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18.04.2011

18:00 Uhr

Währung

Höhenflug des Euros endet abrupt

Über Monate schien die Schuldenkrise dem Euro nichts mehr anhaben zu können. Doch der Wahlerfolg der Euro-Kritiker in Finnland und sich verdichtende Umschuldungsgerüchte in Griechenland werfen ihn jetzt klar zurück.

FrankfurtDie Schuldenkrise droht nach Europa nun auch die USA zu erfassen. Die mächtige Rating-Agentur Standard & Poor's warnte den weltgrößten Schuldner am Montag überraschend vor einem Entzug der Bonitäts-Bestnote „AAA“: Die  Experten senkten den Ausblick für die Bewertung der US-Kreditwürdigkeit auf „negativ“ von zuvor „stabil“. Die Kreditwächter begründeten dies mit der Gefahr, dass sich die Politiker in Washington nicht auf einen Kurs zur Reduzierung des ausufernden Schuldenberges einigen können.  An den Finanzmärkten schlug die Entscheidung hohe Wellen: Die Börsen beiderseits des Atlantiks gaben deutlich nach, der Dollar und US-Staatsanleihen verloren an Wert. Dagegen verteuerte sich Gold, das als sichere Anlage in Krisenzeiten gilt, auf einen Rekordwert von 1490,30 Dollar.

Die Gelbe Karte von S&P erhöht den Druck sowohl auf der Regierung von Präsident Barack Obama als auch auf dem Kongress, endlich einen langfristigen Plan zum Schuldenabbau anzugehen. Gleichzeitig könnten dadurch die finanziellen Probleme zunehmen, falls nun verunsicherte Gläubiger den USA nur noch Geld zu höheren Zinsen leihen wollen.   

 „Mehr als zwei Jahre nach Beginn der aktuellen Krise haben sich die US-Politiker noch immer nicht geeinigt, wie sie den finanzpolitischen Abwärtstrend umkehren oder den langfristigen Finanzdruck angehen“, erläuterten die S&P-Analysten ihre Entscheidung. Die Wahrscheinlichkeit eines Verlusts der Bestnote innerhalb von zwei Jahren bezifferten sie auf mindestens ein Drittel. Die USA hätten im Vergleich zu anderen Ländern mit der Bestnote „AAA“ - wie Deutschland - sehr hohe Haushaltsdefizite, erklärte S&P. „Wie diese reduziert werden sollen, ist uns nicht klar.“  Die US-Regierung antwortete mit scharfer Kritik. S&P habe eine politische Einschätzung getroffen, die die Regierung nicht teilte, erklärte Finanzstaatssekretärin Mary Miller. „Der negative Ausblick unterschätzt die Fähigkeit der Führer Amerikas, gemeinsam die schwierigen finanzpolitischen Herausforderungen anzugehen, vor denen die Nation steht“, betonte sie. Die beiden großen politischen Lager stimmten darin überein, das Staatsdefizit zu senken.

Der S&P-Rivalin Moody's nannte die in den USA entbrannte Diskussion um die Haushaltskonsolidierung eine positive Entwicklung, da sie einen politischen Kurswechsel einleiten könnte. Der Ausgang des Streits sei jedoch noch völlig offen. Zudem seien die USA eine der wenigen großen Volkswirtschaften, die noch keinen Kurs zur Senkung des Defizits vorgelegt hätten, kritisierte Moody's.   

 Zwischen Demokraten und Republikanern besteht zwar grundsätzlich Einigkeit darüber, dass das ausufernde Defizit dringend reduziert werden muss. Allerdings hat der erbitterte Streit über die Schuldengrenze erst in den vergangenen Wochen erneut gezeigt, dass die Vorstellungen über das konkrete Vorgehen weit auseinander liegen.  Der Chef des weltgrößten Anleihe-Investors Pimco, Mohamed El-Erian, sieht nun dringenden Handlungsbedarf für die Politik in Washington. „Diese neue Warnung, diesmal von S&P, unterstreicht die Notwendigkeit für die USA, ihr finanzpolitisches Schicksal stärker in die Hand zu nehmen, wenn sie höhere Kosten für die Kreditaufnahme vermeiden und ihre zentrale Rolle als Herzstück der Weltwirtschaft behalten wollen“, betonte er.

Die Allianz-Tochter hält insgesamt Wertpapiere im Volumen von 1,2 Billionen Dollar.  Wegen der Finanzkrise und der von ihr ausgelösten schwersten Rezession der Nachkriegszeit hat sich der Schuldenberg der USA auf mehr als 60 Prozent des Bruttoinlandsproduktes erhöht. Die Neuverschuldung beläuft sich auf fast 1,5 Billionen Dollar oder rund zehn Prozent der Wirtschaftsleistung. Finanzminister Timothy Geithner hat den Kongress erst am Wochenende zu einer Erhöhung der Schuldengrenze von derzeit 14,3 Billionen Dollar aufgefordert.

Von

rtr

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