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27.04.2016

15:48 Uhr

Union-Investment-Stratege

„Dem Euro droht bei einem Brexit Ungemach“

VonMatthias Streit

Frank Engels leitet das Rentenfondsmanagement bei Union Investment. Mit dem Handelsblatt sprach er über das, was ein möglicher EU-Austritt Großbritanniens für Währungen bedeutet und wer von Niedrigzinsen profitiert.

Seit 2012 leitet Engels das Rentefondsmanagement von Union Investment. Seit 2014 ist er Mitglied der Union Investment Privatfonds GmbH. PR

Frank Engels

Seit 2012 leitet Engels das Rentefondsmanagement von Union Investment. Seit 2014 ist er Mitglied der Union Investment Privatfonds GmbH.

Frankfurt am MainFrank Engels ist ein Kenner der globalen Märkte. Als Leiter des Rentefondsmanagements bei der Union Investment Privatfonds zeichnet er maßgeblich für die Portfolios verantwortlich. Zudem setzt er als Mitglied des „Union Investment Committee“ die Grundpfeiler für die taktischer Steuerung der Fonds seines Unternehmens. Dabei behält er immer auch die internationalen Devisenmärkte im Blick.

Weltweit unterbieten sich derzeit die Zentralbanken mit Zinssenkungen, die USA verlangsamt zugleich ihre Zinswende, das Pfund wirkt durch den Brexit unberechenbar. Stehen uns volatile Zeiten bei den Währungen bevor?

Bei Währungen haben wir in den vergangenen Monaten bereits durchaus starke Schwankungen gesehen, speziell im Block der G10-Währungen, also der wichtigsten wie dem Dollar, Yen, Pfund und Euro.

Was aufgrund der lockeren Geldpolitik der großen Zentralbanken aber kaum ein Zufall sein dürfte.
Auslöser sind in den vergangenen Jahren und Monaten ohne Zweifel sehr häufig die Zentralbankentscheidungen. Zwar sind die Währungsabwertungen nicht der Fokus der Zentralbanken, sondern die Geldwertstabilität. Aber: Die Währungen sind in der Regel nachgelagerte Variablen, die häufig hohe Kursausschläge zeigen.

Wenn plötzlich alle Währungen nachgeben, scheinen diese Variablen nicht mehr ganz so nebensächlich zu sein.
Es schien schon so, dass die Schwächung der Währungen, egal ob nun in Japan oder Europa, ein gewollter Nebeneffekt der Geldpolitik war. Das hatte in der jüngeren Vergangenheit allerdings nur sehr mäßigen Erfolg. Seitdem Japan seinen Leitzins Ende Januar in den Negativbereich gedrückt hat, wertete der Yen rund sechs Prozent auf.

Vita Frank Engels

Der Manager

Der 47jährige promovierte Volkswirt leitet seit 2012 das Anleihefondsmanagement von Union Investment. Seit 2014 ist er zudem Mitglied der Geschäftsführung der Union Investment Privatfonds GmbH. Bei Union Investment ist er seit 2008 und war dort zunächst Leiter des Managements für Schwellenländeranleihen. Zuvor arbeitete er unter anderem bei Barclays Capital, bei Thames River Capital und beim Internationalen Währungsfonds.

Das Fondshaus

Union Investment ist der Fondsanbieter der Volks- und Raiffeisenbanken. Das Fondshaus verwaltet Kundengelder in Höhe von rund 260 Milliarden Euro, davon 142 Milliarden Euro in Publikumsfonds. Damit hat Union Investment in Deutschland einen Marktanteil von 18,7 Prozent.

Auch der Euro legte nach Draghis Senkung des Einlagenzinses auf minus 0,4 Prozent gegenüber dem Dollar kräftig zu – von 1,10 auf 1,13 Dollar. Die Rechnung: Leitzins runter, Währung schwächen geht offenbar nicht mehr auf.
Zumindest funktioniert dieser Zusammenhang umso weniger, je öfter er Anwendung findet. Dass der Euro über die vergangenen Wochen speziell gegen den US-Dollar im Wert gestiegen ist, liegt allerdings nicht nur an der Politik der EZB. Da spielt auch die Entscheidung der US-Notenbank eine große Rolle, im März keine Leitzinserhöhung durchzuführen und ihren Leitzins wohl auch nicht wie angekündigt viermal im laufenden Jahr zu steigern. Wir reden in diesem Falle also eher über eine Dollarschwäche als Konsequenz einer vorsichtigeren Zinspolitik der US Notenbank.

Kommentare (24)

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Account gelöscht!

27.04.2016, 15:59 Uhr

Der Draghi und der Maastricher Vertragsbruch haben den EURO bereits VERNICHTET...der Brexit hat damit nichts zu tun. Der EURO ist seit Draghi nicht einmal das Papier wert auf dem er gedruckt wird.

Herr Heinz Keizer

27.04.2016, 16:09 Uhr

"Wenn plötzlich alle Währungen nachgeben"

Wie soll das gehen? Leider gibt Herr Engels auch andere "Einsichten" der EZB einfach weiter. Mit der Geldpolitik kann Herr Draghi Staatsfinanzierung betreiben, aber nicht die Banken zu neuer Kreditvergabe animieren. Entweder die haben schon genug Leichen im Keller und/oder die Kreditnachfrage bei den Unternehmen ist zu gering. Die Banken benötigen also keine neue Liquidität, sondern neues Eigenkapital. Ein Brexit würde sich kurzfristig sicher auf den Euro auswirken, mittelfristig nicht, da der Euro gescheitert ist. Er wird nur noch von der EZB künstlich am Leben erhalten. Auch stellt sich die Frage, was ein Austritt von GB mit den Katalanen zu tun hat? Die müßten ja erst mal selbständig sein. Da wäre ja wohl eher ein Vergleich mit Schottland angebracht. Nicht erwähnt wurde, dass erst durch Draghi's Nullzinspolitik und exorbitanten Anleihekäufen für private und institutionelle Anleger der Anleihemarkt nahezu tot ist.

Account gelöscht!

27.04.2016, 16:17 Uhr

Wer von Niedrigzinsen profitiert? Das ist der Drogenabhängige, der Niedrigzinssüchtige. Wenn ich dem die Droge wegnehme, kommt es zu dramatischen Entzugserscheinungen. Und dabei ist der größte Junkie unser eigener Staat.

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