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27.10.2011

18:12 Uhr

Umfrage

Deutsche Anleger horten Gold

VonIngo Narat

Staatsverschuldung, Bankenrettungen, Rettungsschirme, Euro-Turbulenzen - die täglichen Schlagzeilen lassen viele Anleger um den Geldwert fürchten. Immer mehr Deutsche investieren deshalb in Gold.

Die Deutschen besitzen laut der Umfrage etwa 5380 Tonnen des Metalls im Gegenwert von 169 Milliarden Euro. dpa

Die Deutschen besitzen laut der Umfrage etwa 5380 Tonnen des Metalls im Gegenwert von 169 Milliarden Euro.

FrankfurtImmer mehr Deutsche wollen Gold kaufen. „Ihre Angst vor Geldwertverlust treibt sie zum Kauf“, sagt Finanzprofessor Jens Kleine von der Steinbeis-Universität Berlin. Er hat das Kaufverhalten der Deutschen untersucht. Die Ergebnisse der Umfrage unter rund 4300 Verbrauchern in diesem Herbst liegen dem Handelsblatt vor.

37,5 Prozent der Befragten planen Käufe in den kommenden drei Jahren, deutlich mehr als bei einer Umfrage im vergangenen Jahr. „Die Menschen sehen Gold als Versicherungsschutz in der Krise“, sagt Kleine. Anfragen bei Goldhändlern bestätigen die Ergebnisse der Umfrage. „Die Kaufneigung bleibt hoch, aber auf dem hohen Preisniveau ordern die Kunden eher zögernd“, sagt Martin Siegel, Metallhändler und Fondsverwalter. Er beobachtet auch eine wachsende Zahl von Erstkäufern. Deshalb ist auch Platz am Markt für die vielen neuen Edelmetallhändler.

Die Deutschen haben laut der Steinbeis-Studie aus dem Vorjahr durchschnittlich rund 130 Gramm in Gold investiert, damals etwa 2,8 Prozent ihres Gesamtvermögens. Seit Beginn der Goldhausse zur Jahrtausendwende hat sich der Preis in der Spitze verachtfacht. Nach einem Höchststand im August von über 1900 Dollar je Unze steht der Preis nun bei 1700 Dollar.

Die Kunden scheinen jetzt offensiver vorzugehen, was die eingesetzten Mittel angeht. „Bisher haben sie vor allem mit Geld aus laufendem Einkommen gekauft oder Teile des Sparkapitals eingesetzt“, sagt David Reymann, Vertriebsleiter beim großen Metallhändler Pro Aurum. Nun verhalten sich die Interessenten seinen Beobachtungen nach anders. Es wird aggressiv umgeschichtet, wie Reymann beobachtet: „Manche Kunden kündigen Lebensversicherungen vorzeitig mit allen wirtschaftlichen Nachteilen, nur um dann das ganze Geld in Edelmetalle anzulegen.“

Dahinter stehe pure Angst. Sorgen bereiteten die zunehmenden Meldungen über Staatsverschuldung, Bankenrettungen, Rettungsschirme, Euro-Turbulenzen. „70 Prozent der Befragten haben Angst vor steigender Inflation, 54 Prozent fürchten sogar eine Währungsreform“, sagt Martin Hüfner, Chef-Volkswirt beim Vermögensverwalter Assenagon und Mitautor der Studie. Eine große Mehrheit der Umfrageteilnehmer betrachte Gold als Rettungsanker.

Kommentare (42)

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27.10.2011, 19:38 Uhr

Die grosse Frage ist, ist Gold wirklich sicher, wenn Europa oder Deutschland bankrott geht? Oder werden Goldbullions und Goldmuenzen dann wieder als illegal erklaert und muessen an den Staat abgegeben werden, wie zuzeiten der Weltwirtschaftskrise? Mein Tip: Einen Teil als Goldschmuck anlegen oder in Immobilien investieren.

Peter

27.10.2011, 20:05 Uhr

Illegal - das war in den USA. In Deutschland wurden die Münzen und Barren - den Raub an unseren jüdischen Mitbürgern meine ich damit nicht - selbst in härtesten Krisenzeiten zwischen 1914 und 1945 niemals zwangsweise eingesammelt. "Freiwillig" ja- nach dem Motto "Gold gab ich für Eisen". Aber nach allem was jetzt passiert ist wird niemand mehr "freiwillig" seine Münzen abgeben!

danke_dir...

27.10.2011, 20:13 Uhr

Immobilien? Auch nicht schlecht. Aber siehe z.B. Griechenland. Bei Immos kann einfach die Grundsteuer erhöht werden. Der Mix machts!

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