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03.05.2011

16:13 Uhr

Verblasster Glanz

Silberpreis setzt seine Talfahrt fort

Auf die heiße Rally folgt die Korrektur: Seit dem Allzeithoch in der vergangenen Woche ist der Silberpreis um zwölf Prozent abgestürzt. Und Analysten halten das Edelmetall immer noch für viel zu teuer.

Derzeit wird mehr von dem Edelmetall gefördert, als tatsächlich verbraucht wird. Quelle: dpa

Derzeit wird mehr von dem Edelmetall gefördert, als tatsächlich verbraucht wird.

FrankfurtNach dem Kurssturz zu Wochenbeginn ist der Silberpreis am Dienstag weiter abgerutscht. Am Nachmittag lag der Preis für die Feinunze bei rund 43,50 Dollar - ein Minus von erneut mehr als fünf Prozent gegenüber dem Vortag. Experten rechnen angesichts der zunehmenden Schwankungen mit einem noch stärkeren Rückschlag für Silber, das sich im laufenden Jahr in der Spitze um mehr als 60 Prozent verteuert hat. Luft aus der von Analysten ausgemachten Spekulationsblase ließ zuletzt die US-Warenterminbörse Comex - sie verteuerte den Handel mit Silber-Derivaten. Nun müssen für den Kauf eines einzigen Silber-Future, der für 5.000 Feinzunzen des Edelmetalls im Wert von etwa 220.000 Dollar steht, 12.000 Dollar als Sicherheitsleistung hinterlegt werden. Dies sind rund 50 Prozent mehr als noch vor Wochenfrist.

„Das hat die Anleger auf dem falschen Fuß erwischt“, sagt Analyst Daniel Briesemann von der Commerzbank. Als Reaktion auf die Margen-Anhebung war der Silber-Preis am Montag in der Spitze um elf Prozent eingebrochen. Dies war das größte Tagesminus seit den Turbulenzen rund um die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. In der Vorwoche war der Preis auf bis zu 49,51 Dollar gestiegen - den höchsten Stand seit 1980.

LBBW-Rohstoffexperte Thorsten Proettel hält Silber trotz des jüngsten Preisrutsches immer noch für überteuert. „Fundamental betrachtet müsste Silber rund zehn Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) billiger sein.“ Die Nachfrage aus der Solar- und der Unterhaltungselektronik-Industrie sowie nach Barren und Münzen nehme zwar zu, die Rally der vergangenen Monate sei aber eindeutig eine spekulative Überhitzung.

Meilensteine in der Entwicklung des Silberpreises

3000 vor Christus

Die ersten Versuche des Silberabbaus beginnen.

550 vor Christus

Die ersten Silbermünzen werden im östlichen Mittelmeerraum geprägt.

269 vor Christus

Das Römische Reich nimmt Silber in die Standard-Münzprägung auf.

206 vor Chr. bis 220 nach Chr.

Während der Han-Dynastie ist Silber Bestandteil der offiziellen Währung in China, allerdings bleibt die Verwendung der königlichen Familie vorbehalten.

750 bis 1200

Mehrere Silberminen werden in Sachsen und anderen Regionen Mitteleuropas entdeckt, darunter im slowakischen Schemnitz, in Rammelsburg und in Goslar.

775 nach Christus

Die Könige von Sachsen geben Silbermünzen heraus, die als „Sterling“ bekannt werden. Aus einem Pfund Silber werden 240 Münzen hergestellt.

1279 bis 1368

Während der Yuan-Dynastie in China sind Silberbarren als Währung weitverbreitet. Von der Ming-Dynastie an sind Silberbarren die am meisten im Umlauf befindlichen Zahlungsmittel bis zum Ende der Qing-Dynastie 1911.

1492

Mit der Entdeckung der „Neuen Welt“ durch Christoph Kolumbus werden die großen Minen in Mexiko, Bolivien und Peru gegründet. Auf sie gehen schließlich über 85 Prozent der weltweiten Silberproduktion zurück.

1792

Als erster Finanzminister der Vereinigten Staaten schlägt Alexander Hamilton die Schaffung eines auf Gold und Silber basierten Währungssystems vor.

1794

Am 15. Oktober wird der erste offizielle US-Silberdollar geprägt

1858

In Nevada wird Silbererz entdeckt. Der Fund sorgt, ähnlich wie beim kalifornischen Goldrausch zehn Jahre zuvor, für großen Wirbel.

