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15.11.2011

15:51 Uhr

Umfrage

Banken sollen die Finger von Nahrungsmitteln lassen

Die Mehrheit der Deutschen lehnt Spekulationen mit Nahrungsmitteln ab. Das geht aus einer Forsa-Studie hervor, die Foodwatch in Auftrag gegeben hat. Bereits vor Wochen hatte Foodwatch die Spekulationen scharf kritisiert.

Die Mehrheit der Bundesbürger lehnt Agrar-Spekulationen ab. dpa

Die Mehrheit der Bundesbürger lehnt Agrar-Spekulationen ab.

FrankfurtEine Mehrheit der Deutschen findet die Spekulation mit Nahrungsmitteln „nicht akzeptabel“. Dies ist das Ergebnis einer am Dienstag veröffentlichten repräsentativen Forsa-Studie im Auftrag der Verbraucherorganisation Foodwatch. 84 Prozent der Befragten hätten sich dafür ausgesprochen, dass die Deutsche Bank und andere Institute die Finger vom Geschäft mit Agrar-Rohstoffen lassen, teilte Foodwatch weiter mit. „Nur elf Prozent der Befragten halten es für legitim, wenn etwa die Deutsche Bank Anlagen anbietet, bei denen auf Preise für Nahrungsmittel gewettet wird.“ Gut drei Viertel der Bundesbürger forderten zudem eine strengere Regulierung der Rohstoff-Märkte. Jeweils knapp die Hälfte der Befragten wolle Anlagen verkaufen, bei denen Geld in Spekulation mit Nahrungsmitteln fließe, oder sogar ihre Konten kündigen.

Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann reagierte bereits vor einigen Wochen auf Kritik von Foodwatch. Er werde prüfen, ob Geschäfte seines Hauses die Preise für Nahrungsmittel auf Kosten der Ärmsten in der Welt nach oben treiben. Bei ausreichenden Belegen würden Konsequenzen gezogen. Foodwatch hatte im Oktober in dem Report „Die Hungermacher“ der Rohstoff-Spekulation Mitschuld an Hungerkrisen gegeben. Anfang 2008 und 2011 waren die Kurse der Futures auf Weizen, Mais & Co. auf Rekordhochs gestiegen. Weil sich die Weltmarktpreise an den Notierungen der Kontrakte orientieren, verteuerten sich Lebensmittel weltweit. In einigen Staaten kam es daraufhin zu Hunger-Protesten.

Sechs Fakten über die Rohstoffmärkte

Viel Verbrauch...

Die Weltbevölkerung wächst und wächst. Prognosen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2100 mehr als zehn Milliarden Menschen auf der Erde leben werden.

...und wenig Angebot

Rohstoffe wie Öl und Gold sind nicht endlos, dementsprechend teuer werden sie, wenn das Angebot sich verknappt.

13 Prozent

beträgt aktuell Chinas Anteil an der Weltwirtschaft. Die rohstoffhungrige Volksrepublik ist auf dem besten Wege die größte Handelsnation der Welt zu werden.

40 Prozent

der weltweiten Kupfer-, Zink- und Aluminiumproduktion verbrauchen die Chinesen.

30 Prozent mehr

als vor drei Jahren kosten nach Angaben des Food Price Index der Uno unsere Nahrungsmittel weltweit im Durchschnitt.

465 Prozent Gesamtrendite

konnten Anleger mit Aktien auf Goldminen seit 2002 einfahren.

Futures auf Rohstoffe wie Öl, Kupfer oder Sojabohnen waren ursprünglich dafür gedacht, dass sich Produzenten und Verbraucher gegen Preisschwankungen absichern. In den vergangenen Jahren entdeckten Hedgefonds und Banken diese Anlageklasse für sich und weiteten ihre Engagements teilweise massiv aus. Zu den großen Spielern auf diesem Markt zählen Goldman Sachs, JP Morgan und Citigroup. Die Deutsche Bank gehört ebenfalls dazu - allerdings nicht beim Handel mit Agrar-Produkten wie Weizen, Kaffee oder Zucker. Inzwischen wird die Mehrzahl der Rohstoff-Kontrakte von sogenannten Financials, also Banken oder Fonds, und nicht von Commercials, darunter fallen Produzenten, Händler und Verbraucher, gehalten.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

15.11.2011, 16:47 Uhr

Protest gegen Nahrungsmittel-Spekulationen
Spekulanten profitieren vom Handel mit Nahrungsmitteln, während die Zahl der Hungernden weltweit steigt! Die Initiative handle-fair.de protestiert dagegen!

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