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05.03.2014

10:21 Uhr

Virtuelles Geld

Eine weitere Bitcoin-Börse schließt

Der nächste Rückschlag für die digitale Währung Bitcoin: Der kanadische Betreiber Flexcoin klagt über einen Raub und eine Hackerattacke. Die Pforten werden mit sofortiger Wirkung geschlossen.

Die negativen Nachrichten über die digitale Währung Bitcoin reißen nicht ab. Reuters

Die negativen Nachrichten über die digitale Währung Bitcoin reißen nicht ab.

WashingtonErneut hat eine Handelsplattform für die virtuelle Währung Bitcoin ihre Tätigkeit nach einem mutmaßlichen Hacker-Angriff eingestellt. Die Firma Flexcoin mit Sitz in Kanada teilte am Dienstag (Ortszeit) mit, bei einer Attacke von Internet-Kriminellen seien ihr am Sonntag 896 Bitcoins gestohlen worden. Deren Wert entspricht nach aktuellen Wechselkursen etwa 580.000 US-Dollar (420.000 Euro). Da Flexcoin keine Möglichkeit habe, diesen Verlust auszugleichen, "schließen wir ab sofort unsere Türen", teilte die Firma mit.

Noch vorhandene Bitcoins will Flexcoin den Angaben zufolge den Besitzern zurückgegeben. Außerdem werde die Firma "versuchen, mit den Justizbehörden zusammenzuarbeiten, um den Ursprung dieser Hacker-Attacke zu finden".

Die wichtigsten Fragen zu Bitcoins

Was sind Bitcoins?

Bitcoins (BTC) sind verschlüsselte Datenpakete aus Zahlen und Buchstaben.

Wer hat Bitcoins erfunden?

Als Erfinder gibt sich jemand aus, der auf einer Kryptografie-Mailingliste unter dem Namen Satoshi Nakamoto auftrat – vermutlich ein Pseudonym, möglicherweise steckt sogar eine Gruppe dahinter. Er umriss das Konzept 2008 in einem Grundsatzpapier und brachte 2009 eine Software zum Bitcoin-Austausch heraus. Mittlerweile kümmert sich eine kleine Community von Entwicklern darum – der Quellcode liegt offen.

Wozu sind Bitcoins gut?

Für die einen sollen Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel im Internet sein, das Systeme wie Paypal unnötig macht. Andere sehen Bitcoins als alternatives Wertaufbewahrungsmittel. Wieder andere glauben an eine mit dem Goldstandard vergleichbare Sicherheitsfunktion.

Als weltweit erste nennenswerte Transaktion gilt der Kauf zweier Pizzen für 10.000 BTC. Auch für illegale Zahlungen kommt die Währung zum Einsatz, etwa auf der inzwischen geschlossenen Online-Plattform Silk Road.

In Deutschland sind Bitcoins noch nicht sehr verbreitet. In Onlineshops wie Schuhwelt.com sowie in mehreren Berliner Kneipen kann man mit Bitcoins zahlen – allerdings tun Kunden das bislang nur in Einzelfällen.

Wie entstehen neue Bitcoins?

Neue Bitcoins müssen berechnet werden. Anfangs konnte jeder PC Bitcoins „schürfen“. Inzwischen sind die Rechnungen so komplex geworden, dass sie nur noch Hochleistungscomputer bewältigen. Professionelle Bitcoin-Schürfer koppeln ihre Computer zusammen.

Wie viele Bitcoins gibt es?

Die Anzahl der Bitcoins ist mathematisch auf maximal 21 Millionen begrenzt. Je größer die umlaufende Menge ist, desto aufwendiger wird, neue Einheiten zu berechnen. Professor Rainer Böhme von der Uni Münster geht davon aus, dass der letzte Bitcoin im Jahr 2140 erzeugt wird.

Wo werden Bitcoins gehandelt?

Im Internet gibt es etwa 60 Umschlagplätze für Bitcoins. Die mit Abstand größte Börse war lange Zeit Mt. Gox mit Sitz in Tokio. Doch die Japaner meldeten Insolvenz an. Weitere Tauschbörsen sind Coinbase, Kraken, BitStamp, Circle und BTC China. Die nach eigenen Angaben größte Bitcoin-Börse in Deutschland, Bitcoin.de, hat ihren Sitz in Herford bei Bielefeld.

Wie hat sich der Kurs entwickelt?

Seit dem Start 2009 haben Bitcoins stark zugelegt. Im Dezember 2013 kostete ein Bitcoin mehr als 1100 Dollar. Nach der Pleite der Handelsplattform Mt. Gox Anfang 2014 rutschte der Kurs enorm ab. Zum Jahreswechsel 2014 steht er etwas über 300 Dollar.

Ist der Handel mit Bitcoins legal?

In Deutschland können Nutzer laut Bafin ohne Erlaubnis mit der Cyber-Währung bezahlen. Auch das so genannte „Mining“ – die Schöpfung von Bitcoins – ist erlaubt. Allerdings können beim Rücktausch in Euro Steuern fällig werden.

von Andreas Dörnfelder

Die virtuelle Währung Bitcoin steckt in ihrer bislang schwersten Vertrauenskrise, seit vor etwa drei Wochen die Handelsplattform MtGox, eine der ältesten und wichtigsten ihrer Art, den Betrieb eingestellt hatte. MtGox waren nach eigenen Angaben 750.000 Bitcoins von Kunden und 100.000 eigene Exemplare abhanden gekommen. Der Gesamtwert der verschwundenen "Münzen" belief auf rund 350 Millionen Euro. Auch MtGox, eine Firma mit Sitz in Japan, macht Hacker für den Angriff verantwortlich.

Die japanische Wirtschaftszeitung "Nikkei" berichtete am Mittwoch, die Regierung in Tokio plane eine Regulierung der Internet-Währung. Demnach soll Bitcoin als Handelsware definiert werden. Transaktionen mit der Währung würden somit besteuert. Außerdem sollen der Zeitung zufolge für Banken und andere Finanzdienstleister Beschränkungen für den Umgang mit Bitcoins erlassen werden.

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Bitcoins waren im Jahr 2009 als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden. Geschaffen hat sie ein unbekannter Programmierer, der eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung wollte. Das virtuelle Geld wird durch komplexe Verfahren berechnet. Der Wechselkurs zu echten Währungen schwankt stark. Aufsichtsbehörden weltweit warnten in den vergangenen Monaten verstärkt vor den Risiken. In mehreren Staaten, darunter Russland und China, wurde der Handel mit Bitcoins gesetzlich stark eingeschränkt.

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Von

afp

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

05.03.2014, 09:08 Uhr

Der Bitcoin ist doch nicht so sicher, wie die Anhänger es sich wünschen. An Stelle der langsamen Inflationierung tritt der plötzliche Ausfall.

Mal sehen, wann die Bitcoiner das sinkende Schiff verlassen. Ich würde sofort verkaufen, wenn ich denn welche hätte.

Account gelöscht!

05.03.2014, 09:30 Uhr

Und schon platzt die virtuelle Nerd-Währung in sich zusammen!

Account gelöscht!

05.03.2014, 10:05 Uhr

Wie kann man auch solch virtuellen sh... setzen, sorry aber das ist Geld im hohen Stiel verbrennen!

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