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20.12.2013

13:50 Uhr

Virtuelle Währungen

Bafin geißelt Bitcoins

VonJan-Henrik Förster

Die Bonner Behörde hat die Cyber-Münzen zwar als Zahlungsmittel akzeptiert – doch so richtig anfreunden können sich die Aufseher mit Bitcoins doch noch nicht. In einem Bericht sezieren die Experten das Internetgeld.

Banking ohne Banken

Wie Bitcoins funktionieren

Banking ohne Banken: Wie Bitcoins funktionieren

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Düsseldorf Tiefschürfender hatte sich die Bafin bislang noch nicht zur Internet-Währung Bitcoin geäußert. Auf ihrer Webseite veröffentlichte die Behörde am Donnerstag eine „aufsichtliche Bewertung“. Tenor: Bitcoins bergen große Risiken. Diese seien zwar für sich genommen auf dem Finanzmarkt nicht neu. Wegen der „spezifischen Struktur“ der Cyber-Taler würden sich die Risiken für die Nutzer jedoch häufen, heißt es. Neben Sicherheitslücken merkten die Aufseher an, dass Transaktionskosten für Bitcoins in Zukunft steigen könnten.

Die Internet-Währung gilt auch deshalb als zukunftsfähiges Zahlungsmittel, weil Überweisungen weniger kosten und schneller gehen, als das bei Banken und anderen Bezahldiensten, wie etwa PayPal, der Fall ist. Die Bafin folgt mit ihrer Analyse nun anderen Regulatoren weltweit, die sich ebenfalls in den vergangenen Monaten mit den Cyber-Münzen beschäftigt haben.

Es zeigt sich: Die Finanzaufseher nehmen den Aufstieg des Internetgeldes, das durch keine Zentralbank gestützt ist, durchaus ernst. Der Bitcoin-Kurs stürzte an der Börse Mt. Gox in dieser Woche wegen des Verbots in China von 1200 US-Dollar auf 700 Dollar – solche Kurssprünge waren in der Vergangenheit nicht ungewöhnlich.

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Experten sagten dem Handelsblatt, dass 80 Prozent der Bitcoin-Transaktionen auf Spekulation – etwa auch von Hedgefonds und Bankern – zurückzuführen seien. In Dänemark stellte die Finanzaufsicht fest, dass sie Unternehmen den Aufbau einer Bitcoin-Plattform nicht verbieten könne.

In Norwegen hat die Regierung die Münzen mit einer Kapitalertragssteuer versehen, weil die Münzen „nicht unter die gängige Definition von Geld“ fielen. In China untersagte die Zentralbank Transaktionen mit Bitcoins und auch die European Banking Authority (EBA) warnte zuletzt vor den Risiken.

Kommentare (3)

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Seismograph

20.12.2013, 14:27 Uhr

Na, wenn jetzt so ziemlich ALLE systemkonformen Medien vor Bitcoins warnen, dann wird es Zeit sich mit diese Waehrung, die uebrigens objektiv gesehen, absolut die gleichen Parameter haben als die Fiat Waehrungen, auszustatten!
Hier gibt es noch nicht so viele Systemlinge, die ausgefeilte und abgestimmte Methoden entwickelt haben, alles zu manipulieren was zu manipulieren ist!

Anu

20.12.2013, 15:16 Uhr

„Was Anlagen in das Luftgeld Euro angeht, wäre ich vorsichtig: Wegen der beliebigen Erzeugbarkeit und des extremen Leveragings und Intransparenz des Marktes sind diese sicherlich nicht risikoarm“

Finanzexperte

20.12.2013, 17:54 Uhr

In diesem Artikel wird wieder einmal vieles zusammengewürfelt. Bitcoins sind weder Ersatz für PayPal noch sind Bitcoins unsicher. Was eindeutig erst am Entstehen ist, ist eine Infrastruktur, die man rund um eine Währung noch braucht wie Trustcenter, sichere Online-Wallets usw. Richtig ist: Niemand sollte heute Geld in Bitcoins wandeln, das er morgen zum Leben braucht. Langfristig werden sich Bitcoins durchsetzen, weil man sie einerseits nicht verbieten kann, ohne das Internet abzuschalte,n und weil andererseits das System völlig neue Möglichkeiten und großen Nutzen bietet. Somit kann man erwarten, aller Kritik zum Trotz, hier etwas am Entstehen ist, was die Finanzwelt nachhaltig verändern wird.

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