Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.05.2016

16:09 Uhr

Virtuelle Währung „Ethereum“

Das sind die neuen Bitcoins

VonFrank Wiebe

Der neue Star der Fintech-Szene, Vitalik Buterin, hat eine Alternative zu Bitcoins entwickelt, die über reine Zahlungen und Buchhaltungsvorgänge hinaus gehen. Auch Energieversorger wie RWE sind an der Technik interessiert.

Die Blockchain-Revolution hat großes Potenzial. Reuters

´Bitcoin-Logo

Die Blockchain-Revolution hat großes Potenzial.

New YorkIn Russland geboren, in Kanada aufgewachsen, offiziell wohnhaft im Schweizer Kanton Zug, zu Hause in der grenzenlosen digitalen Welt: Der 22-jährige Vitalik Buterin ist der neue Star der Fintech-Szene. Nach einem abgebrochenen Studium schrieb er zunächst über Blockchains, entwickelte 2013 ein eigenes Konzept und gründete 2014 Ethereum, eine Alternative zu Bitcoins, die besonders für den Einsatz von Smart Contract, also automatisierten Verträgen, geeignet ist. Heute sind „Ethers“ die wichtigste virtuelle Währung neben Bitcoins.

Die zu Grunde liegende Blockchain von Ethereum ist wegen ihrer flexiblen Einsatzmöglichkeiten für viele potenzielle Anwender eine interessante Alternative. Dieses Netzwerk hat inzwischen mehr Knoten als das hinter den Bitcoins. Die Beratungsfirma Deloitte hat mit Buterin eine Kooperation abgeschlossen und möchte Konzepte für die Finanzbranche anbieten.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Der Vorteil von Ethereum: Dort lassen sich sehr einfach, ohne eigene Programmier-Kenntnisse, sogenannte Smart Contracts einbauen. So können etwa Auktionen organisiert werden, bei denen Einzahlungen, Auszahlungen und Rückzahlungen automatisch ablaufen. Konzepte zum Crowdfunding, also zur Aufbringung von Finanzmitteln von einer großen Zahl von Geldgebern, sind so einstellbar, dass zugleich elektronische Stimmrechte für die Verwendung der Mittel geschaffen werden.

Ethereum stößt über die Finanzbranche hinaus auf Interesse, etwa bei Versorgern. „Blockchain heißt für uns Ethereum“, sagt Carsten Stöcker von RWE. Wenn die Versorger sogenannte Smart-Grids bauen, also intelligente Versorgungsnetze, brauchen sie begleitend dazu auch smarte Abrechnungssysteme. Das Beispiel zeigt: Die Blockchain-Revolution hat noch unabsehbar großes Potenzial.

Buterin, der Erfinder von Ethereum, hofft, dass er in ein bis zwei Jahren konkrete Projekte vorweisen kann. Er fällt mit seiner schlaksigen Gestalt, meist in ein weißes T-Shirt gekleidet, auf jeder Veranstaltung sofort auf. Er wirkt zunächst zurückhaltend, beinahe schüchtern, kann aber wie ein Wasserfall in schnellen, langen Sätzen reden, wenn man ihm eine Frage stellt.

Auf seiner Homepage gibt er eine Selbst-Charakterisierung und zugleich eine Kostprobe seiner gewundenen Gedankengänge: „Mein primäres akademisches Interesse liegt im Studium und der Erforschung der komplizierten Schnittstelle zwischen Informations-Theorie, Kryptographie, Soziologie, Epistemologie, Politik und Ökonomie, in deren Kern Mechanismen stecken wie Prognosemärkte, krypto-ökonomische Maschinen (für den Laien: Blockchains), Kautionen, Systeme zum Schutz von Verbrauchern und Reputation, Sicherheitssysteme mit mehrfachen persönlichen Schlüsseln und Skalierbarkeits-Spiele.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×