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13.07.2012

12:44 Uhr

Währungen

Der Euro im Abwärtssog

VonLaura de la Motte

Der Euro ist zuletzt auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren gefallen. Die Aussichten sind nicht gut. Viele Anleger kommen auf die Idee, ihr Geld in andere Währungen zu investieren. Doch für Anfänger ist das nichts.

Der Euro schwächelt stark gegenüber vielen Währungen - das dürfte sich vorerst auch nicht ändern. Reuters

Der Euro schwächelt stark gegenüber vielen Währungen - das dürfte sich vorerst auch nicht ändern.

FrankfurtWie wäre es jetzt mit einem Urlaub in Brasilien? Zuckerhut und Amazonas bestaunen und einen Caipirinha an der Copacabana schlürfen - das alles wird billiger. Denn Brasilien ist momentan fast das einzige Land, in dem der Euro nicht an Wert verliert. Grund sind verschiedene Maßnahmen der brasilianischen Regierung und Notenbank, die den teuren Real derzeit künstlich schwächen.

Gegenüber vielen anderen Währungen ist der Euro in diesem Jahr dagegen deutlich eingebrochen. Zum US-Dollar markierte die Gemeinschaftswährung gestern mit 1,2168 Dollar sogar ein Zweijahrestief. Aktuell liegt der Kurs bei rund 1,22 Dollar. Das verdirbt nicht nur die Urlaubslaune, es verunsichert auch die Sparer hierzulande. Doch statt kopflos sein Geld ins Ausland zu tragen, sollten Währungsanlagen gut überlegt sein.

"Kein Markt reagiert emotionaler und schneller als der Devisenmarkt", sagt Janwillem Acket, Chefvolkswirt beim Bankhaus Julius Bär. Das liegt daran, dass in diesem Markt mit Abstand der meiste Handel stattfindet. Selbst am Wochenende steht er nie ganz still. Nach den jüngsten Daten der Bank für internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) aus dem Jahr 2010 wechseln weltweit täglich Devisen im Wert von vier Billionen Dollar den Besitzer. Zum Vergleich: In derselben Zeit werden Aktien für nur 320 Milliarden Dollar gehandelt.

Musterschüler und Sitzenbleiber - so verschuldet sind die Euro-Länder

Platz 1

Das am höchsten verschuldete Land der Euro-Zone ist - wer hätte es gedacht - Griechenland. Bei satten 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) liegt die Schuldenquote des Mittelmeerlandes. Ein kleiner Lichtblick: Immerhin haben es die Griechen in den vergangenen Jahren geschafft, ihr extrem hohes Haushaltsdefizit zu drücken: Nahm die Regierung 2009 noch neue Kredite in Höhe von 15,6 Prozent des BIP auf, wird sich die Defizitquote im Jahr 2012 - nicht zuletzt dank europäischer Hilfe - auf 7,3 Prozent des BIP verringern.

Platz 2

Auf Platz zwei der am meisten verschuldeten Euro-Länder landet Italien. Mit 123 Prozent des BIP stehen die Italiener laut Eurostat in der Kreide. Die Märkte bestrafen das mit höheren Zinsen, die der Regierung von Premierminister Mario Monti das Leben schwer machen. Mit einem harten Sparkurs steuert Rom dem entgegen: Die Defizitquote sank von 5,4 Prozent im Jahr 2009 auf voraussichtlich 2,0 Prozent in diesem Jahr.

Platz 3

Irland hatte vor allem unter der Bankenkrise zu leiden. Weil das kleine Land seine Banken stützen musste, hat es einen Bruttoschuldenstand von 116,1 Prozent des BIP. Auch das Haushaltsdefizit des früheren keltischen Tigers war in der Folge beängstigend hoch und lag 2010 bei 31 Prozent des BIP. Inzwischen konnte die Regierung das Defizit auf 8,3 Prozent senken - was immer noch deutlich zu hoch ist.

Platz 4

Genau wie Griechenland und Irland musste sich auch Portugal unter den Rettungsschirm flüchten. Das Land ächzt unter einer Schuldenquote von 113,9 Prozent der BIP. Auf Druck der EU reduzierten die Portugiesen ihr Haushaltsdefizit in den vergangenen Jahren deutlich: Waren es 2009 noch 10,2 Prozent des BIP, wird die Defizitquote in diesem Jahr voraussichtlich auf 4,7 Prozent sinken.

