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04.08.2015

06:20 Uhr

Vermögensverwalter sehen keine Erholung

Sal. Oppenheim wirft Gold aus Kundendepots

VonJessica Schwarzer, Anke Rezmer

Gold hat als „sicherer Hafen“ ausgedient. Für Anleger verliert es an Nutzen. Auch Vermögensverwalter zweifeln an einer Preiserholung – und verbannen das Edelmetall aus den Depots ihrer Kunden.

Ein 50-Gramm-Goldbarren liegt in einem Goldautomaten: Der Preis des Edelmetalls ist deutlich gefallen, viele Experten erwarten auch keine Rückkehr wieder zu höheren Preisen. dpa

Goldautomat in Essen

Ein 50-Gramm-Goldbarren liegt in einem Goldautomaten: Der Preis des Edelmetalls ist deutlich gefallen, viele Experten erwarten auch keine Rückkehr wieder zu höheren Preisen.

Düsseldorf, Frankfurt„Wir sehen in Gold eine volatile und riskante Anlageform ohne inneren Wert“ sagt Maximilian Uleer, Portfoliomanager Investmentstrategie bei Sal. Oppenheim gegenüber dem Handelsblatt. Die Deutsche-Bank-Tochter gehört zu den Häusern, die das Edelmetall nun verbannen. „Auch mittelfristig erwarten wir keine Preiserholung“, erklärt Uleer. Auch die Hamburger Bank Donner & Reuschel hat sich von Gold verabschiedet. „Uns fehlen die technischen Einstiegssignale für einen Rückkauf“, sagt Carsten Mumm, Leiter der Vermögensverwaltung.

Der Preis für die eine Feinunze (31,1 Gramm) bewegt sich bei rund 1,090 Dollar auf einem Fünf-Jahrestief. Seit Januar ist der Preis um knapp neun Prozent gesunken. Im Juli sackte er so stark wie seit zwei Jahren nicht, als bekannt wurde, dass die chinesische Zentralbank als einer der großen Gold-Besitzer deutlicher Reservegold hält als erwartet.

Große deutsche Vermögensverwalter sind ebenfalls nicht vom Gold als Anlageklasse überzeugt. Das hat mehrere Gründe: „Gold hat seine Hedge-Funktion verlorenen“, sagt Stefan Kreuzkamp, Leiter Anleihen bei der Deutsche-Bank-Vermögensverwaltungstochter DeAWM. Früher habe sich der Goldpreis gegensätzlich zu anderen wichtigen Anlageklassen entwickelt, sagt er. Das sei nicht mehr der Fall, an den Märkten werde nicht mehr zwischen risikobehafteten und risikolosen Anlagen unterschieden, sagt er.

Goldnachfrage weltweit (in Tonnen)

2003

Schmuck: 2.484
Barren und Münzen: 304
ETFs: -
Industrie: 386
Zentralbanken: -620
Gesamt: 2.594 Tonnen

