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20.01.2014

15:57 Uhr

Währung oder nicht?

Bitcoins gelten in Finnland als Rohstoff

Sie werden als elektronische Ersatzwährung gefeiert: Bitcoins. Das Phänomen beschäftigt auch die etablierten Notenbanken. Ein Staat hat nun beschlossen, Bitcoins nicht als Währung zu akzeptieren – aber als Rohstoff.

Finnland will das virtuelle Zahlungsmittel Bitcoin künftig als Rohstoff und nicht als Währung akzeptieren. dpa

Finnland will das virtuelle Zahlungsmittel Bitcoin künftig als Rohstoff und nicht als Währung akzeptieren.

HelsinkiIn Finnland gelten Bitcoins ab sofort als Rohstoff. Das hat die Zentralbank des Landes beschlossen. Als Währung wollte sie das elektronische Zahlungsmittel nicht einstufen.

„Wenn wir die Definition einer offiziellen Währung wie im Gesetz festgelegt betrachten, ist sie das nicht. Sie ist auch kein Zahlungsinstrument, weil laut Gesetz ein Zahlungsinstrument einen für den Betrieb verantwortlichen Emittenten haben muss“, erklärte Päivi Heikkinen, Leiterin der Aufsicht bei der finnischen Notenbank in Helsinki. „In der gegenwärtigen Phase ist sie eher mit einer Ware vergleichbar.“

Zwar lehnt die Notenbank Bitcoins als gesetzliches Tauschmittel ab, jedoch können die Finnen das Online-Geld legal für Zahlungen nutzen. Kapitalgewinne auf Bitcoin-Investments unterliegen der Steuer, jedoch sind Verluste laut den Steuerrichtlinien der Finanzämter nicht abzugsfähig. Finnen müssen Einkommensteuer auf geschürfte Bitcoins zahlen. Der erste europäische Geldautomat für Bitcoins wurde im vergangenen Monat bei einem Plattenladen im Bahnhof von Helsinki installiert.

„Finnen können Vereinbarungen über Tauschmittel treffen, die sie verwenden wollen“, erklärte Heikkinen. „Niemand beaufsichtigt oder reguliert es, niemand garantiert es und sein Wert weist starke Schwankungen auf. Es ist ausschließlich ihr eigenes Risiko.“

Mit Bitcoins zahlen – so funktioniert es

1. Konto eröffnen

Zunächst lädt der Nutzer den Bitcoin-Client aus dem Netz und installiert ihn auf seinem Computer. Persönliche Angaben müssen nicht gemacht werden. Beim ersten Öffnen lädt die Software die gemeinsame Datenbank des Netzwerks herunter – ein Verzeichnis aller Zahlungen im Bitcoin-Netzwerk. Die Datenbank stellt sicher, dass niemand Falschgeld überweisen kann: Sie weist jeden Bitcoin einer Bitcoin-Adresse zu und damit einem Nutzer. Die eigene Bitcoin-Adresse, einen kryptischen Buchstabencode, bekommt der Nutzer automatisch mit dem Installieren der Software. Außerdem speichert die Software eine Datei namens wallet.dat auf dem Computer. Sie enthält kryptografische Schlüssel, mit denen der Nutzer gegenüber dem Bitcoin-Netzwerk ausweist, dass ihm die entsprechende Bitcoin-Adresse gehört.

2. An Bitcoins gelangen

Börsenhandel: Diverse Internetseiten bieten Bitcoins gegen Euro oder andere Währungen an. Dazu muss sich der Nutzer einmalig registrieren und den Geldbetrag etwa per Banküberweisung oder Zahlsysteme wie Dwolla an die Börse senden. Wie an einer Aktienbörse lassen sich dann Bitcoin-Kauforder platzieren. Eine Order, die über dem aktuellen Preisangebot an der Börse liegt, wird sofort erfüllt. Die Börse schickt die Bitcoins schließlich an die Bitcoin-Adresse des Nutzers. Die Börse ist auch der Ort, um Bitcoins wieder in Euro umzuwandeln. 

Bitcoins schürfen: Bitcoin-Nutzer können auch selbst neue Bitcoins errechnen. Dieses sogenannte Mining erfordert leistungsstarke Computer und ist Computer-Laien nicht zu empfehlen.

Bargeld-Eintausch: Privatpersonen bieten Bitcoins gegen Bargeld – Wohnort und Telefonnummern oder E-Mailadressen der Bitcoin-Händler sind auf der Seite Bitcoin local gelistet.

3. Mit Bitcoins bezahlen

Hat jemand Bitcoins an der Börse erworben, so ist die entsprechende Summe in seinem Bitcoin-Client aufgeführt. Um nun einen Geldbetrag zu überweisen, reicht die Angabe der Summe und der Adresse des Empfängers in der Software. Nach etwa zehn Minuten ist das Geld beim Empfänger angekommen. Eine Liste der Geschäfte, die Bitcoin akzeptieren, gibt es hier.

4. Sicherheit

Um dem Verlust der virtuellen Bitcoin-Geldbörse etwa durch Beschädigung der Festplatte vorzubeugen, sollte die wallet.dat-Datei kopiert werden - zum Beispiel auf einen USB-Stick. Da sich Hacker über das Internet Zugriff auf den Computer verschaffen und die Datei stehlen können, sollte sie zudem mit Hilfe eines speziellen Programms verschlüsselt werde. Eine Anleitung dazu gibt es hier.

5. Bitcoins fürs Handy

Wer häufiger mobil ins Internet geht, kann sich inzwischen auch Android-Apps herunterladen. Sie machen das Handy zur Bitcoin-Geldbörse. Zum Bezahlen generiert die Software des Empfängers eine Rechnung in Form eines QR-Codes. Sobald der Sender diesen Code mit der Handykamera einscannt, verschickt die Software via Internet das Geld zur Bitcoin-Adresse des Empfängers. Vorsicht: Die Programme sind noch in der Entwicklung und können fehlerhaft sein. Darum sollten sie allenfalls zur Übertragung kleiner Geldsummen genutzt werden. Für das iPhone gibt es bisher noch keine Bezahl-Apps, aber Programme wie Bitcoin App, die aktuelle Kursverläufe darstellen.

Finnland versucht wie schon andere Länder zuvor, auf die Verbreitung virtueller Währungen, die durch keine Zentralbank und keinen Staat kontrolliert werden, zu reagieren. Zwar warnen Aufsichtsbehörden in Europa vor den Risiken bei der Verwendung von digitaler Währung als Ersatz für echtes Geld. Aber sie tun sich schwer mit Entwürfen für ein Rahmenwerk, das Verbraucher und Unternehmen vor potenziellen Verlusten schützt, bei denen sie keine juristischen Mittel haben, diese wieder hereinzuholen.

Von den skandinavischen Ländern hat die norwegische Regierung ebenfalls entschlossen, Bitcoins nicht als Währung einzustufen, während die Finanzaufsicht in Dänemark erklärte, sie werde für die Gesetzgeber Empfehlungen erstellen, wie Bitcoins und ihre Konkurrenten zu behandeln seien.

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