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10.11.2011

16:10 Uhr

Union Invest-Chef

„Die Politik ist der größte Risikofaktor“

VonChristian Schnell

Für den Vorstand von Union Invest, Jens Wilhelm, ist die Politik zum größten Problem der Euro-Krise geworden. Gleichwohl müsse und könne der Euro gerettet werden. Optimistisch ist Wilhelm für das kommende Jahr.

Jens Wilhelm. Bert Bostelmann für Handelsblatt

Jens Wilhelm.

FrankfurtDeutlich wie selten zuvor geht ein Top-Finanzmanager mit dem Euro-Krisenmanagement der Politik ins Gericht. „Auf dem Weg zur Lösung der Schuldenkrise in Europa ist die Politik zum größten Risikofaktor geworden“, kritisiert der Chef der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Jens Wilhelm, im Interview mit dem Handelsblatt.

Nicht mehr fundamentale Faktoren und deren Einschätzungen durch die Investoren würden die Kapitalmärkte treiben, sondern der zähe Prozess der politischen Entscheidungsfindung. Dabei gebe es seiner Ansicht nach ohnehin nur eine Lösung: den Euro mit aller Kraft zu erhalten.

Zumal die Europäer den Amerikanern gegenüber einen entscheidenden Vorteil haben: „Die Europäer können die Probleme aus eigener Kraft lösen, da sie eine ausgeglichene Leistungsbilanz haben und so nicht von ausländischen Gläubigern abhängig sind“. Dabei müsse aber bald gehandelt werden, da in Italien schon Anzeichen einer Kapitalflucht zu erkennen seien. „Es ist enttäuschend zu beobachten, wie taktiert und geschachert wird“, so Wilhelms Resümee.

Hoffnungen hat Wilhelm indes für das kommende Jahr: „Ich denke, dass sich die Anleger dann wieder mehr den fundamentalen Fragestellungen zuwenden werden.“ Vor allem den Unternehmen gehe es relativ gut, die Auftragsbücher seien gefüllt. Für die Börsen erwartet der Chef der Union-Investment-Gesellschaft deshalb einen Seitwärtsmarkt mit einer breiten Handelsspanne, in der es auch immer wieder kurze Minizyklen gibt.

Für Anleger ergibt sich jedoch ein Dilemma, hat doch die Flucht in Sicherheit ihren Preis. Bei Bundesanleihen beispielsweise bleibt nach Abzug der Inflation nichts mehr übrig. „Ohne das Eingehen von Risiken wird es also nicht gelingen, real das Geld zu erhalten“, sagt Wilhelm. Unternehmensanleihen, Schwellenländerbonds, dividendenstarke Aktien und Immobilien sind für ihn erste Wahl. Nicht dazu zählt Gold: „Nach dem deutlichen Preisanstieg rechne ich erstmal mit einer Konsolidierung“, sagt er.

Generell sollte bei Anlageentscheidungen die Frage im Vordergrund stehen, was die Welt in den kommenden Jahren antreibt. Dazu zähle die Staatsschuldenkrise definitiv nicht. „Ressourcenknappheit, die Energiewende, Demografie-Trends, die digitale Revolution und Nachhaltigkeit sind Themen, die sich in jeder langfristigen Anlagestrategie wiederfinden sollten.“

Kommentare (1)

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Mazi

14.11.2011, 21:26 Uhr

„Auf dem Weg zur Lösung der Schuldenkrise in Europa ist die Politik zum größten Risikofaktor geworden“, kritisiert der Chef der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, Jens Wilhelm, im Interview mit dem Handelsblatt.

Was heißt das eigentlich?

Die Politik als solche kann kein Risikofaktor sein. Unter dem Risikofaktor können nur Personen, handelnde Personen bezeichnet werden. Aber das ist auch keine Neuigkeit.

Wenn Laien finanzpolitisches Theater spielen, dann dürfen wir nichts anderes erwarten.

Die Bundesbank, die nachweislich in früherer Zeit einen guten Job gemacht hat, wurde entmachtet und auf das hell erleuchtete Podium haben sich die Politiker gesetzt. War das nicht zu erwarten.

Es war demzufolge alles erwartungsgemäß. Wer stellt hier wo einen Risikofaktor fest? Risiken stellt doch nur der fest, der vorher die Situation nicht begriffen hatte.

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