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29.05.2013

09:02 Uhr

Vor Opec-Daten

Ölpreis steigt fast auf Wochenhoch

Mit Blick auf eine Opec-Tagung und den Beginn der Reisezeit in den USA ist der Ölpreis gestiegen. Ökonomen gehen davon aus, dass die Öllager in den vergangenen Wochen stark gesunken sind. Das treibt die Preise.

Öl- und Gasförderanlage in Russland. Marktteilnehmer warten mit Spannung auf die wöchentlichen Daten zu den Öllagerbeständen. dpa

Öl- und Gasförderanlage in Russland. Marktteilnehmer warten mit Spannung auf die wöchentlichen Daten zu den Öllagerbeständen.

FrankfurtDer Ölpreis hat am Mittwoch nahe dem höchsten Stand seit einer Woche notiert. Marktteilnehmer warten mit Spannung auf die wöchentlichen Daten zu den Öllagerbeständen in den USA am Donnerstag und die Sitzung der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) am Freitag.

„Wir werden sehen, wie die Lagerbestände in der Woche ausgefallen sind, und das zeigt uns dann, wie der US-Verbraucher wirklich reist“, sagte David Lennox, Rohstoffanalyst von Fat Prophets in Sydney. „Der Markt fokussiert sich auch auf das anstehende OPEC-Treffen.“

Einer Umfrage von Bloomberg News zufolge dürfte das Erdölkartell seine Förderquote bei der anstehenden Sitzung unverändert lassen. Die OPEC-Tagung findet am 31. Mai in Wien statt.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Die US-Öllagerbestände finden angesichts der anstehenden „Driving Season“ in den USA besondere Beachtung. Ab dem US- Feiertag „Memorial Day“ am 27. Mai beginnt nämlich die US-Sommerreisezeit, in der die Benzinnachfrage und Preise in der Regel ansteigen. Ökonomen gehen einer Umfrage von Bloomberg davon aus, dass die Öllager in der letzten Woche um 750.000 Barrel gesunken sind. Das wäre der dritte Rückgang in Folge

Die US-Sorte WTI zur Lieferung im Juli kostete zuletzt 94,80 Dollar und damit 0,2 Prozent weniger als zuletzt. Die Nordsee-Sorte Brent notierte bei 104,10 Dollar 0,1 Prozent im Minus.

Der Goldpreis konnte sich wieder etwas erholen. Zuletzt wurde das Edelmetall am Kassamarkt bei 1385.07 Dollar je Unze 0,3 Prozent höher gehandelt.

„Es gibt noch einige Leute, die bereit sind, Gold zu kaufen, wenn der Preis sinkt“, sagte Xiang Nan, Analyst bei CITIC Securities Futures Co. in Hangzhou. „Dieses Patt zwischen Bullen und Bären dürfte noch eine Weile so weitergehen.“

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