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04.05.2011

16:56 Uhr

Währungen

Der Euro ist nicht zu stoppen

Selbst ein milliardenschweres Rettungspaket für Portugal kann dem Euro nichts anhaben: Der Kurs steigt immer weiter. Die Marke von 1,50 Dollar rückt näher.

Der Euro obenauf: An diesem Bild hat sich am Devisenmarkt nichts geändert. Quelle: Reuters

Der Euro obenauf: An diesem Bild hat sich am Devisenmarkt nichts geändert.

FrankfurtMit zeitweise 1,4932 Dollar notierte die Gemeinschaftswährung am Mittwochnachmittag so hoch wie seit Dezember 2009 nicht mehr. Es gebe einfach keine Gründe, den Euro in großem Stil zu verkaufen, erklärte Unicredit-Währungsstratege Roberto Mialich in Mailand. "Am Ende des Tages werden doch wieder Dollar verkauft, und es ist nur eine Frage der Zeit, wann wir die Marke von 1,50 Dollar testen", fügte Mialich hinzu. Als Euro-Käufer machten Händler in London auch große staatliche Adressen aus Asien aus.

Die Zinsdifferenz sei das alles entscheidende Kriterium für den Handel, sagte Audrey Childe-Freeman, Währungsanalystin bei JP Morgan Private Bank. "Die Devisenmärkte scheinen gelernt zu haben, mit den Nöten der Peripherie-Länder der Euro-Zone zu leben." Portugal hatte sich mit der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auf ein 78 Mrd. schweres Rettungspaket geeinigt. Dass die Europäische Zentralbank (EZB) schon bald die Zinsen weiter anheben wird, dürfte Portugal wie auch das hoch verschuldete Griechenland zwar belasten. Doch der Euro profitiert Händlern zufolge vor allem davon, dass in den USA bis auf weiteres keine Zinswende ansteht.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Viele Börsianer rechnen für den Sommer mit einer zweiten Zinserhöhung der EZB. Die Notenbanker hatten im April den Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,25 Prozent angehoben und damit die Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik eingeleitet. Am Donnerstag könnte EZB-Chef Jean-Claude Trichet nach der turnusmäßigen Sitzung der Notenbank Hinweise auf den nächsten Zeitpunkt für eine Erhöhung geben. Mit einem Zinsschritt am Donnerstag rechnet derzeit kaum ein EZB-Beobachter.

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