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11.01.2011

12:04 Uhr

Unruhe an den Märkten

Explosion der Rohstoffpreise gefährdet den Aufschwung

VonMathias Brüggmann, Jörg Hackhausen, Dirk Heilmann, Michael Maisch, Regine Palm

Weizen plus 40 Prozent, Kupfer plus 26 Prozent, Öl plus 20 Prozent: An den Märkten ist der Teufel los. Das billige Geld der Notenbanken treibt die Preise in die Höhe. Deutsche-Bank- Chef Ackermann und EZB-Präsident Trichet sorgen sich um die weltweite Konjunktur.

Rohstoff Händlerin an der Chicago Mercantile Exchange in Aufruhr. dpa

Rohstoff Händlerin an der Chicago Mercantile Exchange in Aufruhr.

Als Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy gestern Abend mit US-Präsident Barack Obama im Oval Office zusammentraf, stand ein Thema im Mittelpunkt, das noch vor kurzem kaum Beachtung gefunden hätte: die explodierenden Rohstoffpreise. Sarkozy warb als Vorsitzender der G20 dafür, die wilden Preisausschläge bei Rohstoffen mit einem weltweit abgestimmten Vorgehen zu bekämpfen - etwa über ein Verbot von Rohstoffgeschäften außerhalb der Börsen.

Es geht um konjunktursensible Rohstoffe wie Öl, Kupfer oder Seltene Erden, aber auch um Grundstoffe für Nahrungsmittel wie Weizen, Mais oder Zucker. Und es geht um drohende Hungerrevolten etwa in Indien oder Tunesien.

Öl wird nach Schätzung der US-Großbank Goldman Sachs in diesem Jahr die Marke von 105 Dollar überspringen. Derzeit kostet ein Barrel 90 Dollar. Noch dramatischer ist der Preisanstieg bei begehrten Industriemetallen wie Kupfer. Vor zwei Jahren kostete eine Tonne rund 3 000 Dollar. Inzwischen sind es mehr als 9 000 Dollar. Weizen verteuerte sich innerhalb eines Jahres um 40 Prozent, Kaffee um 62 Prozent, Soja um 30 Prozent. Notenbanker, Topmanager und Spitzenpolitiker treibt die Sorge um, dass die steigenden Rohstoffpreise die Weltwirtschaft abwürgen könnten - so wie im Sommer 2008, als Öl fast 150 Dollar je Fass kostete. Jean-Claude Trichet, der stets um Zurückhaltung bemühte Präsident der Europäischen Zentralbank, bezeichnete gestern den Anstieg der Lebensmittelpreise als "bedeutend". Dieser Trend sei besonders für die Verbraucherpreise in den Schwellenländern wichtig und könne zu einer Inflationsgefahr werden.

Auch der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, zeigte sich gestern beim Jahresempfang seines Instituts in Berlin über "den Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise" besorgt. Seine Sorgen würden "durch das Bemühen vieler Staaten um einen exklusiven Zugang zu Rohstoffen" noch verstärkt.

Die Politik der US-Notenbank (Fed), der Wirtschaft beinahe unbegrenzt Geld zur Verfügung zu stellen, treibt nicht nur die Aktienmärkte in die Höhe, sondern auch die Rohstoffpreise. Der steile Anstieg des wichtigsten Rohstoff-Sammelindexes CRB Ende 2009 folgte dem ersten großen Liquiditätsprogramm der Fed, sagt Julian Callow, Chefvolkswirt der britischen Bank Barclays. Mit dem zweiten Fed-Programm in Höhe von 600 Milliarden Dollar Ende 2010 stieg der Index dann auf einen neuen Rekordstand. Weitere Höchststände werden folgen, da sind sich die Experten sicher. Die Geldschwemme treibt nicht mehr nur die Vermögenspreise, sie erfasst jetzt mit voller Wucht die Realwirtschaft.

Kommentare (21)

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Inflationärer-Schockzustand

11.01.2011, 13:17 Uhr

Das mit dem Preisanstieg bei Weizen/Zucker usw. kann ich bestätigen.
Mein bäcker um die Ecke hat diese Woche seine Preise für backwaren im Schnitt um 20% erhöht.
Die USA sind übrigens der größte Weizenexporteur.
Ein Schelm wer böses dabei in Richtung China denkt, welche 1 Millarde Menschen ernähren müssen.
Nahrungsknappheit führt zur Destabilität eines Staates, zu sozialen Unruhen und dergleichen mehr.



wolfswurt

11.01.2011, 13:22 Uhr

Die Notenbanken und ihre Eigentümer die Geschäftsbanken fluten die Märkte mit FiatMoney und sorgen sich anschließend über steigende Preise die die Konjunktur gefährden?

Sagen sie mal geht´s noch?

Inflationärer-Schockzustand

11.01.2011, 13:33 Uhr

Hier noch die Weizen Export-Zahlen:
1. USA 27 Millionen Tonnen
2. Kanada 15 Millionen Tonnen
3. Russland 15 Millionen Tonnen
4. Australien knapp 15 Millionen Tonnen
5. Ukraine 8 Millionen Tonnen

Die größten Weizen-importeure sind:
1. Ägypten knapp 9,3 Millionen Tonnen
2. indonesien knapp 6 Millionen Tonnen
3. brasilien 6,5 Millionen Tonnen

Seit Mitte 2006 ist der Weizenpreis um 60 Prozent gestiegen“, berichtet Eberhard Groebel, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands des Deutschen bäckerhandwerks. Das liege auch daran, dass sich Chinesen zunehmend für brot- und backwaren interessierten. „insbesondere in den ballungszentren isst man auch mal gern ein Croissant oder ein brötchen. Europäische Verbraucher stehen also schon heute im Verteilungskampf mit 1,3 Milliarden Chinesen – und deren Kaufkraft steigt rapide. Durch diese Entwicklung wird die reale Kaufkraft der Deutschen eingeschränkt. Profitiert der Westen angesichts dieser Entwicklungen noch vom Wirtschaftsboom bei Maos Erben? Oder kosten uns die Chinesen heute schon mehr, als wir an ihnen verdienen?
Während die Verbraucherpreise seit 1991 im Schnitt um 32,2 Prozent zulegten, sind CD-Player oder Fotoapparate, die oft aus chinesischen Fabriken stammen, um ein Drittel günstiger geworden. Auch Textilien, Kleidung oder Schuhe verteuerten sich weniger stark als der Durchschnitt.
Doch wie oft im Jahr kaufen sich Menschen einen CD-Player oder ein Paar Schuhe – und wie oft müssen sie essen, warm duschen oder heizen?
Unglaubliche 1300 Milliarden Dollar sollen sich in Chinas Devisenschatulle befinden. Ein scheinbar unerschöpflicher Schatz, der zuletzt Monat für Monat um 45 Milliarden wuchs. Umgerechnet sind das gleichwohl nur 1000 Dollar pro Kopf, um das Volk bei Laune zu halten. Das fiel der Zentralregierung zuletzt schwer, denn auch in Asien klettern die Lebensmittelpreise, wie die Unruhen in Myanmar zeigen. Chinas immenser bedarf an Agrargütern verteuert die Lebensmittelpreise und damit auch die Lebenshaltungskosten in Deutschland. Das schmälert unsere Kaufkraft. China ist der weltgrößte importeur von Eisenerz, Mangan, blei oder Chrom – und mittlerweile auch von Holz oder Sojabohnen. Auf all diesen Märkten diktieren die Chinesen die Preise fast allein. ihre Nachfrage wird weiter steigen und nach den Getreide- demnächst auch die Fleischmärkte erfassen. (Quelle/Zitate: focus.de)




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