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10.08.2015

10:40 Uhr

Virtuelle Währung

Warum Bitcoins nichts für Verbrecher sind

VonMichael Brächer

Eine US-Studie legt nahe, dass Kriminelle gerne mit Bitcoins bezahlen. Ein wissenschaftlicher Beweis für die Gefährlichkeit der Online-Währung? Mitnichten. Denn für ihre Studie haben die Forscher einen Trick benutzt.

Bitcoins gerieten im vergangenen Jahr immer wieder in die Schlagzeilen. Zuletzt wurde der Gründer der Bitcoin-Börse Mt. Gox in Tokio verhaftet. dpa

Bitcoins

Bitcoins gerieten im vergangenen Jahr immer wieder in die Schlagzeilen. Zuletzt wurde der Gründer der Bitcoin-Börse Mt. Gox in Tokio verhaftet.

FrankfurtManche Geschichten sind zu schön, um wahr zu sein. Etwa diese: „Bitcoin-Nutzer sind meistens Kriminelle“, schreibt die „Welt“ unter Berufung auf eine US-Studie. Und macht die virtuelle Währung nicht tatsächlich in erster Linie mit Skandalen von sich reden? In Tokio wurde am Wochenende der Betreiber der Bitcoin-Börse Mt. Gox verhaftet; in den USA wanderte Silk-Road-Gründer Ross Ulbricht lebenslang ins Gefängnis. Das heißt aber noch längst nicht, dass vor allem Ganoven mit Bitcoins bezahlen.
Genau das wollen zwei amerikanische Forscher herausgefunden haben. Aaron Yelowitz und Matthew Wilson von der Universität Kentucky widmen sich in den Applied Economics Letters der Charakteristik der Bitcoin-Nutzer. Über die ist wenig bekannt. Denn wenn jemand Bitcoins überweist, wird das zwar in einer großen Datenbank, der sogenannten Blockchain, dokumentiert. Allerdings nicht unter dem Klarnamen, sondern unter einer Bitcoin-Adresse. Wer sich dahinter verbirgt, ist nicht ersichtlich - auch nicht für die Forscher. Deshalb bedienen sie sich eines Tricks. Mit den „Google Trends“ werten die Ökonomen aus, welche Begriffe Internetnutzer bei Google suchen. Sie stellen fest: Wenn sich mehr Leute für Bitcoins interessieren, steigt auch das Interesse für den Suchbegriff „Silk Road“ - den illegalen Online-Schwarzmarkt von Ross Ulbricht. Mit statistischen Methoden zeigen die Forscher, dass es zwischen beiden Begriffen einen signifikanten Zusammenhang gibt. „Wir fanden klare Hinweise, dass Computer-Enthusiasten und Kriminelle für das Interesse an Bitcoins entscheidend sind“, schreiben die Forscher.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Doch ein Beweis, dass Bitcoins deshalb für kriminelle Zwecke benutzt werden, ist das natürlich nicht. Die Suchmaschine führt Nutzer nämlich bei der Suche auf eine bestimmte Fährte, indem sie Suchbegriffe automatisch vervollständigt. Google geht davon aus, dass man sich für ähnliche Schlagworte interessiert wie der Rest der Welt. Dadurch verselbstständigen sich Trends. Ganz davon abgesehen, dass Medien das Interesse an Bitcoins befeuerten, indem sie immer wieder über den Silk-Road-Skandal berichteten. Dass umso häufiger nach beiden Begriffen gesucht wird, ist deshalb kein Wunder.
Das Hauptproblem der Studie legen die Autoren jedoch schon im zweiten Absatz selbst offen. Weil jemand sich für etwas bei Google interessiert, heißt das nicht, dass er in der Offline-Welt auch danach handelt. In den amerikanischen Google-Charts stand zuletzt etwa „Kevin Bacon“ und „nackt“ hoch im Kurs - dass alle Google-Nutzer dem Hollywoodstar auch privat nachstellen würden, darf bezweifelt werden.

Bitcoins : Auf den Spuren der Pleite von MtGox

Bitcoins

Auf den Spuren der Pleite von MtGox

650.000 Bitcoins sind am Börsenplatz MtGox verschwunden: Nun stempeln Japans Ermittler den ehemaligen Börsenchef Mark Karpelès als Alleinschuldigen ab. Er selbst beteuert bisher seine Unschuld. Doch wer hat recht?

Tatsächlich eignen sich Bitcoins nur bedingt für illegale Machenschaften. Denn dem Nutzer wird ja eine Bitcoin-Adresse zugeordnet. Bitcoins sind also nicht anonym, wie Kritiker gerne anprangern. Sie sind pseudonym. Für einen kriminellen Bitcoin-Nutzer hat das unangenehme Konsequenzen: Spätestens wenn er die virtuelle Währung von seiner Bitcoin-Adresse in bares Geld tauschen will, lässt sich seine Spur verfolgen. Bei europäischen Bitcoin-Börsen gehen regelmäßig Anfragen der Staatsanwaltschaft ein - und mancher Gauner wundert sich, wenn daraufhin eines Morgens die Polizei bei ihm klingelt. Das zeigt: Es gibt also tatsächlich Kriminelle, die Bitcoins nutzen - dass sie die Mehrheit der Bitcoin-Nutzer stellen, bleibt aber zu beweisen.

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