Platz 5

Auch Belgiens Schuldenquote hat mit 113,9 Prozent vom BIP eine kritische Höhe erreicht. Bei Haushaltsdefizit hingegen sehen die Belgier inzwischen wieder ganz gut aus: Nach satten 10,2 Prozent im Jahr 2009 werden sie die in den Maastricht-Kriterien festgelegte Defizitquote von drei Prozent in diesem Jahr vorrausichtlich exakt einhalten.

Platz 6

Deutschlands Nachbarland Frankreich hat eine Verschuldungsquote von 90,5 Prozent des BIP. Ökonomen halten diese Schuldenlast für gerade noch tragbar, die Maastricht-Kriterien hingegen verletzen die Franzosen deutlich: Sie sehen eine Quote von höchstens 60 Prozent vor. Auch das französische Haushaltsdefizit ist mit 4,5 Prozent vom BIP im Jahr 2012 zu hoch.

Platz 7

Auch Deutschland, das sich gerne als Musterschüler der Euro-Zone sieht, drückt eine hohe Schuldenlast: 81,2 Prozent beträgt die Bruttoschuldenquote im Jahr 2012 - zu hoch für Maastricht. Beim Haushaltsdefizit hingegen sieht Europas größte Volkswirtschaft inzwischen richtig gut aus: Eurostat schätzt, dass Schäubles Defizitquote in diesem Jahr nur noch bei 0,9 Prozent des BIP liegt - der zweitbeste Wert aller Euro-Staaten.

Platz 8

Das letzte Land, das Schutz unter dem Euro-Rettungsschirm suchte, war Spanien. Dabei ist die Bruttoschuldenquote der Iberer gar nicht so hoch: mit 80,9 Prozent liegt sie unter der von Deutschland. Deutlich zu hoch ist allerdings das Haushaltsdefizit Spaniens: Kredite in Höhe von 6,4 Prozent muss die konservative Regierung in diesem Jahr aufnehmen - weniger als im letzten Jahr (8,5 Prozent) aber immer noch zu viel.

Platz 9

Bei Zypern wird immer gemunkelt, dass das Land als nächstes unter den Rettungsschirm schlüpfen könnte. Den Inselstaat drückt eine Schuldenquote von 76,5 Prozent des BIP. Immerhin: Das Haushaltsdefizit konnten die Zyprioten spürbar reduzieren: Es sankt von 6,3 Prozent des BIP im Vorjahr auf 3,4 Prozent in diesem Jahr. Die Maastricht-Grenze ist damit wieder in Reichweite.

Platz 10

Die Mittelmeerinsel Malta weist eine Bruttoverschuldungsquote von 74,8 Prozent des BIP auf. Im europäischen Vergleich reicht das für Platz zehn. Das Haushaltsdefizit von Malta bewegt sich innerhalb der Maastricht-Kriterien und wird in diesem Jahr voraussichtlich bei 2,6 Prozent liegen.

Platz 11

Deutschlands südlicher Nachbar Österreich weist eine Verschuldungsquote von 74,2 Prozent des BIP auf - Platz elf in Europa. Auch das Haushaltsdefizitdefizit der Alpenrepublik ist mit aktuell drei Prozent vom BIP vergleichsweise gering. Im Jahr 2011 hatte es mit 2,6 Prozent sogar noch niedriger gelegen.

Platz 12

Die Niederlande gelten ähnlich wie Deutschland als Verfechter einer strengen Haushaltspolitik. Das macht sich bemerkbar: Die Verschuldungsquote liegt bei nur 70,1 Prozent vom BIP. Weniger erfolgreich haben die Niederländer in den vergangen Jahren gewirtschaftet: Das Haushaltsdefizit lag 2009 bei 5,6 Prozent und hat sich danach nur leicht verringert. Im Jahr 2012 peilt die Regierung ein Defizit in Höhe von 4,4 Prozent des BIP an.

Platz 13

Slowenien ist das erste Land im Ranking, dessen Verschuldungsquote die Maastricht-Kriterien erfüllt: Sie liegt im Jahr 2012 bei 54,7 Prozent des BIP. Schlechter sieht es bei den Haushaltszahlen aus: Nach einen Defizit in Höhe von 6,4 Prozent des BIP im Jahr 2011 steuert die Regierung in diesem Jahr auf 4,3 Prozent zu. Die Gesamtverschuldung steigt also.

Platz 14

Ein Musterbeispiel für solide Haushaltsführung ist Finnland: Die Bruttoverschuldungsquote der Skandinavier liegt bei 50,5 Prozent und bewegt sich damit locker in dem Rahmen, den der Maastricht-Vertrag vorgibt. Auch die Haushaltszahlen können sich sehen lassen: In den vergangenen vier Jahren lag Finnlands Defizit nie über der Drei-Prozent-Marke. Im Jahr 2012 werden es nach Prognose von Eurostat gerade einmal 0,7 Prozent sein.

