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16.07.2017

10:20 Uhr

Versteckte Identitäten

Die Kryptowährungs-Milliardäre

0x00A651D43B6e209F5Ada45A35F92EFC0De3A5184 - mit dieser Identifizierungsnummer hat ein unbekannter Kryptowährungs-Händler Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe erzielt. Wahrscheinlich gibt es sogar Krypto-Milliardäre.

Digitale Währungen werden zunehmend auch zum Zocken benutzt. AP

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Digitale Währungen werden zunehmend auch zum Zocken benutzt.

New YorkEin unbekannter Kryptowährungs-Händler hat 55 Millionen Dollar an Vermögen in etwas mehr als einem Monat zu 283 Millionen Dollar gemacht – natürlich nur auf dem Papier. Den einzigen Hinweis auf die Person oder die Personen hinter der virtuellen Geldbörse (Wallet) mit der Identifizierungsnummer 0x00A651D43B6e209F5Ada45A35F92EFC0De3A5184 gab es am 11. Juni bei Instagram. Damals erschien eine Mitteilung auf Indonesisch, in welcher der oder die Autoren damit angaben, einen Gewinn von 413 Prozent früher im Jahr mit Ether erzielt zu haben – dem digitalen Geld der Ethereum-Blockchain.

Versteckte Identitäten sind populär in der Welt des virtuellen Geldes. Im Juni war der gesamte Wert von Crypto-Währungen wie Bitcoin und Ether auf mehr als 100 Milliarden Dollar geklettert. Damit bewegten sie sich auf den Marktwert von McDonald’s Corp. zu. Vor diesem Hintergrund sagen jetzt einige Aufseher, dass es vielleicht an der Zeit ist, die Geldbörsen-IDs mit echten menschlichen Namen zu verlinken.

Vor ein paar Jahren nutzte Ross Ulbricht, der seinerzeit den Namen Dread Pirate Roberts nutzte, Bitcoin, um Geld zu waschen und für Drogengeschäfte. Deshalb wurde er zu einer lebenslangen Haft in den USA verurteilt.

Die wichtigsten Antworten zum Bitcoin

Was sind Bitcoins?

Bitcoins sind eine digitale Währung, deren Idee 2008 vorgestellt wurde. Die Bitcoins werden in komplizierten Rechenprozessen erzeugt, das kostet viel Zeit und Rechenleistung, wodurch eine Inflation verhindert werden soll. Auf Plattformen im Internet werden die Bitcoins gegen klassische Währungen gehandelt. Damit soll ein Geldsystem ermöglicht werden, das unabhängig von Staaten und Banken funktioniert sowie Transaktionen beschleunigt und Kosten minimiert.

Verbreitung

Pro Tag werden der Bundesbank zufolge auf der ganzen Welt 350.000 Transaktionen mit dem digitalen Tauschmittel getätigt, verglichen mit 77 Millionen Überweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen allein in Deutschland. Vor allem die Bitcoins haben sich über die USA hinaus zu beliebten Spekulationsobjekten mit starken Kursschwankungen entwickelt, außerdem zu einer Art Alternativwährung in Ländern mit Kapitalverkehrskontrollen. So ballt sich ein Großteil des Handels in China.

Vorteil 1

Durch Bitcoins sollen die Gebühren von Finanztransaktionen radikal absinken: Während man für eine Auslandsüberweisung über ein traditionelles Kreditinstitut schnell einen zweistelligen Euro-Betrag zahlt, ist die Gebühr für eine Bitcoin-Transaktion gering, liegt teilweise im Cent-Bereich. Zudem dauert die Transaktion meist nur Minuten, ganz egal wie groß die geografische Distanz zweier Konten zueinander ist.

Vorteil 2

Die Digitalwährung wird „peer-to-peer“ gehandelt, also direkt zwischen Nutzern ohne die Hilfe von Banken. Möglich macht dies die Nutzung der Blockchain-Technik: Innerhalb des Systems werden alle Transaktionen vielfach und dezentral (und damit dauerhaft nachvollziehbar) gespeichert. Dies könnte nicht nur Währungstransaktionen ohne Zwischeninstanz ermöglichen, sondern zum Beispiel auch Immobiliengeschäfte – die Rolle des Notars übernimmt dann das Blockchain-System. Ihr Konzept hat der bis heute unbekannte Bitcoin-Erfinder Satoshi Nakamoto in seinem berühmten „White Paper“, dem Gründungsdokument der Community, 2008 beschrieben. Bitcoins funktionieren außerdem „permissionless“, können also ohne Erlaubnis durch eine technische Aufsichtsbehörde benutzt werden. Die Internetwährung ist zudem „trustless“: Anleger müssen keiner externen Partei vertrauen, etwa auf die Autorität staatlicher Aufsichtsbehörden oder Zentralbanken, um Bitcoins nutzen zu können.

