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16.10.2014

13:51 Uhr

Verschwörung oder Preiskampf?

Kalter Krieg ums Öl

VonJörg Hackhausen

Der Ölpreis fällt und fällt – in wenigen Wochen um mehr als 20 Prozent. Steckt dahinter ein Komplott? Mancher vermutet geheime Absprachen zwischen Saudi-Arabien und den USA. Die Verlierer: Russland, Iran und Venezuela.

Der Preis für Öl fällt - doch was steckt dahinter? Getty Images

Der Preis für Öl fällt - doch was steckt dahinter?

DüsseldorfDer Hinweis war dezent, doch die Botschaft hatte es in sich: Wir können gut mit einem niedrigeren Ölpreis leben, erklärten Vertreter des saudischen Ölministeriums gegenüber Investoren und Analysten. Selbst ein Ölpreis von 80 Dollar je Barrel sei für Saudi-Arabien erträglich. Obwohl die Gespräche am Wochenende hinter verschlossenen Türen stattfanden, blieb die Nachricht nicht lange geheim – und das war vermutlich genau so gedacht. Die Saudis wollen einen Preiskampf.

Dass eines der größten Förderländer niedrigere Preise akzeptieren und gleichzeitig die Produktion hochhalten will, sorgte für einen Schock am Ölmarkt; zumal sich Kuwait und Irak anschließend ähnlich äußerten. Die meisten Beobachter hatten erwartet, das Erdölkartell Opec würde seine Förderung drosseln, nachdem der Ölpreis in den vergangenen Wochen bereits deutlich gefallen war. Im Sommer kostete ein Barrel der Sorte Brent noch 115 Dollar – aktuell sind es 82 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit vier Jahren.

Warum lassen die Saudis den Ölpreis freiwillig abstürzen? Dem Monatsbericht der Opec zufolge hat Saudi-Arabien seine Förderung im September sogar erhöht. Das Königreich fördert täglich rund 9,6 Millionen Barrel und ist damit der zweitgrößte Ölförderer der Welt, gleich hinter Russland und noch knapp vor den USA.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Der Preisverfall trifft alle Staaten, die vom Ölexport abhängig sind, vor allem aber Russland. Öl und Gas sind die wichtigsten Exportgüter – und machen etwa die Hälfte der Einnahmen des russischen Staates aus. Nach Schätzungen der russischen Sberbank braucht das Land einen Ölpreis von 104 Dollar, um im kommenden Jahr einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen. Bliebe der Ölpreis so niedrig wie jetzt, müsste Russland seine Ausgaben massiv kürzen, was wiederum die Konjunktur abwürgen dürfte.

Die russische Zentralbank soll einen Notfallplan vorbereiten. Die Nachrichtenagentur Interfax zitierte eine Notenbankerin mit den Worten, die Währungshüter arbeiteten an einem „Stress-Szenario“. Es sehe Notmaßnahmen für den Fall vor, dass der Ölpreis auf 60 Dollar pro Fass falle.

Erinnerungen an die 1980er-Jahre werden wach, als der niedrige Ölpreis den Niedergang der Sowjetunion beschleunigte. In Russland hegt daher mancher einen Verdacht: Der ehemalige russische Finanzminister Alexei Kudrin erklärte im russischen Staatsfernsehen, es könne „eine Art Übereinkunft“ zwischen den USA und den Ölstaaten des Nahen Ostens geben, wonach man die Produktion hoch und den Preis niedrig halten wolle. Noch deutlicher wurde Michail Leontjew, Sprecher der staatlichen Ölgesellschaft Rosneft: „Die Preise sind manipuliert“, sagte er in einem Radio-Interview. „Saudi-Arabien bietet große Rabatte auf Öl. Das ist politische Manipulation.“

Kommentare (43)

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Frau Dr. Max Motte

16.10.2014, 14:00 Uhr

Wollen die USA, Putin mit niedrigem Öl-Preis in die Knie zwingen?

Auf Drängen der USA hat Saudi-Arabien seine Öl-Produktion massiv ausgeweitet. Dies hat entscheidend dazu beigetragen, dass der Ölpreis seit Juni um rund 20 Prozent eingebrochen ist.

