Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.01.2014

16:40 Uhr

US-Notenbank

Regeln für Rohstoff-Handel der Banken erarbeitet

Offenbar hat die US-Notenbank erste Vorschläge zur Beschneidung der Bankrechte im Handel mit Rohstoffen erarbeitet. Der Vorwurf an die Banken: Sie treiben die Preise in die Höhe und gefährden so das gesamte Finanzsystem.

Das Gebäude der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in Washington. Schon im Sommer kündigte die Fed an, den direkten Rohstoff-Handel der Finanzinstitute stärker unter die Lupe zu nehmen. dpa

Das Gebäude der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) in Washington. Schon im Sommer kündigte die Fed an, den direkten Rohstoff-Handel der Finanzinstitute stärker unter die Lupe zu nehmen.

New York/ WashingtonDie US-Notenbank hat offenbar erste konkrete Vorschläge zur Beschneidung der Rechte von Banken im direkten Handel mit Rohstoffen erarbeitet. Die Federal Reserve wollte dazu noch am Dienstag Details zu geplanten Regeländerungen bekanntgeben und Politik sowie Unternehmen um Stellungnahmen bitten, wie mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Am Mittwoch findet dann im Bankenausschuss des Senats eine zweite Anhörung zu dem Thema statt. Kritiker werfen den Banken vor, mit ihren Geschäften die Preise in die Höhe zu treiben und das gesamte Finanzsystem zu gefährden. Zudem wird das Recht der Geldhäuser hinterfragt, Öltanker und Metalllager zu besitzen und zugleich mit Rohstoffen direkt zu handeln und nicht nur am Derivate-Markt.

Konkrete Pläne der Fed wurden zunächst nicht bekannt. Üblicherweise gibt es 60 bis 90 Tage Zeit, auf die Pläne der Notenbank für ein neues Regelwerk zu reagieren. Einige Großbanken haben sich in Erwartung strengerer Auflagen bereits von Teilen ihres Rohstoff-Geschäfts getrennt.

Bereits im Sommer hatte die Fed angekündigt, den direkten Rohstoff-Handel der Finanzinstitute stärker unter die Lupe zu nehmen - ins Visier gerieten dabei Wall-Street-Schwergewichte wie Goldman Sachs und JPMorgan Chase. Die Basis für deren Geschäft mit Rohstoffen hatte die Notenbank erst 2003 gelegt, als sie einigen Banken Engagements in diesem Sektor erlaubte. Bereits 1999 wurde Finanzinstituten die Möglichkeit eingeräumt, Metall-Lager und Ölpipelines zu besitzen.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Einige betroffene Banken haben ihre Aktivitäten in dem sogenannten Geschäft mit physischen Rohstoffen bereits in Erwartung einer strikteren Regulierung stark zurückgefahren oder abgestoßen: So hat Morgan Stanley sein Ölhandelsgeschäft an den russischen Staatskonzern Rosneft verkauft. Auch die Deutsche Bank steigt gerade aus dem Geschäft aus. Dieser Handelsbereich hat insgesamt an Attraktivität für die Banken verloren: Die Margen werden geringer, und der Handel bindet viel Kapital. Erst im Sommer hatte JPMorgan seine Sparte zum Verkauf gestellt. Im Streit über Manipulationen am Energiemarkt schloss die Großbank im Sommer zudem einen Vergleich mit den US-Behörden. Die Energieaufsicht FERC stellt gegen die Zahlung von 410 Millionen Dollar ihre Untersuchung ein.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×