Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.05.2011

15:38 Uhr

Währung unter Druck

Enttäuschte Spekulanten lassen den Euro fallen

VonJörg Hackhausen

Innerhalb kurzer Zeit hat Europas Währung gegenüber dem Dollar kräftig an Wert verloren. Die Investoren sind alarmiert. Experten plädieren nun für eine radikale Lösung, um den Euro zu retten.

Euro-Münzen: Das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung ist in jüngster Zeit gesunken. Quelle: dpa

Euro-Münzen: Das Vertrauen in die Gemeinschaftswährung ist in jüngster Zeit gesunken.

FrankfurtDie Anleger treiben ein seltsames Spiel mit dem Euro. Erst können sie nicht genug davon kriegen, wochenlang legt der Kurs zu, fast bis auf 1,50 Dollar. Dann lassen sie Europas Währung innerhalb kurzer Zeit abstürzen. In nur einer Woche geht es runter bis auf 1,41 Dollar. Das zeigt vor allem eines: wie nervös Investoren sind. "Die Märkte reagieren zurzeit eher auf Schreckensszenarien in der Presse als auf tatsächlich belastbare Entscheidungen", sagt Torsten Gellert, Deutschland-Chef des Devisenbrokers FXCM. Aktuell notiert der Euro bei 1,416 Dollar

Je nachdem ob die Anleger gerade auf die Schuldenkrise in den USA oder die in Europa anspringen, fällt entweder der Dollar oder der Euro. "Die deutlichen Preisschwankungen spiegeln die Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung auf beiden Seiten des Atlantiks wider", sagt Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim. Daran werde sich nur dann etwas ändern, wenn eine der beiden Seiten ihr Schuldenproblem glaubwürdig löse. Ob das überhaupt gelinge, sei nicht vorhersehbar.

Die Spekulanten, das zeigen Daten von den Terminmärkten, haben lange auf einen schwachen Dollar gewettet. Sie steuern nun um. "Spekulativ orientierte Anleger besitzen sehr hohe Verkaufspositionen gegenüber dem US-Dollar, die sie irgendwann wieder einlösen müssen. Dann dürfte sich die US-Währung zeitweise deutlicher erholen", erklärt Christian Apelt, Devisenanalyst der Helaba.

Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

„Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

Im Nachhinein erscheint die wochenlange Rally des Euros übertrieben. "Selbst als Portugal gerettet werden musste, ist der Euro weiter gestiegen. Das war nicht gerechtfertigt", sagt David Bloom, Chefstratege für Währungen der britischen Bank HSBC. Der Euro werde sich zunächst in Richtung 1,35 Dollar bewegen, schätzt er.

"Die Sorgen um die griechischen Staatsfinanzen stehen wieder im Fokus der Märkte und haben den Euro kräftig unter Druck gesetzt", erklärt You-Na Park von der Commerzbank. Griechenland wäre ohne weitere Hilfen auf der Stelle pleite. "Solange die EU keine Lösung für Griechenland präsentiert, dürften sich am Markt hartnäckig Spekulationen über eine Umschuldung Griechenland oder gar einen Austritt des Landes aus der Währungsunion halten und den Euro belasten", meint Devisenanalyst Park.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Petra

17.05.2011, 17:37 Uhr

Kann man verstehen! Wer will schon in eine Währung investieren, die am Tropf einer Nation hängt, deren Bevölkerung langsam aufwacht und kapiert, daß die Politiker ihr eigenes Volk verkauften!

Account gelöscht!

17.05.2011, 22:04 Uhr

Der Euro hat sich bewährt? Für welches Land? Deutschland hat ein Jahrzehnt unter gigantischen Geldabflüssen ins angeblich sichere Euro-Südeuropa gelitten. Auch andere stärkere Euro-Nordländer haben diese Erfahrung gemacht. Für Südeuropa war der Euro dagegen eine Einladung zum uferlosen Schulden machen. Was hat sich also bewährt? Der Euro hat die Hälfte der Volkswirtschaften wirtschaftlich ruiniert, die andere Hälfe ausgebremst. Niemand hat profitiert, außer den internationalen Banken, die mit uns und der Chaoswährung ein profitables Spiel treiben.

nobum

18.05.2011, 00:47 Uhr

So ist das bei Prognosen......<br/>Der Euro ist seit 15.38 Uhr auf jetzt 1,4235 Euro/USD gestiegen. Von seinem Tiefpunkt Anfang 2010 (ca. 1,20 Euro/USD) hat er sich ganz gut erholt. Die Chefstrategen von Banken wollen lieber Währungsgeschäfte macht. DM, Gulden, Franc, Lira, etc., da läuft Herrn Bloom von der HSBC das Wasser im Mund zusammen. Was wären da für bei den Banken für Währungsabsicherungen möglich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×