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26.06.2014

10:30 Uhr

Tool der Woche

Droht der Energiepreisschock?

VonBastian Benrath

Rebellen im Irak, brennende Pipelines in der Ukraine: Die angespannte weltpolitische Lage könnte auch deutsche Verbraucher von Öl und Gas hart treffen. Der nächste Winteranfang könnte zur Stunde der Wahrheit werden.

Die Hand am Ölhahn: Die islamistischen Rebellen im Irak könnten auch deutsche Verbraucher empfindlich treffen. Vergangene Woche eroberten sie die größte Raffinerie des Landes. ap

Die Hand am Ölhahn: Die islamistischen Rebellen im Irak könnten auch deutsche Verbraucher empfindlich treffen. Vergangene Woche eroberten sie die größte Raffinerie des Landes.

DüsseldorfKrisen, wie derzeit im Irak und der Ukraine, führen stets schmerzlich vor Augen, wie stark die Weltwirtschaft von Öl und Gas abhängig ist. Jeden Risikoaufschlag, der ob der politischen Lage die Preise erhöht, spüren schließlich auch deutsche Verbraucher im Portemonnaie.

Insbesondere die Lage im Irak rückt gerade in den Mittelpunkt des Interesses. Das Land ist zweitgrößtes Mitglied des Ölkartells OPEC und sechstgrößter Ölexporteur der Welt. Fielen die irakischen Exporte aus, würden mit einem Schlag rund 2,6 Millionen Barrel Öl täglich auf den Märkten fehlen. Am vergangenen Mittwoch hatten die militanten Islamisten der Rebellengruppe Isis die wichtigste Raffinerie des Landes in Baidschi, 200 Kilometer nördlich von Bagdad, erobert. Der Ölpreis der Sorte Brent stieg daraufhin auf 114,80 Dollar pro Barrel, den höchsten Stand seit neun Monaten. Aktuell kostet ein Barrel 113 Dollar. In den vergangenen zwölf Monaten stieg der Preis um zwölf Prozent.

Tipps für den Wechsel des Energieversorgers

Unterlagen sortieren

Egal ob Strom oder Gasanbieter: Zunächst kramen Verbraucher, die in günstigere Tarife wechseln wollen, ihre jüngste Jahresabrechnung hervor. Hier muss der Verbrauch getrennt nach Menge und Preis ausgewiesen sein. Auch findet sich hier ein Vergleich zu den Vorjahresdaten. Jedermann sollte damit nachvollziehen können, ob die Kosten steigen, weil mehr Energie verbraucht wurde oder weil der Strom teurer wurde.

Preisrecherche

Den Jahresverbrauch und die Postleitzahl geben Interessierte dann bei Vergleichsportalen wie etwa www.verivox.de ein. Die angezeigten Angebote müssen die Kunden noch verifizieren. Denn viele Tarife sind nur scheinbar günstig.

Vertragslaufzeiten

Empfehlenswert sind Vertragslaufzeiten von nicht mehr als einem Jahr, damit schnell auf aktuelle Preisentwicklungen reagiert und eventuell zu einem neuen Anbieter gewechselt werden kann. Die Kündigungsfrist sollte nicht mehr als einen Monat betragen. Für den Fall, dass der Strompreis steigt, muss der neue Versorger ein Sonderkündigungsrecht einräumen.

Preisgarantien

Vorsicht bei Festpreisangeboten. Hier beziehen sich Garantien oft nur auf bestimmte Preisbestandteile.

Vorsicht bei Vorauskasse

Schwierig sind zudem Angebote, bei denen sich Kunden zu einer höheren Vorauszahlung verpflichten – zum Beispiel in Höhe des Jahresbetrages. So meldete vor einigen Wochen der Stromanbieter Teldafax Insolvenz. Viele Kunden leisteten bei dem Billiganbieter hohe Vorauszahlungen und zittern jetzt um ihr Geld.

Pleiten, Pech und Pannen

Es passiert in manchen Fällen, dass der neue Versorger aus irgendwelchen Gründen ausfällt. Der Kunde muss dennoch nahtlos durch den örtlichen Grundversorger beliefert werden. Es bleiben dann insgesamt drei Monate Zeit, um sich einen neuen Stromlieferanten zu suchen.

Gutes Gewissen

Ökostrom ist nicht unbedingt teurer als konventionell erzeugte Energie. Kunden achten hier jedoch auf entsprechende Zertifikate. Verbraucherschützer empfehlen vor allem auf das Gütesiegel ok-power zu achten. Es wurde vom Öko-Institut e.V., WWF Deutschland und der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen ins Leben gerufen. Laut Verbraucherzentrale wird hier garantiert, dass die mit dem Gütesiegel ausgestatteten Produkte zu Neubau oder grundlegender Modernisierung von Kraftwerken auf Basis von Sonne, Wind, Wasser oder Biomasse nach strengen Mindestbedingungen zu führen sind. Eine Beschreibung weiterer seriöser Labels finden Interessierte unter www.kwh-preis.de/uebersicht-oekostrom-guetesiegel-und-zertifikate.

Dabei beeinträchtigen die Kämpfe den Export bislang noch gar nicht. Das für den Export bestimmte Öl wird im Irak hauptsächlich im schiitischen Süden um die Stadt Rumaila und im kurdischen Nordosten um Kirkuk gefördert. Diese Regionen sind von den Kämpfen bislang weitgehend verschont geblieben. Dennoch erhöhen Händler ihre Preise um Risikoaufschläge, um sich gegen Lieferausfälle abzusichern.

Käme aus dem Irak gar kein Öl mehr, hätte das gravierende Folgen. „Der Einfluss auf die Ölpreise wäre beachtlich“, warnen Analysten von Morgan Stanley. Einen Teil der dann wegfallenden Ölmenge könnten nach ihrer Einschätzung andere OPEC-Länder beisteuern, aber zu einem „deutlich höheren Preis“. Mit einem weiteren Aufschlag müssten Verbraucher rechnen, sollten die Isis-Kämpfer Bagdad erreichen, sagte Chefstratege Ric Spooner von CMC Markets in Sydney.

Nicht nur im Irak gibt es Unruhen. Mit Blick auf den Konflikt in der Ukraine ist die Frage weniger, ob das russische Erdgas teurer wird, als vielmehr, ob es weiter zu uns kommt. Russland hatte seinem Nachbarn am vergangenen Montag den Gashahn zugedreht, nachdem Verhandlungen über eine weitere Belieferung gescheitert waren.

Die Ukraine ist aber nicht nur Abnehmer von Gas, sondern auch wichtigstes Transitland, rund die Hälfte aller russischen Gasexporte nach Europa laufen durch das Land. Deshalb wird befürchtet, dass sich das Land etwas vom europäischen Gas abzweigen könnte, um seinen eigenen Bedarf zu decken. Die Ukraine hat mehrfach betont, das nicht tun zu wollen. Dennoch erwecken auch Bilder von brennenden Pipelines, wie jene vom vergangenen Dienstag, nicht gerade Vertrauen in die Versorgungssicherheit.

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