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08.09.2014

13:19 Uhr

Vor dem Referendum

Die Queen, Schottland und das schwache Pfund

Die Queen pocht auf Einigkeit und weilt in Schottland. Doch es hilft nicht. Denn viele Schotten wollen sich vom Königreich lossagen. An den Finanzmärkten geht die Angst um – und das Pfund gerät in einen Abwärtsrausch.

Volksabstimmung naht

Mehrheit der Schotten will Unabhängigkeit

Volksabstimmung naht: Mehrheit der Schotten will Unabhängigkeit

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DüsseldorfWenn das mal kein Statement ist: In eine typisch schottische Wolldecke in Karo-Muster eingewickelt, den Hut adrett wie immer, sitzt die Queen im schottischen Braemer und sieht kräftigen Kerlen beim Baumstammweitwurf zu. Ja, ganz recht. Die Queen ist Gast bei den traditionellen „Highland Games“ – wie jedes Jahr. Sie lächelt „amused“, scherzt neben ihrem Mann Prinz Albert und ihrem Sohn Prinz Charles, ganz so, als drohe Großbritannien weit und breit kein Ungemach.

Dabei könnte sich Schottland schon bald vom Vereinigten Königreich lossagen. Nur noch zehn Tage bleiben noch bis zum Referendum. Und je näher das Votum rückt, desto weiter entfernt fühlen sich die Schotten vom Rest des Landes. Laut einer aktuellen Umfrage für die „Sunday Times“ befürwortet zum ersten Mal die Mehrheit der Schotten, nämlich 51 Prozent, die Unabhängigkeit.

Noch am Sonntag hat die britische Regierung reagiert und kurzfristig Pläne für eine größere Autonomie Schottlands angekündigt. Doch beides – die demonstrierte Einigkeit der Queen und der Aktionismus der Regierung – halfen nicht mehr viel. Im montäglichen Devisenhandel ging es kräftig abwärts mit der britischen Währung. Bis zum Mittag fiel das Pfund Sterling um 0,9 Prozent auf 1,62 Dollar – den niedrigsten Stand seit November 2013. Auch zum Euro gab das Pfund nach.

Schon seit gut zwei Monaten wertet das Pfund gegenüber dem Dollar ab. Seit 1. Juli hat es seit knapp sechs Prozent verloren. Seit Anfang September nimmt der Abwärtstrend allerdings richtig an Fahrt auf (minus drei Prozent in acht Tagen). Jetzt warnen die ersten Devisenexperten davor, dass das Pfund auch in der nächsten Zeit gehörig unter Druck stehen wird.

Schottland – Zahlen und Fakten

Geografische Lage

Nördlicher Teil der Insel Großbritannien.

Drei Regionen: Highlands, Central Lowlands und Southern Uplands.

Bevölkerung

ca. 5,1 Mio. Einwohner (Amtssprachen: Englisch, Schottisch-Gälisch, Scots).

Hauptstadt

Edinburgh.

Staatsform

Parlamentarisch kosnstitutionelle Monarchie.

Bodenfläche

78.722 Quadratkilometer.

(Zum Vergleich Bayern: 70550 Quadratkilometer)

Einkommen

Pro-Kopf-Einkommen (kaufkraftbereinigt): 29.806 Euro. Zum Vergleich der EU-Durchschnitt: 25.700 Euro, Deutschland: 32.000 Euro)

Währung

Pfund Sterling (GBP).

Klima

Gemäßigtes, unbeständiges Wetter.

Religion

Church of Scotland 42%, Römisch-Katholisch 16%, andere Glaubensrichtungen 8%.

Staatsoberhaupt

Königin Elisabeth II.

Tatsächlich glauben derzeit nur noch die wenigsten Marktteilnehmer an das Pfund. Hedgefonds und andere wichtige spekulativ orientierte Investoren stehen dem Pfund, im Gegenteil, so pessimistisch gegenüber wie zuletzt im Januar. Nach Angaben der Commodity Futures Trading Commission in Washington wetteten zuletzt fast 10.000 Marktteilnehmer mehr auf ein fallendes Pfund als auf ein steigendes – der Trend vom Juli hat sich damit umgekehrt.

Kommentare (10)

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Herr C. Falk

08.09.2014, 13:51 Uhr

Na ja, im Spannungs-und Konfliktbogen, Globalisierung, Nationalstaat, Regionalisierung und territorialer Zuwachs- Minderung und Neuordnung, hat auch eine mögliche Unabhänigkeit Schottland ihren Platz.

Immerhin darf sich die Queen damit trösten, dass auch im Fall einer Separation Schottlands sie das Staatsoberhaupt bleibt, so wie in Kanada und Australien.

Sicherheitspolitisch hat eine Unabhänigkeit Schottlands für ein Restengland überhaupt keine Bedeutung ganz im Unterschied zum Fall Ukraine/Krim wo geostrategische und sicherheitpolitische Spannungsfelder und Brüche der besondern Art zu bewältigen sind.

Man sollte immerhin wünschen, dass die Zivilisation in Gesamteuropa so weit fortgeschritten ist, dass man sich nicht unnötigerweise selbst ins Knie schießt, sondern seine Problem mit dem Mittel von Deeskaltionen löst ud nicht durch Spannungs-und Konfliktverschärfungen.

Account gelöscht!

08.09.2014, 13:58 Uhr

Die Angstmacher in dem Leitmedien schlagen wieder zu ... so ist keine konstruktive Diskussion möglich!

Zitat: "Im montäglichen Devisenhandel ging es kräftig abwärts mit der britischen Währung. Bis zum Mittag fiel das Pfund Sterling um 0,9 Prozent auf 1,62 Dollar"
Wow, 0.9% als Währungseinbruch zu beschreiben ist schon mehr als abenteuerlich, das ist Wahrheitsbeugung. Auch im langfristigen Vergleich ist das Pfund keineswegs schwächer o. stärker als üblich.

Was in den 90ern mit der CSSR passiert ist, nämlich die Trennung in Tschechien und Slowakei sollte auch in UK ohne Probleme möglich sein.

Im Gegenteil, eine Hoheit über die eigenen Finanzen dürfte Schottland und seinen Bürgern ganz neue Möglichkeiten und viel mehr Wohlstand bringen. Nur die City in London wird weinen, na und! Denn es bleibt mehr Geld in der Region ... gut für Schottland, schlecht für alle Zentralisten ...

Herr Peter Kock

08.09.2014, 13:59 Uhr

Wie viele Jahre sind die Schotten schon daran ? Nichts hat England getan ! Es ist wie bei uns , viel reden , viel versanden , viel Hoffnung , viel verschleiern und weiter rumeiern.

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