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10.01.2012

14:44 Uhr

Währung

Der Euro wird zum Spielball der Investoren

VonJörg Hackhausen

Der Euro legt am Dienstag unerwartet deutlich zu. Offenbar haben es einige Spekulanten mit ihren Wetten gegen Europas Währung übertrieben. Doch die Welle könnte schnell wieder zurückschwappen.

Der Euro ist am Montag auf den tiefsten Stand seit September 2010 gefallen. Am Dienstag ging es wieder nach oben. dpa

Der Euro ist am Montag auf den tiefsten Stand seit September 2010 gefallen. Am Dienstag ging es wieder nach oben.

DüsseldorfAm Montag rutscht der Eurokurs auf 1,266 Dollar – auf den tiefsten Stand seit 16 Monaten. Nur einen Tag später legt die europäische Währung wieder deutlich zu und klettert bis auf 1,28 Dollar. Einen erkennbaren Grund oder auch handfeste Nachrichten gibt es nicht.

Was steckt also hinter den Bewegungen? Experten wollen beobachtet haben, dass die europäische Währung mehr und mehr für sogenannte Carry Trades genutzt wird. Dabei verschulden sich Investoren in einer Währung, in der es günstige Kredite gibt. Im zweiten Schritt schaffen sie das Geld in Regionen, wo die Zinsen höher sind und legen es dort an. Nach Asien etwa oder Australien.

Investoren profitieren nicht nur vom Zinsunterschied, sie gewinnen auch, wenn die Carry-Währung fällt, in diesem Fall der Euro. Je mehr sich in Euro verschulden, um das Geld andernorts anzulegen, desto mehr Kapital fließt aus dem Euroraum ab. Das verstärkt den Kursrutsch des Euros sogar noch.

Die Chronologie des Euro

1. Juli 1987

Das Ziel Währungsunion wird im EG-Vertrag verankert.

7. Februar 1992

Unterzeichnung des EU-Vertrages von Maastricht, der die Währungsunion bis 1999 vorsieht und Beitrittskriterien festlegt.

1. November 1993

Ratifizierung des Maastricht-Vertrages. Aus den Europäischen Gemeinschaften (EG) wird die Europäische Union (EU). Dezember 1995: Als Einheiten der neuen Währung werden Euro und Cent festgelegt.

16. und 17. Juni 1997

Verabschiedung des Stabilitäts- und Wachstumspakts in Amsterdam. Einigung auf die „europäische Seite“ für die Münzen.

25. März 1998

Die EU-Kommission und das Europäische Währungsinstitut (EWI), Vorläufer der Europäischen Zentralbank (EZB) empfehlen elf Länder für den Start der Währungsunion. Außen vor bleiben aus freien Stücken Großbritannien, Dänemark, Schweden sowie Griechenland, das die Kriterien noch nicht erfüllt.

1. bis 3. Mai 1998

Ein Sondergipfel der EU-Gremien gibt in Brüssel grünes Licht für den Euro. Die Staats- und Regierungschefs bestimmen den 1. Januar 1999 als Start der Währungsunion.

31. Dezember 1998

Die Wirtschafts- und Finanzminister der EU legen den Umrechnungskurs des Euro zu den elf Teilnehmerwährungen endgültig fest. Danach ist ein Euro 1,95583 D-Mark wert.

1. Januar 1999

Der Euro wird gemeinsame Währung der elf Länder. In Euro bezahlt werden kann per Scheck, Kredit- oder EC-Karte. Das alte nationale Geld bleibt noch das allein gültige Zahlungsmittel.

4. Januar 1999

Die Finanzmärkte nehmen den Handel mit Euro auf.

Juli 1999

Die Herstellung des neuen Bargelds läuft an.

1. Januar 2001

Griechenland wird nach Erfüllung der Beitrittskriterien zwölftes Euroland-Mitglied - allerdings mit frisierten Haushaltszahlen, wie sich später herausstellt.

1. September 2001

Beginn der Ausgabe von Noten und Münzen an Banken und Handel.

1. Januar 2002

Der Euro wird gesetzliches Zahlungsmittel.

1. März 2002

Die D-Mark verliert ihre Gültigkeit, kann aber weiterhin gegen Euro eingetauscht werden.

1. Mai 2004

Zehn Länder in Mittel- und Osteuropa sowie im Mittelmeerraum werden neue EU-Mitglieder. Sie müssen die Gemeinschaftswährung übernehmen, sobald sie die Konvergenzkriterien erfüllen.

1. Januar 2007

Als erster der neuen EU-Staaten wird Slowenien 13. Mitgliedsland der Euro-Zone. Ein Beitrittsgesuch Litauens wird hingegen von der EU-Kommission wegen überhöhter Inflation abgelehnt.

1. Januar 2008

Malta und die Republik Zypern führen den Euro ein.

1. Januar 2009

Die Slowakei führt den Euro ein.

Frühjahr 2010

Griechenland kommt in immer größere Finanznöte und muss als erstes Euroland Milliardenhilfen beantragen. Damit nimmt eine Schuldenkrise ihren Lauf, die sich trotz neuer Milliarden-Hilfspakete auch für Irland und Portugal bis Ende 2011 dramatisch verschärft.

1. Januar 2011

Zum Auftakt des schlimmsten Krisenjahres führt Estland den Euro ein - als erste frühere Sowjetrepublik. Damit leben gut 330 Millionen Menschen im Euro-Raum mit 17 Mitgliedsländern.

