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01.09.2014

12:38 Uhr

Währung in der Krise

1 Euro = 1 Dollar

Alle reden den Euro runter: erst Mario Draghi, jetzt Goldman Sachs. Die Bank glaubt sogar an einen 1:1-Kurs. Politisch ist das durchaus gewollt. Lesen Sie, welche Nebenwirkungen diese Strategie hat.

Parität zwischen Euro und Dollar: Viele fürchten sich davor. Getty Images

Parität zwischen Euro und Dollar: Viele fürchten sich davor.

New York/FrankfurtWer dieser Tage in den USA auf Einkaufstour geht, wird sich ärgern. Ein Euro ist aktuell bloß noch 1,31 Dollar wert. Schon seit sieben Wochen geht es für die europäische Währung kontinuierlich bergab. Inzwischen hat sie beinahe schon ihr Einjahrestief erreicht. Nach Schätzungen der US-Bank Goldman Sachs ist damit das Ende der Verlustserie aber noch lange nicht erreicht.

Schon in wenigen Jahren könnte ein Euro nur noch einen Dollar wert sein. Oder formal ausgedrückt: Die Währungen würden dann in Parität zueinander stehen. Für die kommenden sechs Monate hat Goldmans Chef-Währungsstratege Robin Brooks in New York die Prognose für den Euro-Kurs von zuvor 1,34 Dollar auf 1,25 Dollar gesenkt. Auf Sicht eines Jahres reduzierte er seine Vorhersage sogar von 1,30 Dollar auf nun 1,20 Dollar. Bis Ende 2017 könne sich der Euro dann auf Parität abschwächen.

Mit dieser Prognose steht Goldman nicht allein da. Auch JP Morgan hat die Erwartung für den Euro-Kurs bis Ende Juni 2015 von 1,28 Dollar auf 1,26 Dollar gekürzt. „Gründe, den Euro weiter zu verkaufen, gibt es in der Tat reichlich. Zu nennen ist die eskalierende Lage in der Ukraine, die weitere Sanktionen auslösen könnte und damit letztlich auch die Gefahr erhöht, dass die Wirtschaft der Euro-Zone davon in Mitleidenschaft gezogen wird“, sagt auch Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz.

Die Risiken nehmen weiter zu, davor warnte auch die Europäische Zentralbank kürzlich in ihrem Monatsbericht. Die aktuellen Krisen, die Entwicklung in den Schwellenländern und an den Märkten „könnten die Konjunkturlage negativ beeinflussen“. Gleichzeitig liegt die Inflation bei kläglichen 0,4 Prozent und damit weit unter den von der EZB angepeilten knapp unter zwei Prozent.

So kann die EZB den Euro drücken

Verbale Intervention

Die einfachste Möglichkeit um den Euro zu schwächen, sind Worte. Wenn Draghi spricht, hat das durchaus Gewicht. Zeigt er sich besorgt über den starken Euro, reagiert der Wechselkurs sofort. Allerdings ist die Frage, ob den Worten nicht irgendwann Taten folgen müssen, damit sie ihre Wirkung nicht verlieren.

Devisenmarktintervention

Die EZB kann auch direkt am Devisenmarkt intervenieren. Sie kann ihre Währungsreserven nutzen und zum Beispiel US-Dollar und amerikanische Staatsanleihen kaufen. Früher waren Interventionen am Devisenmarkt durchaus üblich. Allerdings haben sie häufig nicht viel gebracht.

Wobei die EZB zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den Währungsmärkten eingriff. In einer gemeinsamen Aktion kauften EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Zielmarken

Die EZB könnte auch ein Wechselkursziel definieren. Ähnliches hat die  Schweizer Notenbank in der Euro-Krise gemacht. Sie legte sich fest: Für einen Euro dürfe nicht weniger als 1,20 Franken gezahlt werden. Der Vorteil eines Zielkorridors liegt darin, dass manchmal allein die Ankündigung ausreicht, um das Ziel zu erreichen. Eine Intervention ist gar nicht zwingend nötig.

Zinssenkung

Das klassische Mittel der Notenbanken ist der Leitzins. Wenn die EZB ihn senkt, steigt die Zinsdifferenz zu anderen Währungsräumen. Anlagen außerhalb des Euroraumes werden dadurch attraktiver. Dadurch steigt die Nachfrage nach anderen Währungen wie etwa dem US-Dollar und deren Wechselkurs steigt.

Negativer Einlagenzins

Die EZB verlangt von Banken, die ihr Geld über Nacht bei der EZB parken, eine Strafgebühr. Einerseits will sie die Banken damit zur Kreditvergabe anregen. Andererseits kann das auch dazu führen, dass ein Teil der Guthaben in andere  Währungsräume fließt.

Anleihekäufe

Durch großangelegte Anleihekäufe kann die EZB die Geldmenge im Euroraum erhöhen und die langfristigen Zinsen senken. Dadurch steigt tendenziell die Nachfrage nach anderen Währungen wie dem US-Dollar.

Kapitalverkehrskontrollen

In der Euro-Zone stehen sie nicht zur Debatte. Dennoch sind Kapitalverkehrskontrollen ein mächtiges Mittel, um den Wechselkurs zu beeinflussen. Durch Steuern auf Kapitalimporte oder Exporte und durch Beschränkungen für Kapitaltransfers lässt sich der Kapitalverkehr ins Ausland beschränken.

EZB-Präsident Mario Draghi steuert schon seit Monaten dagegen, unter anderem mit einem rekordniedrigen Leitzins von 0,15 Prozent. Als vermeintlich vielversprechender Weg gilt auch die Abwertung des Euro. Damit würden europäische Produkte billiger und die Unternehmen könnten mehr Waren verkaufen. Vorreiter bei solchen Forderungen sind Italien und Frankreich. So forderte Präsident Francois Hollande kürzlich in einem Interview die EZB erneut auf, mehr zur Schwächung des Euro tun. Die Stärke der Gemeinschaftswährung sei eine Wachstumsbremse.

Kommentare (18)

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Herr Uwe Reissner

01.09.2014, 12:50 Uhr

Das dürfte die deutsche Exportindustrie freuen, die den schwachen Ländern weitere Marktanteile anjagen kann. Sollte auch gut für den deutschen Arbeitsmarkt sein.

Herr Renatus Isenberg

01.09.2014, 13:43 Uhr

Der Schweizer Franken und das Britische Pfund werden bei der Abwertung bald nachziehen. Der Euro hält immer gerade so lange, bis die anderen Länder den Überraschungseffekt überwunden haben. Danach schauen wir mal , ob der Euro noch 2017 existiert. Natürlich kann man die kränkste Währung der Welt ewig am Leben erhalten, das geht schon.

Herr richard roehl

01.09.2014, 13:49 Uhr

Von welchen schwachen Ländern reden sie? Ich sehe keine ausserhalb Europas. Deutschland hat sich nie über den Währungsvorteil behauptet, ausserdem, die grossen Exportunternehmen freuen sich schon seit Einführung des Euro, aber freut sich auch der Bürger und Leistungsträger dessen Früchte seiner Arbeit wegLIRAsiviert werden? Ich würde gerne für heute geschätzt US$/DM 1:2 in NYC einkaufen gehen, oder mein Gas für die Hälfte, Rohstoffe allgemein für die Hälfte, würde auch die Industrie dankend annehmen

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