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23.09.2011

09:49 Uhr

Top-Ökonom im Interview

„Griechenland hat keine Bedeutung für den Euro“

VonJörg Hackhausen

ExklusivZerfällt die Eurozone, wenn Griechenland austritt? Nein, meint Manfred JM Neumann, Wirtschaftsprofessor in Bonn. Auch wenn Gläubiger viel Geld verlieren würden, stünde der Euro viel stärker da, sagt Neumann.

Manfred J.M. Neumann, Wirtschaftsprofessor in Bonn, Experte für Währungen und ehemaliger Berater des Wirtschaftsministeriums. Pressefoto

Manfred J.M. Neumann, Wirtschaftsprofessor in Bonn, Experte für Währungen und ehemaliger Berater des Wirtschaftsministeriums.

Halten Sie für denkbar, dass einzelne Mitglieder aus der Eurozone austreten?

Ja, im Fall von Griechenland ist ein Austritt nicht nur denkbar, sondern sehr wahrscheinlich, weil die Politik, wenn auch langsam, einzusehen beginnt, dass das griechische Problem nicht einfach mit Krediten zu lösen ist. Sondern dass es umfassender Reformen der wirtschaftlichen Strukturen bedarf, die nicht innerhalb weniger Jahre erfolgreich ins Werk gesetzt werden können.

Wäre das der Anfang vom Ende des Euros?

Der Euro ist eine stabile Weltwährung. Die zerbricht nicht, wenn ein wirtschaftlich unbedeutendes Land die Währungsunion verlässt. Das Gegenteil ist richtig. Der Euro wird international noch attraktiver werden, weil der Austritt als ein Signal verstanden werden kann, dass Deutschland und Frankreich die Währungsunion nicht zu einer Transferunion verkommen lassen wollen.

Wäre der Euro ohne Griechenland stärker oder schwächer? 

Aufgrund seiner geringen Größe ist Griechenland für den dauerhaften Wert des Euro ohne Belang. Aber ein Austritt beendete das Krisentheater. Das würde sich für den Euro insofern positiv auswirken, als die kurzfristige Volatilität abnehmen würde.

Könnte Griechenland durch eine Rückkehr zur Drachme wieder wettbewerbsfähig werden? 

Das Wiedergewinnen von Wettbewerbsfähigkeit durch reale Abwertung ist das entscheidende Argument für einen Austritt. Das gilt nicht nur für den Bereich der Warenproduktion, sondern im Falle Griechenlands vor allem auch für den derzeit schrumpfenden Dienstleistungsbereich. Allerdings wird es auch einigen Mutes zu entschlossener Deregulierung überkommener ständischer Strukturen bedürfen.

Kommentare (24)

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Account gelöscht!

23.09.2011, 10:19 Uhr

Ah Gott sei dank, endlich ein Hampelmann der ausspricht, dass Griechenland nicht für die Euro Turbulenzen verantwortlich ist. Das diese ganze Griechenlandhetze völlig überflüssig ist. Da Hellas zu unbedeutend ist. Allerdings jeden Tag auf der Titelseite bedeutender Magazine auf der Welt ist.

Thank you

bjarki

23.09.2011, 10:20 Uhr

Die Gesundbeterei der Eurozone und die plakative tolle Zukunft des Euros -- pardon -- ich kann den Bloedsinn mehr horen. All die Theoretiker uebersehen die Ansteckungseffekte und wollen simpel negieren : Der Euro war ein riesiger Fehler, der im Zerfall der Eurozone endet. Starker Euro in der Zukunft -- pardon -- einfach laecherlich !

Account gelöscht!

23.09.2011, 10:29 Uhr

Verpricht mir der Herr Manfred J.M. Neumann dann auch das der ganze Wahnsinn aufhört? Wenn das so ist unterschreibe ich. Meine Auffassung ist nichtsdestotrotz dass der Terror nicht aufhören wird. Es wird dann bei Italien weitergehen bis Italien aus der Eurozone ist. Wenn das Eintritt ist Spanien dran, danach Portugal, danach Frankreich, danach Deutschland. Wissen Sie auch warum Herr Manfred J.M. Neumann? Weil es kein Land ohne Schulden gibt. Naja vielleicht hält tatsächlich Luxemburg die 3% Marke ein.

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