2004

Schmuck: 2.616

Barren und Münzen: 355

ETFs: 133

Industrie: 419

Zentralbanken: -479

Gesamt: 3.044

2005

Schmuck: 2.719

Barren und Münzen: 396

ETFs: 208

Industrie: 438

Zentralbanken: -663

Gesamt: 3.098

2006

Schmuck: 2.300

Barren und Münzen: 414

ETFs: 260

Industrie: 468

Zentralbanken: -365

Gesamt: 3.077

2007

Schmuck: 2.423

Barren und Münzen: 435

ETFs: 253

Industrie: 476

Zentralbanken: -484

Gesamt: 3.104

2008

Schmuck: 2.304

Barren und Münzen: 869

ETFs: 321

Industrie: 461

Zentralbanken: -235

Gesamt: 3.720

2009

Schmuck: 1.814

Barren und Münzen: 780

ETFs: 623

Industrie: 410

Zentralbanken: -34

Gesamt: 3.593

2010

Schmuck: 2.017

Barren und Münzen: 1.205

ETFs: 382

Industrie: 466

Zentralbanken: 77

Gesamt: 4.147

2011

Schmuck: 1.972

Barren und Münzen: 1.515

ETFs: 185

Industrie: 453

Zentralbanken: 457

Gesamt: 4.582

2012

Schmuck: 1.908

Barren und Münzen: 1.256

ETFs: 279

Industrie: 428

Zentralbanken: 535

Gesamt: 4.405

2013

Schmuck: 2.671

Barren und Münzen: 1.702

ETFs: - 916

Industrie: 354

Zentralbanken: 625

Gesamt: 4.436

2014

Schmuck: 2.457

Barren und Münzen: 1.004

ETFs: - 183

Industrie: 347

Zentralbanken: 588

Gesamt: 4.212

Q1 2015

Schmuck: 601

Barren und Münzen: 253

ETFs: 26

Industrie: 80,4

Zentralbanken: 119

Gesamt: 1.079
Auf das Jahr hochgerechnet: 4.316

So rutschte im Frühjahr, als der Kurs deutscher Staatsanleihen und die Aktienkurse sackten, auch der Goldpreis. Auch schwanke der Goldpreis stärker als Aktienkurse. Regelmäßige Erträge werfe das Metall ohnehin nicht ab. Gottfried Heller von der Vermögensverwaltung Fiduka hält Gold grundsätzlich nicht für eine sinnvolle Anlageklasse in der professionellen Geldanlage. „Mit Gold kann man das Vermögen nicht steigern, es schützt nur vor der Entwertung durch Inflation“, sagt er. „Nimmt man die Wertentwicklung von Gold ab 1982, so ergibt sich in Euro nominal ein Zuwachs von 2,4 Prozent pro Jahr – also nach Inflation ein Null-Summen-Spiel.“

Und vorerst gebe es keine Aussicht auf Besserung, meinen viele Strategen. Denn wenn die Zinsen in den USA vermutlich im Herbst zu steigen beginnen, steigen die so genannten Opportunitätskosten von Gold - wird das Metall also relativ unattraktiver im Vergleich zu Anleihen mit dann wieder höheren Kupons. Dass die Nachfrage nach Gold den Preis wieder hochzieht, erwarten Experten wie Kreuzkamp auch nicht in einem Umfeld niedrigen Welt-Wachstums.

Kommentare (17)

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Herr Michael Mouse

04.08.2015, 08:01 Uhr

Also, ich bin sicher kein "Experte" oder Goldfachmann. Aber, wenn ich die Anti Gold Artikel in den Medien so verfolge... das riecht schon verdächtig nach "niederschreiben". Nur warum ?
Die Kampange gegen Gold, wäre für mich Grund genug, erst recht welches zu kaufen.
Wenn ich das mit dem Gold ( also das zum anfassen ) richtig verstanden habe. Ist Gold eigentlich nie "mehr oder weniger "Wert". Es passt sich quasi dem Wert des "Papiergeldes" an.
Zudem was Gold "Wert" ist, zeigt sich eh erst wenn es mal so richtig heftig wird. Ist ja nicht so, als wären auf dieser Welt nicht reichlich "Zündschnüre" am Brennen.

Herr Jörg Dürre

04.08.2015, 08:22 Uhr

Mich würde beim Thema Gold interessieren
a) was H. Putin derzeit tut http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/groesster-goldkaeufer-die-welt-druckt-geld-putin-kauft-gold/7771062.html und
b) China http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-04-20/mystery-of-china-s-gold-stash-may-soon-be-solved-as-imf-beckons mit Gold als potenzielle Basis für die Internationalisierung des Yuan im Rahmen der Sonderziehungsrechte.

Herr J.-Fr. Pella

04.08.2015, 08:23 Uhr

Dies ist alles zutreffend, zumal die "Druckerqualität" von Draghi und der EZB genug Papiergeld auf d. Markt wirft.
Wir bleiben beim Edelmetall.
Abgesehen davon ist "Goldman Sachs" für Fair Play nicht gerade berühmt wie man seit Jahrzehnten weiß.

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