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28.05.2013

13:01 Uhr

Trendwende

Syrienkonflikt lässt Ölpreis steigen

Die Entscheidung der EU, das Waffenembargo gegen Syrien zu beenden, sorgt am Markt für Sorgenfalten. Die Angst vor einer Ausweitung des Konflikts lässt die Preise anziehen. Zuvor waren sie eine Woche lang auf Talfahrt.

Förderanlagen für Rohöl. Sollte sich der Syrienkonflikt ausweiten, würde der Ölpreis steigen. ap

Förderanlagen für Rohöl. Sollte sich der Syrienkonflikt ausweiten, würde der Ölpreis steigen.

SingapurDie Angst vor einer Ausweitung des Syrienkonflikts nach dem Auslaufen des Waffenembargos der EU im Sommer hat am Dienstag die Ölpreise angetrieben. Ein Fass (159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent verteuerte sich um 1,4 Prozent auf 104,06 Dollar. US-Leichtöl der Sorte WTI kostete mit 94,75 Dollar 0,7 Prozent mehr.

„Die Entscheidung der EU, das Embargo für Waffenverkäufe an syrische Rebellen aufzuheben, läuft auf eine Risikoprämie an den Ölmärkten hinaus“, erklärte Oliver Jakob, Energie-Analyst bei der Beraterfirma Petromatrix im schweizerischen Zug.

Am Vortag hatten sich die EU-Außenminister nicht auf eine Verlängerung des Waffenembargos einigen können. Vor allem Großbritannien und Frankreich setzten gegen erbitterten Widerstand Österreichs und anderer Staaten durch, dass ab August Waffen an die Opposition gegen Präsident Baschar al-Assad geliefert werden können.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Laut Händlern stützte zudem der wieder wachsende Optimismus der Anleger über die Weltkonjunktur die Ölpreise. Die freundliche Tendenz an den Aktienmärkten tue ein übriges, hieß es. Dass in den USA die Benzinnachfrage zu Beginn der Reisesaison bislang nicht so stark wie von vielen erwartet ausgefallen sei, bremse den Preisanstieg etwas.

Von

dpa

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

28.05.2013, 08:46 Uhr

Eigentlich wollte ich zum Artikel über die Wiederaufnahme der Waffenlieferungen an syrische "Rebellen" kommentieren, aber da ist wieder mal die Kommentarfunktion ausgesetzt. Man sieht genau, bei welche Themen Leserkommentare unerwünscht sind. Euer Feigenblatt, den Lesern Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt vorzutäuschen, wird langsam immer DÜNNER, liebes Handelsblatt.
Vermutlich hängt diese immer zunehmende Zensur sowohl mit der Bundestagswahl als auch mit dem AUFWACHEN von immer mehr Lesern aus den Träumen und Schäumen der Medienberieselung zusammen.
Dürfen wir künftig nur noch in der Weinkolumne und anderen Lifestyle-Artikeln kommentieren?

Warum der Kommentatur hier zum Artikel mit Öl trotzdem passt: das ist es nämlich, warum es bei dem ganzen Menschenrechtsgetue wieder mal geht. Um das Menschenrecht an Gas und vor allem um das Elitenrecht, daran kräftig zu verdienen und die Gasversorgung Europas zu kontrollieren. Deshalb ballen sich dort auch Kriegsschiffe von Nato und Gasprom aka Rußland. Hier informative Links, damit sich auch HB-Leser über das tatsächliche Geschehen informieren können:

http://lupocattivoblog.com/2013/05/21/der-gaskrieg-die-gas-falle-als-das-praludium-zum-dritten-weltkrieg/

http://www.zerohedge.com/news/2013-05-27/europe-ends-arms-embargo-syrian-rebels-desperate-break-russian-natgas-export-monopol

Und hier noch, warum es so akut ist, den syrischen "Rebellen" (Söldner von EUdSSR, USA und Katar) Waffen zu liefern, von Engdahl einem Experten und FREIEN Journalisten in geostrategischen Energiefragen:

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/f-william-engdahl/wird-syrien-fuer-die-usa-zum-neuen-vietnam-.html

Account gelöscht!

28.05.2013, 09:02 Uhr

Und weil wir gerade dabei sind, hier noch ein bischen "Verschwörungstheorie", warum die Ölpreise trotz schlechter Weltkonjunktur immer noch so HOCH sind:
http://www.format.at/articles/1322/525/359052/der-oelpreis-schwindel

Diese "Verschwörungstheorie" geht übrigens auf die hochoffizielle EU (mal ohne "dSSR") zurück und wird durch ein Mainstream-Medium berichtet! Natürlich kein deutsches - die österreichischen und schweizer Medien sind der Geheimtip im deutschsprachigen Bereich, da werden die Leser nämlich noch weit besser und ehrlicher informiert als hierzulande.

Oelkaennchen

28.05.2013, 09:52 Uhr

Der Autor sollte es ruhig mal mit Prozentrechnung versuchen. Das beruhigt die Nerven :-)) 13 Cent von 102 Dollar sind knapp mehr als 0,1 Prozent. (Da braucht man gar nicht lange rechnen - nur das Komma verschieben ;-) )
Da kann man wohl kaum von einem ungebremsten Fall sprechen. Im Gegenteil, seit dem April hat sich der Öl-Preis wieder etwas erholt.

Man fragt sich wirklich immer öfter, für welchen Leserkreis die Handelsblatt-Artikel geschrieben werden.

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