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12.01.2015

08:24 Uhr

Währung unter Druck

1 Euro = 1 Dollar?

VonJessica Schwarzer

Der Euro ist weiter unter Druck. Zum Dollar rutscht die europäische Einheitswährung immer weiter ab. Erste Analysten prognostizieren mittlerweile sogar die Parität zum Dollar.

Fällt der Euro-Kurs weiter? dpa

Fällt der Euro-Kurs weiter?

DüsseldorfDer Euro fällt und fällt. In der vergangenen Woche fuhr die europäische Gemeinschaftswährung den vierten Wochenverlust gegenüber dem Dollar ein. Der Euro rutschte sogar unter seinen Ausgabekurs aus dem Jahr 1999. Experten sind wenig optimistisch, dass der Negativtrend zeitnah endet. Im Gegenteil: Sogar die Parität zum Dollar scheint nicht mehr ausgeschlossen.

Die Devisenexperten der ING erwarten, dass die Gemeinschaftswährung innerhalb von zwei Jahren auf einen US-Dollar zurückfallen wird – ein Minus von mehr als 15 Prozent. Auch wenn die Niederländer damit noch eine Minderheitsmeinung vertreten, lässt ihre Prognose aufhorchen. Es ist nicht das erste Mal, dass sie derart pessimistisch gestimmt sind.

Mit einer besonders negativen Einschätzung lieferten die ING-Experten im Vorjahr nach Angaben des Börseninformationsdienstes Bloomberg die akkurateste Prognose für die Wechselkurs-Entwicklung. Die Niederländer sehen keinen Grund, von ihrer Negativmeinung nun abzurücken. „Wir zählen zu den größten Pessimisten für Euro-Dollar”, sagt ING-Devisenstratege Petr Krpata.

Mit ihrer negativen Prognose stehen die ING-Experten aber nicht ganz alleine da. Auch in den Devisenabteilungen der ABN Amro Bank und der Citigroup, immerhin der weltgrößte Devisenhändler, rechnen bis Ende 2016 mit einer Euro-Dollar-Parität.

So negativ sind allerdings die wenigsten Strategen gestimmt. In einer Bloomberg-Umfrage sagen 30 Devisen-Experten für Ende 2016 einen durchschnittlichen Kurs von 1,15 Dollar voraus. Zum Vergleich: 2014 hatte das Jahreshoch noch bei 1,3993 Dollar gelegen. Die vergangene Handelswoche beendete der Euro bei 1,1842 Dollar und hat damit die psychologisch wichtige Marke von 1,20 unterschritten. So tief hat der Euro seit fast zehn Jahren nicht mehr notiert. „Dies könnte nun der Startpunkt für einen weiteren Kursabfall Richtung 1,15 gewesen sein“, sagt Christopher Dembik, Volkswirt der Saxo Bank.

Doch es gibt – allen psychologischen Marken zum Trotz – natürlich auch harte Fakten, die den Euro abrutschen lassen dürften. Dembik nennt zum einen das Wiederaufleben der Staatsschuldenkrise und zum anderen das Anleihekauf-Programm der Europäischen Zentralbank (EZB), um eine Deflation ähnlich wie in Japan in der Euro-Zone zu verhindern.

Die ING-Experten gehen davon aus, dass die erwarteten Maßnahmen der EZB zur Wiederbelebung der Wirtschaft des Euro-Raums und zur Bekämpfung der Deflation die Währung stärker belasten werden als die meisten anderen Banken erwarten. Wenige Investoren würden Euro halten wollen, nachdem die Währungshüter die Geldmenge ausweiten, vor allem weil Vermögenswerte in Dollar durch potenzielle Zinserhöhungen der amerikanischen Notenbank Federal Reserve attraktiver werden würden.

„Es sieht aus, als würde die Fed die Zinsen früher als erwartet erhöhen, potenziell Ende des zweiten Quartals, und das wird die unterschiedlichen Entwicklung in der Geldpolitik noch weiter vorantreiben”, sagt ING-Experte Krpata.

Kommentare (18)

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Herr wulff baer

12.01.2015, 09:25 Uhr

Euro-Dollar-Parität?
Prima, dann steigt der Goldpreis in Euro!

Herr Woifi Fischer

12.01.2015, 10:10 Uhr

1 Euro = 1 Dollar?

Nun endlich haben es die USA geschafft, dass ihre Pleitewährung auf den Stand des EURO gestellt wurde, oder anders der EURO wurde solange Sturmreifgeschossen durch die USA bis der jetzt Stand erreicht wurde. Diese Strategie werden wir alle erleben, bei allen Abkommen zwischen der EU und den USA sowie Kanadas, die Europäischen Völker werden einen sehr hohen Preis dafür zahlen, damit die USA immer die Oberaufsicht über EUROPA haben.
Europa und deren Bevölkerung werden durch die USA weiter überwacht, und unterjocht.
Ein hoch auf die EU-Diktatoren die von den USA gekauft sind.

Herr Peter Noack

12.01.2015, 10:28 Uhr

Fleißiger Artikel von Frau Schwarzer und doch falsche Schlüsse der Experten.
Sollte der Euro von 1.399 Dollar auf 1,000 Dollar sinken, wären das fast 30 Prozent. Die Öl- und Gaspreise würden immer noch niedriger als 2014 im Durchschnitt sein, als rund 90 Dollar je Barrel gezahlt wurden. Das gilt auch für mineralische Rohstoffe.
Es scheint keine Experten zu geben, die auch nur annähernd quantifizieren können oder wollen, wie stark der Export von Deutschland in den Dollarraum mit Opec und China, Kanada, Mexiko und in die Schwellenstaaten Indien, Indonesien, Brasilien, Türkei steigen könnte. Auf Dollarbasis ist der Euro bei 1,10 Dollar bereits billiger als der Yen.
Was versprechen sich die Experten vom Anleiheankauf der EZB, wenn dadurch kein Wachstumsimpuls für die Eurokrisenstaaten gegeben ist. Sinken für Italien, Spanien, Frankreich, Portugal oder Griechenland die Öl-, Gas- und anderen Rohstoffpreise nicht. Wird von den gesparten Geldern der Unternehmen, Bürger und des Staates überhaupt nichts wachstumswirksam? Wenn nicht, ist die Volkswirtschaftslehre widerlegt. Sonst lautet die Frage nur noch: Wie viel?
Werden nicht einmal die wettbewerbsstarken Deutschen vom niedrigen Euro profitieren können, wie 2003? Will kein einziger Experte sagen, Warum? Wollen die oder können die nicht?
Sollten dann auch die anderen Bewertungen falsch sein?

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