Der Preisverfall schadet vor allem Russland, das den Großteil seiner Staatseinnahmen aus dem Export von Öl und Gas bezieht. Sollte Saudi-Arabien den Öl-Krieg fortsetzen, droht Putin erstmals ein deutliches Staatsdefizit.

Saudi-Arabien hat seine Ölproduktion zuletzt massiv erhöht und dadurch zu dem Verfall des Ölpreises um rund 20 Prozent beigetragen. Grund dafür ist offenbar eine strategische Zusammenarbeit mit den USA, die Russland durch einen Ölkrieg in die Knie zwingen wollen.

Im Rahmen dieser Verhandlungen erreichte Saudi-Arabien außerdem die Zusicherung der USA, die Ausbildung von Kämpfern gegen Assad zu verstärken, berichtete das Wall Street Journal. Die strategische Partnerschaft zwischen Saudi-Arabien und den USA scheint wieder intakt zu sein.

Vor einem Jahr war Saudi-Arabiens König Abdullah noch wütend darüber gewesen, dass die USA damals einen Rückzieher machten und Syrien nach wochenlangen Drohungen dann doch nicht bombardierten.

Von Anfang an ging es im Syrien-Krieg um den Zugriff auf Erdöl und Erdgas und um die Währung Dollar, in der diese Ressourcen bezahlt werden.

Entscheidend war damals die Rolle Russlands, dass seine Flotte im Mittelmeer in Stellung brachte. Präsident Wladimir Putin konnte auf diese Weise einen Krieg der USA gegen das eng mit Russland verbundene Syrien verhindern.

(...)

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

G. Nampf

16.10.2014, 14:07 Uhr

@ Dr. Max Motte

Diese Links auf den Kopp-Verlag nerven langsam ein bißchen. Der Kopp-Verlag mag ein Eldorado für Verschwörungstheorien sein, aber seriös ist er nicht.

@HB:

Ein dickes Lob an die Redaktion, daß Sie sich mit diesen Verschwörungstheorien kritisch ausenandersetzt, anstatt sie einfach für "dumm" zu erklären.

Frau Dr. Max Motte

16.10.2014, 14:08 Uhr

Wollen die USA einen Nato-Krieg in Europa gegen Russland?

Wir befinden uns seit 2009 inmitten eines gewaltigen Wirtschafts- und Währungskriegs.

Von den Massenmedien totgeschwiegen, stehen sich das westliche Bankenkartell um die private Fed und die aufstrebenden Nationen um die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) gegenüber.

China & Russland fordern ein Ende der Dollar-Herrschaft und die Einführung einer neuen, durch Gold gedeckten Weltleitwährung.

Das westliche Bankenkartell versucht indes mit allen Mitteln ( inkl. Krieg ), seinen sterbenden Fed-Dollar lange genug am Leben zu erhalten, um zwischenzeitlich wieder eine eigene, neue Weltwährung etablieren zu können.

Die USA ist im freien Fall und dabei ihre Weltherrschaft an China & Russland abzutreten.
Unter diesem Gesichtspunkt sind unter anderen der Syrien- und der Ukrainekonflikt zu sehen.

Die USA tauschen seit Jahren weltweit wertvolle Rohstoffe gegen "wertlose" Dollar!

Mit ihrer Weltährung Dollar musste jedes Land im internationalen Zahlungsverkehr sich Rohstoffe bezahlen lassen und die private FED konnte dafür ohne Ende bunte Papierdollar drucken.

Gegen die Länder, die in der Vergangenheit nicht an diesem "Spiel" teilhaben wollten, sondern ihre Rohstoffe für andere Währungen weggaben, wurde ein Krieg inszeniert (Irak, Libyen, etc. und jetzt Russland).

In der Tat besteht derzeit eine Gefahr, dass ein 3. Weltkrieg sich an den aktuellen Konflikten entzünden könnte. In der Jelzin-Ära war Washington in Russland schon fast am Ziel gewesen, da sie über Beteiligungen an den Schlüsselindustrien wie Öl und Gas, aber auch den Medien, schon einen großen Profit aus dem Land gezogen hatten.

Das änderte sich als Putin an die Macht kam.

Er bekämpfte das alte System.

Aus diesem Grund ist Putin den USA bzw. deren Regierungen ein Dorn im Auge und wird deswegen in den Lügenmedien verteufelt.

Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien?

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