Platz 15

Auch die Slowakei weist eine niedrige Gesamtverschuldung auf: Die Bruttoverschuldungsquote liegt bei 49,7 Prozent des BIP. In den vergangen Jahren allerdings hatten die Slowaken zunehmend Probleme: Bei acht Prozent des BIP lag das Haushaltsdefizit im Jahr 2009, in diesem Jahr werden es laut Eurostat-Prognose 4,7 Prozent sein.

Platz 16

Geldsorgen sind in Luxemburg ein Fremdwort. Die Verschuldungsquote des Großherzogtums liegt bei niedrigen 20,3 Prozent. Der Regierung gelingt es in den meisten Jahren auch, mit den eingenommenen Steuermitteln auszukommen. In den vergangenen drei Jahren lag das Haushaltsdefizit stets unter einem Prozent des BIP. Die anvisierten 1,8 Prozent in diesem Jahr sind da schon ein Ausreißer nach oben.

Platz 17

Hätten Sie es gewusst? Der absolute Haushalts-Musterschüler der Euro-Zone ist Estland. Das baltische Land hat eine Gesamtverschuldung, die bei extrem niedrigen 10,4 Prozent des BIP liegt - ein echter Spitzenwert. 2010 und 2011 gelang es der Regierung sogar, einen kleinen Haushaltsüberschuss zu erwirtschaften. In diesem Jahr läuft es etwas schlechter: Voraussichtlich wird die Regierung Kredite in Höhe von 2,4 Prozent des BIP aufnehmen. Die Maastricht-Kriterien halten die Esten damit aber immer noch locker ein.

Am Devisenmarkt tummeln sich nicht nur Unternehmen, Banken und Zentralbanken. "Über 90 Prozent des Volumens wird von spekulativen Investoren bewegt", sagt Ulrich Leuchtmann, Leiter Devisenanalyse bei der Commerzbank. Diese reagieren blitzschnell auf neue Informationen. Einzelne Spekulanten können jedoch keinen Wechselkurs manipulieren, räumt Leuchtmann mit einem alten Mythos auf. Weil der Markt so groß ist, werden die Kursbewegungen vielmehr durch die Stimmung der Masse beeinflusst.

Und diese Stimmung wird von vielen Faktoren beeinflusst. Sofern die Wechselkurse nicht fixiert sind, sind sie Ausdruck für die relative Stärke der Währungen. Normalerweise ist diese Stärke fundamental begründet. Das bedeutet, eine starke Wirtschaftskraft, eine niedrige Verschuldung und ein hohes Zinsniveau gehen einher mit einer starken Währung und umgekehrt. Teilweise versuchen Regierungen und Notenbanken, ein starke Aufwertung zu bremsen, wie die Schweiz, die seit September einen Mindestwechselkurs zum Euro verteidigt.

Kommentare (35)

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Account gelöscht!

13.07.2012, 12:52 Uhr

"Hartwährungen bevorzugt" - Ach, hätten wir doch jetzt die DM! Wir wüten jetzt so viel Kapitalzulauf wie kein anderes Land haben und könnten uns gelassen zurücklehnen und zusehen wie der Dollar und der Euro in den Tiefen versinkt.

Ach, wäre das schön wenn wir zu unserer eignen Währung zurück könnten - aber das geht ja nicht, wir gehen gemeinsam mit dem Euro unter - naja, wenigsten ist dann ganz Europa betroffen.

Matthes

13.07.2012, 12:58 Uhr

Der Euro wurde von der EU kaputtgeredet.
Dieses ganze Rettungschaos. Früher zahlten die EU-Südstaaten 15 bis 16% an Zinsen. Ohne an Staats-Insolvenz zu denken. Heute wollen sie sich schon bei 5 bis 6% retten lassen. Und die EU macht freudig mit. Zu Lasten der wenigen Geberländer. Würde man die Rettungsschwelle dorthin legen, wo es wirkluch kritisch ist, wäre dieses ganze Untergangsscenario weg. Es wären nur wenige Staaten kritisch. Den Staaten, die sich an anderen Staatshaushalten nur guttun wollen, wäre das Handwerk gelegt und die Geberländer könnten auch aufatmen!

Account gelöscht!

13.07.2012, 13:12 Uhr

tot tot und noch mals tot und wer sein Geld noch immer nicht in Sicherheit gebracht hat in Form von Umwandlung oder Abzug aus dem Euro-Raum, dem ist jetzt eh nicht mehr zu helfen.

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