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23.03.2011

17:29 Uhr

Vor dem EU-Gipfel

Unsicherheit der Anleger belastet den Euro

Am Tag vor dem Beginn des EU-Gipfels ist die europäische Staatsschuldenkrise wieder in den Fokus der Finanzmärkte gerückt. Die Unsicherheit bei den Anlegern zog einen sinkenden Euro-Kurs nach sich.

Portugiesische Ein-Euro-Münze: Die Lage in Portugal stand im Fokus der Anleger. Quelle: dpa

Portugiesische Ein-Euro-Münze: Die Lage in Portugal stand im Fokus der Anleger.

Frankfurt„Es gibt eine große Unsicherheit vor dem Gipfel“, sagte Commerzbank-Analystin You-Na Park. „Man fragt sich, was tatsächlich entschieden wird und ob es Verzögerungen gibt, weil die Mitgliedsstaaten der EU sich nicht einigen können.“ Die Folge der Unsicherheit war am Mittwoch ein sinkender Euro-Kurs. Die Gemeinschaftswährung fiel auf bis zu 1,4103 Dollar und war damit rund einen US-Cent billiger als im späten US-Vortagesgeschäft. Gefragt waren Bundesanleihen. Der Bund-Future kletterte um bis zu 54 Ticks auf 122,56 Zähler, die dem Terminkontrakt zugrundeliegende zehnjährige Bundesanleihe rentierte mit bis zu 3,264 Prozent.

Im Fokus der Anleger stand die Lage in Portugal, wo die Regierung am Streit zwischen den Parteien über Einsparungen im Staatshaushalt zu zerbrechen drohte. „Wenn es keine Zustimmung zu diesen Maßnahmen gibt, dann wird es immer wahrscheinlicher, das Portugal irgendeine Form von Unterstützung benötigt“, sagte Charles Diebel, Leiter der Marktstrategie bei Lloyds Bank. Die Rendite für zehnjährige portugiesische Staatspapiere stieg auf bis zu 7,861 Prozent, den höchsten Wert seit der Einführung des Euro.

Die Renditen für irische Anleihen mit zweijähriger beziehungsweise zehnjährige Laufzeit kletterten bei geringen Umsätzen auf bis zu 10,822 beziehungsweise 10,229 Prozent, was ebenfalls Rekordwerte seit dem Euro-Start waren. „Es gibt eine Menge Unsicherheit über die Unternehmenssteuer und ob Irland eine Reduzierung seiner Zinsen erzielen kann“, sagte ein Händler. Unklar ist bislang noch, inwieweit Irland bereit ist, für die angestrebten Zinserleichterungen sein Steuersystem zu verändern. Deutschen Regierungskreisen zufolge ist beim Gipfel nicht mit einer Einigung zu rechnen.

Zur Unsicherheit der Anleger trug laut Händlern auch die Aussicht bei, dass sich die Aufstockung des Rettungsfonds EFSF verzögern wird. Wie aus einem Entwurf für den EU-Gipfel hervorgeht, sollen die Modalitäten der schon vereinbarten Stärkung des EFSF auf ein effektives Kreditvolumen von 440 Milliarden Euro voraussichtlich noch nicht festgelegt werden. Dies solle erst Ende Juni unter Dach und Fach gebracht werden.

Zudem fordert die Bundesregierung mehr Zeit zum Aufbau des Kapitalstocks für den künftigen Euro-Krisenmechanismus ESM. „Das zeigt, wie schwer es ist in der EU einen gemeinsamen Nenner zu finden“, sagte Park. „Jedes Land hat seine eigenen Interessen und der Druck vom Markt ist anders als bei der Griechenland nicht so stark um schnelle Entscheidungen zu befördern."

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