Nachteil 1

Hauptproblem für die Nutzer dürfte die starke Volatilität sein: Tatsächlich gab es seit 2014 mehrere markante Einbrüche. Im Januar war der Kurs noch unter die Marke von 800 Dollar gerutscht, auch im März hatte es einen größeren Rückschlag gegeben. Wie volatil der Kurs auf lange Sicht ist, zeigt ein Blick auf den Wertverlauf: Nach einem ersten Höchststand bei über 1.200 Dollar Ende 2013 ging es für Bitcoin-Besitzer vor allem bergab. Erst seit Ende 2015 steigt der Kurs tendenziell wieder, weist aber hohe Ausschläge nach oben und unten auf. Ein weiteres Problem: Bitcoins sehen sich harscher Kritik der Aufsichtsbehörden ausgesetzt. Kritiker monieren, dass die Digitalwährung wegen der schwer nachvollziehbaren Zahlungswege auch für kriminelle Zwecke verwendet werden kann. Die Bundesbank hatte unlängst Sparer vor Geldanlagen in der Digitalwährung gewarnt. Der Bitcoin sei „ein Spekulationsobjekt“, dessen Wert sich rapide verändere, sagte Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele. „Aus unserer Sicht ist der Bitcoin kein geeignetes Medium, um Werte aufzubewahren.“

Nachteil 2

Absolute Sicherheit gibt es nicht, wie die Angreifbarkeit digitaler Währungen zeigt. So gab es in der Vergangenheit zahlreiche Hackerangriffe auf große Krypto-Tauschbörsen wie MtGox oder BitFinex, bei denen Nutzer Geld verloren haben. Und innerhalb der Bitcoin-Gemeinde schwelt ein Streit über die Herstellungsrechte. Auf unbedarfte Benutzer, auf die die eingeschworene Bitcoin-Gemeinschaft eher abschätzig herabblickt, lauert eine weitere Gefahr: Digitalwährungen, die sich zwar begrifflich an die Bitcoin-Währung anlehnen, hinter denen aber ein betrügerisches System steckt. Der bekannteste Fall ist der der sogenannten Onecoins. Onecoins waren nur über eine zentrale Plattform zu erwerben und auf zentralen Servern gespeichert, Nutzer somit voll dem Betreiber ausgeliefert – für die Bitcoin-Gemeinde, die sich in Online-Foren wie Reddit austauscht, klare Anzeichen für ein Betrugssystem. Inzwischen ermitteln die Behörden.

Das bedeutet nicht, dass 0x00A651D43B6e209F5Ada45A35F92EFC0De3A5184 etwas Illegales macht. Doch die Dunkelheit des gesamten Marktes könnte dazu führen, dass plötzliche Preisbewegungen zunehmen. Der Wert von Ether war beispielsweise von acht Dollar pro Einheit zu Beginn des Jahres auf 400 Dollar im Juni geklettert, bis er zuletzt bei ungefähr 250 Dollar lag. Der Mangel an Transparenz hindert die Online-Währungen möglicherweise auch daran, die Massen zu erreichen, heißt es in Unterlagen zu einem Gesetzentwurf des Europäischen Parlaments aus dem März.

„Eine der wichtigeren Eigenschaften ist, dass es keine Identitäten gibt, die damit verknüpft sind“, sagt Spencer Bogart, Analyse-Chef bei Blockchain Capital. „Diese Finanz-Privatsphäre ist eine wichtige Charakteristik.“

Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, die Geschäfts- und Finanzwelt deutlich zu verändern. Sie ermöglicht umgehende Ausführungen von Aktivitäten wie Bank-Überweisungen und Handel von Wertpapieren. Firmen wie JP Morgan Chase, BP, Microsoft. und ING experimentieren bereits damit.

Digitales Geld

Was ist eine Kryptowährung?

Digitales Geld: Was ist eine Kryptowährung?

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Aktuell gibt es Ether im Volumen von rund 23 Milliarden Dollar. Das bedeutet, dass dutzende elektronische Geldbörsen neunstelligen Positionen angehäuft haben. Viele könnten sich im Besitz von einzelnen Personen befinden, geht aus einer Bloomberg-Analyse hervor. Einzelpersonen können zudem mehrere Geldbörsen gleichzeitig besitzen.

Kandidaten für Krypto-Milliardäre sind wahrscheinlich der Hedgefonds-Manager Michael Novogratz sowie Joseph Lubin, Gründer von ConsenSys, einem Blockchain-Studio, das an Ethereum arbeitet.

Novogratz, einst Manager bei Fortress Investment Group und Goldman Sachs Group Inc., hatte vergangenen Monat gesagt, dass er zehn Prozent seines Vermögens in virtuelle Währungen investiert hat. Das entspricht einem Volumen von mindestens 90 Millionen Dollar, basierend auf dem Nettovermögen von 925 Millionen Dollar laut Bloomberg Billionaires Index. Novogratz wollte keinen Kommentar abgeben.

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Kurssprünge von 2000 Prozent? Riesenpotenzial? Der Hype um digitale Währungen hat auch Handelsblatt-Redakteurin Astrid Dörner gepackt.

Lubin, einst Chief Operating Officer der Ethereum Switzerland GmbH, von der die Software entwickelt wurde, könnte hunderte Millionen Dollar in Ether halten, wie verschiedene Investoren berichten. Der kanadische Geschäftsmann reagierte nicht auf Anfragen mit der Bitte um eine Stellungnahme.

Krypto-Währungen könnten eine fünf Billionen Dollar schwere Branche werden, aber sie müssen solide Geschäftsprinzipien entwickeln, um die Aufsichtsbehörden zu befriedigen und Legitimität zu erhalten, sagte Novogratz Ende Juni bei einer Konferenz in New York.

0x00A651D43B6e209F5Ada45A35F92EFC0De3A5184 war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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