April 2011

Nach einem Hilferuf aus Lissabon setzt die EU ein Rettungspaket für Portugal in Gang. Höhe: Rund 80 Milliarden Euro. Schäuble sieht die Gefahr einer Ausbreitung der Krise zunächst als gebannt an: „Die Ansteckungsgefahr ist geringer geworden.“

Sommer 2011

Athen beantragt ein zweites Hilfspaket. Es beläuft sich schließlich auf 159 Milliarden Euro. Erstmals beteiligen sich auch private Gläubiger Athens, ihr Anteil beträgt rund 50 Milliarden Euro.

Herbst 2011

Nach einem Doppelgipfel beschließen die Euro-Länder das bislang dickste Paket zur Eindämmung der Krise: Griechenlands Schulden werden um 50 Prozent gekappt. Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert: Nun soll es zusätzliche öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro geben, sowie Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. Die Schlagkraft der EFSF soll auf rund eine Billion Euro erhöht werden. Zudem müssen Europas Banken ihr Kapital um mehr als 100 Milliarden Euro aufstocken.

Frühjahr 2012

Die Eurogruppe einigt sich auf eine Stärkung ihrer Rettungsschirme auf maximal 800 Milliarden Euro. Die spanische Regierung beschließt das größte Sparpaket seit Wiedereinführung der Demokratie im Jahr 1977 in Höhe von 27 Milliarden Euro.

Sommer 2012

Nach langem Zögern flüchten Spanien und auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Der Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar.

1. Januar 2017

Der Euro wird 15 Jahre alt. Doch es gibt wenig zu feiert. In der großen Koalition wächst die Sorge vor einer neuen Euro-Krise - und das ausgerechnet im Wahljahr 2017. Die Krisenherde: Italien, Griechenland, Portugal und Frankreich. Die gute Lage in Deutschland gilt dagegen unter Experten als Sonderfall.

Dass die Europäische Zentralbank ihre Niedrigzinspolitik aufgibt, dürfte so schnell nicht passieren. Die Notenbank hat den Leitzins im Dezember erst von um 0,25 auf 1,0 Prozent gesenkt, gleichzeitig stellen die Währungshüter den Banken günstige Kredite zur Verfügung. Eine Erhöhung der Leitzinsen könnten die Schuldenstaaten kaum verkraften, ohne noch tiefer in die Rezession zu rutschen. Investoren dürfen also weiter auf billiges Geld hoffen.

Ein Devisenhändler erklärt laut Nachrichtenagentur Reuters, dass nicht nur Hedgefonds, sondern auch langfristig orientierte Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen die Gemeinschaftswährung „in recht großem Umfang“ verkaufen. „Am Markt gilt als weitgehend ausgemacht, dass der Euro Kurs auf die Marke von 1,25 Dollar und dann auf 1,20 Dollar nehmen wird.“

Mitunter übertreiben es die Anleger mit ihrer Spekulation. Wenn sich viele Anleger für einen Kursrückgang positioniert haben, dann aber plötzlich umschwenken müssen, sind kurzfristige Gegenbewegungen möglich. So begründen Händler auch den heutigen Anstieg des Euros. Einige Investoren hätten Verkaufspositionen glatt gestellt, heißt es. Meistens sind solche Reaktionen aber nur sehr kurzlebig, der generelle Trend spricht nach Meinung von Experten nach wie vor gegen den Euro.

Die Analysten der Commerzbank rechnen damit, dass der Euro maximal bis auf 1,2950 Dollar steigen kann. „Spätestens dann dürfte charttechnisch erst einmal die Luft raus sein und das Verkaufsinteresse wieder spürbar dominieren“, schrieben die Analysten in einem Marktkommentar.

Mit Material von Reuters

Kommentare (3)

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bluna

10.01.2012, 15:03 Uhr

Das ist genauso ein offenes geheimnis wie das die bundesregierung einen niedrigen euro sehr zu schätzen weiss.
Der euro gehört mindestens auf par (zumindest scheint die masse das so zu sehen), wenn nicht sogar 80 cent auf den dollar.
Der heutige "bounce" ist der aussage von fitch gutzuschreiben, wird bereits wieder genutzt um neu zu laden.
1.2950 ist so ein punkt, 1.3300 ebenfalls.
PS: die ecb wird den leitzins weiter senken, vermutlich diese woche.
Der top carry is auf jedenfall der aussi.
Wenn wir an einen punkt kommen wo die interest rates auf usd den euro übersteigen werden wir auf 80 cent zusteuern.

Dies aussagen basieren auf meinen persönlchen beobachtungen und meinungen.

Account gelöscht!

10.01.2012, 15:59 Uhr

"charttechnisch", wenn ich das schon höre dreht es mir den Magen um! Wer kam eigentlich auf die glorreiche Idee, dass eine Folge von Zahlen die Zukunft voraussagen kann? Und wie kann man nur so blöd sein und das auch noch glauben???

Schornallie

10.01.2012, 15:59 Uhr

Ich wäre mal sehr vorsichtig mit den Aussagen über das, was die Märkte angeblich bewegt. Nur weil das Händler zu Reuters gesagt haben, soll das so sein oder wie?

Ziemlich naiv diese Einstellung. Am Ende weiss keiner genau, warum sich was wann, wieso bewegt. Es ist auch völlig egal, außer für die Presse, die was zum Schreiben braucht. Und natürlich für die Politik, um ihren unerträglichen Populismus zu speisen, den sie über ihren Bürgern ausschüttet.

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