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11.12.2014

08:46 Uhr

Währung auf Talfahrt

Selbst Japan ist nicht mehr sicher

Während der Finanzkrise suchten Anleger Sicherheit und fanden sie im Yen. Noch im vergangenen Jahr lobte der IWF die Währung. Doch das hat sich geändert. Japan verliert immer mehr seinen Ruf als „sicheren Hafen“.

Ein Mann geht an einer Kurstafel in Tokio vorbei. Die japanische Währung hat in diesem Jahr massiv abgewertet. Reuters

Ein Mann geht an einer Kurstafel in Tokio vorbei. Die japanische Währung hat in diesem Jahr massiv abgewertet.

Die japanische Währung hat dieses Jahr zwölf Prozent an Wert verloren, die Staatsanleihen weisen die schlechteste Entwicklung unter ihresgleichen auf und die Kreditwürdigkeit des Landes ist um eine Stufe gesenkt worden. Das alles nagt an Japans Status, ein sicherer Hafen in Zeiten turbulenter Märkte zu sein.

„Angesichts der Fundamentaldaten finde ich es schwierig, Japan als sicheren Hafen anzusehen“, sagte Hans Goetti, Leiter Investment Asien bei der Banque Internationale à Luxembourg SA in Singapur im Telefoninterview mit Bloomberg News. „Die Währung wertet ab und die Anleiherenditen sind lächerlich niedrig“.

Der Internationale Währungsfonds hat in einem Arbeitspapier aus dem letzten Jahr erklärt, der Yen gelte weithin als eine „Sicherer-Hafen-Währung.“

Die Währung hatte 2008 in der Finanzkrise 46 Prozent zugelegt und war 2010 um zehn Prozent gestiegen, wie die Bloomberg Correlation-Weighted Indexes zeigen, die Währungen von zehn Industriestaaten abbilden. 2011, in der Woche nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami in Japan, legte der Yen 5,2 Prozent zu. 2013 verzeichnete die japanische Devise dreimal einen Tagesanstieg von über zwei Prozent, jedes Mal getrieben von dem Bedürfnis nach Sicherheit, wie die Indizes zeigen.

In diesem Jahr gab es nicht einmal einen derartigen Anstieg - auch wenn 38 Prozent der Umfrageteilnehmer an der weltweiten Bloomberg-Umfrage im November eine sich verschlechternde Weltwirtschaft ausmachten - mehr als doppelt so viele wie bei der Juli-Umfrage.

So funktionieren Eingriffe in den Devisenmarkt

Wie verläuft so ein Eingriff?

Die Intervention einer Notenbank bezieht sich immer auf die eigene Landeswährung. Die Zentralbanker kaufen oder verkaufen am Devisenmarkt die eigene Währung in großen Mengen, um deren Kurs in die gewünschte Richtung zu bewegen. Durch einen Kauf soll die Devise auf- und durch einen Verkauf abgewertet werden.

Was sind die Vor- und Nachteile?

Generell werden durch eine Abwertung die Exporteure im eigenen Land meist gestärkt, weil sie ihre Waren im Ausland günstiger verkaufen können. Allerdings schmeckt dies oft anderen Ländern nicht, da ihre Firmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Zentralbanken und Staaten sehen nur selten tatenlos zu, wenn sich die Bedingungen für ihre Exporteure massiv verschlechtern. Im schlimmsten Fall droht ein Abwertungswettlauf der Währungen.

Wie kann der Erfolg eines Eingriffs wahrscheinlicher werden?

Ein Eingriff in den Devisenmarkt ist also meist nur dann erfolgreich, wenn er mit anderen Notenbanken abgesprochen ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Federal Reserve (Fed) in den USA haben im vergangenen Jahr nur wenig Bereitschaft erkennen lassen, sich an einer Interventionen ihrer Kollegen zu beteiligen.

Wie verliefen solche Eingriffe?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat während der europäischen Schuldenkrise versucht, die Aufwertung des Franken zum Euro zu stoppen. Dafür deckte sich die Nationalbank im großen Umfang mit Euro ein. Kritiker warfen der SNB vor, der Alleingang am Devisenmarkt habe nichts gebracht - der Franken legte sogar weiter zu. Immerhin gelang es der Nationalbank eine Untergrenze von 1,20 Franken zu verteidigen.

War die EZB bereits an einer solchen Maßnahme beteiligt?

Die EZB intervenierte zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den internationalen Währungsmärkten. Damals hatten EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro gekauft, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Ministerpräsident Shinzo Abe, der sich vorgezogenen Neuwahlen stellen wird, hat die Umsatzsteuer von fünf auf acht Prozent angehoben, im Bestreben die Verschuldung zu begrenzen, durch die Japans Schuldenberg auf umgerechnet 6,7 Billionen Euro angewachsen ist. Die Steuererhöhung dämpfte indes den Konsum und ließ das Land in eine Rezession zurückfallen.

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