Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.04.2013

11:11 Uhr

Währung auf Talfahrt

Anleger trennen sich vom Yen

Die japanische Währung leidet weiter unter der aggressiven Geldpolitik der Notenbank. Zu Dollar und Euro hat der Yen deutlich verloren – doch es gibt auch Anzeichen für eine Erholung des Kurses.

Die 100-Yen-Marke für einen Dollar könnte bald fallen. Reuters

Die 100-Yen-Marke für einen Dollar könnte bald fallen.

Die Anleger am Devisenmarkt haben sich am Dienstag weiter vom Yen getrennt. Zur US-Währung fiel der Yen auf den tiefsten Stand seit vier Jahren, der Euro war so teuer wie seit Januar 2010 nicht mehr.

Seit die japanische Notenbank am Donnerstag angekündigt hat, ihr Anleihenkaufprogramm massiv aufzustocken, hat der Dollar rund sieben Prozent zum Yen gewonnen, der Euro sogar knapp acht. Nach Aussage von Händlern hat sich die Talfahrt der japanischen Währung etwas verlangsamt, da einige Anleger ihre Gewinne realisierten.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Ein Dollar war am Dienstag in der Spitze zu 99,66 (spätes Vortagesgeschäft: 99,35) Yen zu haben. "Ich habe das Gefühl, dass der Dollar im Laufe des Jahres auf über 110 Yen steigen kann, innerhalb der nächsten drei Monate schon über 105 Yen", sagte ein Händler.

Für einen Euro wurden in der Spitze 129,93 (129,26) Yen gezahlt. Zur US-Währung bewegte sich die Gemeinschaftswährung wenig, der Euro notierte nahezu unverändert um 1,3015 Dollar.

Von

rtr

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Domenq

09.04.2013, 09:32 Uhr

Die japanische Währung "leidet" nicht unter der Geldpolitik - der Wechselkurs bewegt sich einfach wie von den "Geldpolitikern" gewünscht.

Währungen sind keine Subjekte mit Gefühlen; es sind bedruckte Papierscheine, die per Gesetzeskraft zum "gesetzlichen Zahlungsmittel" erhoben wurden. Sie befinden sich - nicht nur in Japan - in der Hand der herrschenden Klasse.
Ähnlich verhält es sich mit den "niedrigen Zinsen" - an die kommen Normalbürger nur in den seltensten Fällen. Wer nichts hat, bezahlt sogar die höchsten Zinsen: Überziehungszinsen.

Socke

09.04.2013, 10:10 Uhr

Kaufen die in Japan jetzt echt Dollars auf, um den Yen zu drücken?

Um den Yen zu drücken würde es dabei völlig ausreichen auf globale Einkaufstour zu gehen und Unternehmen aus den anderen Währungsräumen zu kaufen. Je höher der Yen dafür steht, umso besser!

Durch Kauf von ausländischen Devisen verliert Japan nur.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×