: Wenn nötig, sind wir bereit, deutlich mehr Öl zu fördern.

Energiesicherheit: „Im Extremfall mit Gewalt eingreifen“

Energiesicherheit

„Im Extremfall mit Gewalt eingreifen“

Energieträger wie Öl und Gas spielen eine wichtige Rolle für die Wirtschaft. Doch die Gefahren bei der Versorgung wachsen. Sicherheitsberater Heiko Borchert von der Schweizer Gesellschaf Sandfire erläutert die Risiken.

Aktuell könnten die zwölf Mitgliedsländer der Opec täglich 3,63 Millionen Barrel mehr fördern – so hoch liegt die Reservekapazität. Inklusive dieser Reserven könnte die Ölförderung auf 34 Millionen Barrel pro Tag hochgefahren werden. Die IEA definiert eine „effektive Reservekapazität“ als nicht gefördertes Rohöl, dessen Förderung innerhalb von 30 Tagen aktiviert und über 90 Tage hinweg aufrechterhalten werden kann.

Die Reservekapazitäten liegen derzeit auf dem höchsten Niveau seit etwa zwei Jahren. Normalerweise müsste das einen Anstieg der Ölpreise bremsen, allerdings erweist sich das Instrument diesmal als nahezu wirkungslos. Der Future auf die Ölsorte Brent steigt parallel zu den Reservekapazitäten in den Opec-Ländern.

„Für sich allein genommen wirkt eine hohe Reservekapazität wie eine Obergrenze auf den Ölpreis“, sagt der leitende Rohölstratege Amrita Sen von Energy Aspects in London. „In einem angespannten Umfeld, in dem sich die Lage womöglich weiter verschärfen könnte, wird der Einfluss geringer. Wir haben diesen Stimmungswechsel nach dem Anschlag in Algerien gesehen“, sagt er.

Kommentare (32)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Korrupter_Politiker

25.02.2013, 16:57 Uhr

Aufgrund der hohen Ölbesteuerung hat jedes Land ein Eigeninteresse an hohen Ölpreisen.
Den Vorgang nennt man ... Volksverarscha!

Kurt

25.02.2013, 17:03 Uhr

Der Ölpreis ist manipuliert, so wie vieles andere auch.
Aber die Masse der schlafenden Menschen will es nicht wissen.....
Brot und Spiele .....

Diamond

25.02.2013, 17:35 Uhr

Die Rohölpreise am Weltmarkt haben nichts mit der von Ihnen erwähnten Besteuerung zu tun.

Es ist jedoch richtig, dass die Höhe der Besteuerung mit zunehmendem Preisniveau zunimmt.

Der Rohölpreis pendelt sich so langsam auf einem hohen Niveau ein. Das ist gut so, denn Rohöl ist viel zu preiswert. Preise um 180,00$ pro Barrel wären angesichts der weltweiten Bestände angemessen. Schon in zwei oder drei Jahren werden wir diese Preisgrenze vermutlich knacken.

Viel wichtiger ist, dass den Spekulationen auf Agrarprodukte Einhalt geboten wird!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×