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15.07.2013

10:24 Uhr

Währung

Warum China den Yuan nicht abwertet

Durch eine Abwertung des Yuan könnte China seine Wirtschaft ankurbeln - wie so oft in der Vergangenheit. Doch diesmal will die Regierung davon nichts wissen. China verfolgt ein anderes Ziel für seine Währung.

100-Yuan-Note: China könnte dem Vorbild Japans folgen und zur Stärkung der Exporte die Währung abschwächen. Reuters, Sascha Rheker

100-Yuan-Note: China könnte dem Vorbild Japans folgen und zur Stärkung der Exporte die Währung abschwächen.

Das Wachstum in China schwächelt. Das Land könnte den Wechselkurs des Yuan drücken, um die weltweit zweitgrößte Volkswirtschaft nicht komplett aus der Spur zu bringen. Doch davor schreckt die People's Bank of China (PBoC) diesmal zurück.

Die Ausfuhren waren im vergangenen Monat um 3,1 Prozent gesunken. Experten hatten dagegen mit einem Plus von vier Prozent gerechnet. Gleichzeitig stimmt die chinesische Regierung Handelspartner und Finanzmärkte auf eine Konjunkturabkühlung ein. Sie rechnet für 2013 nur noch mit einem Plus von 7,5 Prozent.

„Die PBoC muss ihre Geldpolitik korrigieren und an das veränderte Umfeld anpassen“, betont Liu Ligang, Chef-Analyst für China bei der ANZ Bank. Anderen Börsianern zufolge zahlt China nun den Preis dafür, die Export-Nachfrage falsch eingeschätzt zu haben. Die Regierung habe offenbar mit einem Anstieg der Ausfuhren gerechnet und die Währung zu stark aufwerten lassen. Der Yuan ist nicht frei handelbar, sondern darf einen von der Notenbank täglich festgesetzten Kurs um maximal ein Prozent über- oder unterschreiten.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Der Kursanstieg zum Dollar sei dabei das geringste Problem, fügt ANZ-Experte Liu hinzu. Schließlich liege er im Vergleich zum Jahreswechsel bei lediglich 1,5 Prozent. Wichtiger seien Veränderungen zu anderen asiatischen Währungen wie dem japanischen Yen oder dem koreanischen Won. Hier liegt das Plus bei bis zu 25 Prozent. „Das ist deshalb so besorgniserregend, weil China mit den Volkswirtschaften der Asean-Staaten konkurriert“, sagt Liu weiter. „Wir könnten weitere Entlassungen bei den chinesischen Industrieunternehmen sehen.“

Die Verwundbarkeit chinesischer Firmen macht der Fall Rongsheng Heavy Industries deutlich. Die größte private chinesische Schiffswerft musste angesichts einer rückläufigen Nachfrage und des harten Wettbewerbs mit japanischen und koreanischen Konkurrenten vergangene Woche um staatliche Hilfen bitten.

Kommentare (3)

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15.07.2013, 11:22 Uhr

Abwertung? Vielleicht kann das HB das folgende Zitat mal zur Kenntnis nehmen und auch kommunizieren! Zitat von Prof. Ludwig Erhard, dessen Kompetenz wohl unumstritten ist: "Noch nie ist ein Volk durch Abwertung reicher geworden!" Sollte irgend ein Kommentator, HB-Redakteur oder sonst wer daran zweifeln, möge er bitte die Argumentation vorlegen.

oha

15.07.2013, 11:28 Uhr

Abwertung des Yuan bei dem Schuldenstand der USA: Wer kann so etwas wollen auf der Welt?

Account gelöscht!

15.07.2013, 14:44 Uhr

Hängt halt davon ab, wie man "Reichtum" definiert. Wenn eine florierende Wirtschaft dazugehört, gibt es viele Länder.

England hat durch die Abwertung 1992 seine internationale Konkurrenzfähigkeit erhalten können.
Polen hatte aufgrund seiner eigenen Währung wesentlich weniger Stress als vergleichbare Euro-Länder während der Finanzkrise. China hat sich damit als Werkbank der Welt etabliert.

Wenn man sich auf den Kontostand beschränkt, dann mag Ludwig Ehrhart für eine kurze Zeit recht haben, siehe Griechenland.

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