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02.05.2011

17:04 Uhr

Währungen

„Der Dollar wird noch billiger werden“

Die Nachricht vom Tod Osama bin Ladens gab dem Dollar zunächst Auftrieb. Doch der Effekt hielt nicht lange an. Am Nachmittag legte der Euro deutlich zu - trotz Schuldenkrise.

Ein falscher Milliarden-Dollar-Schein. Quelle: Reuters

Ein falscher Milliarden-Dollar-Schein.

FrankfurtNach der Veröffentlichung neuer US-Konjunkturdaten hat der Euro am Montag seinen Aufwärtstrend fortgesetzt. Mit 1,4892 Dollar notierte er am Nachmittag so hoch wie seit Dezember 2009 nicht mehr und mehr als einen halben Cent höher als noch am Freitagabend in New York. Damit näherte sich der Euro der psychologisch wichtigen Marke von 1,50 Dollar weiter an.

Der Tod des Al-Kaida-Anführers Osama bin Laden hatte zeitweise in Fernost den Dollar gestützt. Doch mit dem robusten Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone war im europäischen Handel das Interesse an Euro-Käufen rasch wieder aufgekommen. Der US-Einkaufsmanagerindex war dagegen gefallen, wenn auch geringer als erwartet.

„Vielen Investoren kam der Schwächeanfall gelegen, da sie damit den Euro relativ günstig kaufen konnten“, sagte ein Händler. Selbst der Wunsch des griechischen Finanzministers Giorgos Papaconstantinou für mehr Zeit bei der Rückzahlung der Milliardenhilfen bremste den Euro kaum. Auch Meldungen aus Finnland, wonach die Euro-kritische Partei „Wahre Finnen“ das Hilfspaket für Portugal und den permanenten EU-Rettungsschirm nicht mittragen wollen, fanden keinen Niederschlag in den Devisenkursen.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Devisenstrategen gehen davon aus, dass sich der Dollar dieses Jahr nicht erholen wird. "Der Dollar wird wahrscheinlich noch billiger werden", sagte Thomas Stolper, Chef-Devisenstratege bei Goldman Sachs in einem Telefoninterview mit Bloomberg.

Zinsvorteil für Euro bleibt bestehen

„An der Tatsache, dass ein Ende der lockeren Fed-Geldpolitik bis auf weiteres nicht in Sicht ist, hat sich nichts geändert“, brachte Katsunori Kitakura, Chef-Händler der Chuo Mitsui Trust Bank, die Stimmung auf den Punkt. EZB-Chef Jean-Claude Trichet warnte zwar anlässlich der Amtseinführung des neuen Bundesbankchefs Jens Weidmann davor, die Finanzkrise ad acta zu legen. Das Umfeld bleibe schwierig, erklärte Trichet. „Die Krise ist nicht vorbei.“ Doch hatte die EZB im April eine vorsichtige Abkehr von der krisenbedingten ultra-lockeren Geldpolitik eingeleitet und damit dem Euro auf längere Sicht einen Zinsvorteil zum Dollar verschafft. Denn in den USA sieht es nach wie vor nicht nach einer baldigen Zinswende aus.

Am Donnerstag wird zwar auch die EZB erst einmal die Zinsen nicht weiter erhöhen. Doch schon im Sommer dürfte der nächste Schritt anstehen, mit dem der Leitzins in der Euro-Zone voraussichtlich um 25 Basispunkte auf dann 1,5 Prozent steigen wird. In den USA liegt der Leitzins dagegen nahe null Prozent. „Der Euro wird von der Zinsphantasie und einem guten technischen Umfeld getragen“, erklärte Helaba-Analyst Ralf Umlauf.

Von

rtr

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