1900

Mit dem „Gold Standard Act“ sagen sich die USA vom Bimetallismus los und binden ihre Währung an Gold. Wegen seiner zunehmenden Bedeutung als Geldreserve ist die Nachfrage nach dem Edelmetall bereits in den Jahrzehnten zuvor gestiegen und sorgte bei Silber für fallende Preise

1933

US-Präsident Roosevelt verordnet am 6. März einen viertägigen Bankfeiertag, um das Horten und den Export von Gold und Silber einzudämmen

1946

Der „Silver Purchase Act“ weist die US-Regierung als weltgrößten Silberkäufer aus. Er verpflichtet die Regierung, das Edelmetall nur zu einem festen Preis zu verkaufen.

1973

Die Gebrüder Hunt beginnen, groß ins Silbergeschäft einzusteigen.

18. Januar 1980

In Reaktion auf die sowjetische Invasion in Afghanistan steigt der Silberpreis auf ein Rekordhoch von knapp unter 50 Dollar je Feinunze. Bis zum Jahresende ist er wieder auf rund 15 Dollar gefallen.

1988

Die Gebrüder Hunt - Söhne des texanischen Öl-Tycoons Haroldson Lafayette Hunt Jr. - werden wegen versuchter Manipulation des Silbermarktes verurteilt. Sie müssen an ein peruanisches Mineralunternehmen 134 Millionen Dollar Schadenersatz zahlen. Die Brüder erklären ihren Bankrott.

1997 und 1998

Warren Buffett kauft rund 130 Millionen Feinunzen Silber.

2010

Der Silberpreis steigt um mehr als 80 Prozent und entwickelt sich damit deutlich besser als Gold, was 30 Prozent an Wert gewinnt.

2011

Die Rally setzt sich ungebremst fort. In den ersten vier Monaten steigt der Silberpreis um 55 Prozent und erreicht ein neues Rekordhoch bei 49,75 Dollar je Feinunze.

„Eigentlich sieht die Angebotsseite bei Silber gut aus“, sagt DZ-Bank-Analyst Gabor Vogel. Es werde derzeit mehr Edelmetall gefördert, als tatsächlich verbraucht werde. Dieser Überschuss werde allerdings von börsennotierten Edelmetall-Fonds (ETFs) abgegriffen, da für jeden verkauften Fonds-Anteil eine bestimmte Menge Silber aufgekauft und eingelagert werden muss. „So entsteht eine gefühlte Knappheit“, betont Vogel.

Die Bestände des weltgrößten Silber-ETF, dem iShares Silver Trust, eilten in den vergangenen Monaten von Rekord zu Rekord und liegen derzeit mit 354,1 Millionen Feinunzen nur knapp unter dem bisherigen Höchststand von 366,2 Millionen Feinunzen.

DZ-Bank-Experte Vogel sieht Silber bei einem Kurs von 35 bis 38 Dollar fair bewertet. „Dahin sollte sich der Preis in den nächsten sechs bis acht Wochen auch hinbewegen. Nach der jüngsten Rally ist eine gesunde Korrektur bitter nötig.“

Silber hat in den vergangenen Monaten einen beeindruckenden Höhenflug hingelegt: Nach dem rund 80-prozentigen Kursplus des Vorjahres kamen seit Anfang 2011 noch einmal rund 60 Prozent hinzu. Inflationsbereinigt ist das Edelmetall von seinem Rekordstand aus dem Jahr 1980 aber noch weit entfernt. Zu heutigen Preisen läge diese Marke bei etwa 130 bis 140 Dollar.

 

Kommentare (6)

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ANALysten......

03.05.2011, 16:29 Uhr

ANALysten......was dümmeres gibt es in keinem Kuhstall
Der Silberpreis wird sehr bald sehr hoch gehen. Drückungsversuche werden dann vorbei sein.
Die Welt geht zugrunde an Lüge und Manipulation......

Zahlmeister

03.05.2011, 16:40 Uhr

Das sind die gleichen Schwachköpfe und Hofnarren, welche seit Jahren von Edelmetallen abraten.

GGG

03.05.2011, 16:42 Uhr

Genau ! Man unkt breit und von der Kanzel der verstaatlichen Bank, schwätzt dummes Zeug und die Lemminge flüchten.
Gut so, dann kaufe ich dann billig nach und gebe dann bei 3-stelligem Silber wieder mal ab.
Macht so weiter, Ihr füllt mir die Tasche....
Das Handelsblatt sollte endlich unabhängiger werden. Bitte !

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