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29.12.2011

14:19 Uhr

Währungen

Euro fällt auf Jahrestief

Der Euro ist nach der Italien-Auktion weiter abgerutscht. Die Gemeinschaftswährung fiel zum Dollar auf den tiefsten Stand in diesem Jahr. Gegen den Yen steht der Euro noch schlechter.

Der Euro ist in Fernost abgerutscht. dpa

Der Euro ist in Fernost abgerutscht.

FrankfurtZum Jahresende ist dem Euro am Donnerstag die Puste doch noch ausgegangen. Mit 1,2858 Dollar notierte die Gemeinschaftswährung zeitweise auf einem neuen Jahrestief und so niedrig wie zuletzt im September 2010. Die Auktion italienischer Staatsanleihen verlief zwar in etwa wie erwartet, vermochte dem Euro aber keinen Halt zu geben. „Der Euro ist angezählt und dürfte zu Jahresbeginn weiter fallen“, sagte ein Händler. Dabei hatte sich der Euro trotz der Schuldenkrise im Jahresverlauf noch recht gut behauptet. Viele Börsianer hatten angesichts den grundsätzlichen Zweifeln an der Zukunft der Euro-Zone mit stärkeren Kursverlusten gemessen am Vorjahresschluss von rund 1,33 Dollar gerechnet.

„Ein Gemisch von mehreren Faktoren drückt heute den Euro“, erklärte Analyst Sebastian Sachs von der Metzler Bank in Frankfurt. Zum einen belaste die Unsicherheit über weitere Herabstufungen der Kreditwürdigkeit von Euro-Ländern den Euro. Die Ratingagentur Standard & Poor's dürfte sich im Januar nach Einschätzung von Analysten zu einer ganzen Reihe von Euro-Ländern eher negativ äußern.

Zum anderen belaste auch, dass der Interbanken-Handel der Euro-Banken einfach nicht in Gang komme, erklärten Börsianer. „Da hatten sich viele nach dem Drei-Jahres-Tender vorige Woche etwas mehr von versprochen“, erklärte Sachs. Am Vorabend hatte dies vor allem in New York den Euro gedrückt, obwohl die Zahlen der Europäischen Zentralbank (EZB), die dies belegen, schon morgens vorlagen. Per Mittwochabend bunkerten die Banken zwar etwas weniger Geld bei der EZB als am Vortag. Doch rechneten Händler nicht mit einer nachhaltigen Entspannung.

Die Kursentwicklung des Euro seit Einführung

1. Januar 1999

1. Januar 1999: Der Euro wird von den elf Gründerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) aus der Taufe gehoben. Der Umrechnungskurs zur D-Mark beträgt 1,95583 DM je Euro.
Am 4. Januar startet der Handel in Sydney - der ersten großen Börse, die nach dem Datumswechsel öffnet - mit 1,1747 Dollar.

Dezember 1999

Der Euro fällt erstmals auf 1,00 Dollar.

Frühherbst 2000

Bei Kursen unter 0,85 Dollar wächst die Befürchtung, der schwache Euro könnte die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit Unterstützung der Zentralbanken Japans und der USA greift die EZB der jungen Währung unter die Arme. Doch die Interventionen verpuffen rasch: Am26. Oktober ist ein Euro noch 0,8225 Dollar wert. Eine weitere Interventionsrunde im November hievt ihn wieder auf 0,86 Dollar.

Januar 2002

Die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds honorieren die Finanzmärkte mit Euro-Käufen. Im Juli erreicht der Euro wieder die Ein-Dollar-Marke.

März 2003

Der Beginn des Irakkrieges geht zu Lasten des Dollar. Der Euro erreicht wieder sein Einführungsniveau.

September 2003

Finanzminister und Notenbanker der sieben führenden Industrieländer (G7) fordern flexiblere Wechselkurse, was an den Märkten als Signal für den Wunsch nach einem schwächeren Dollar interpretiert wird. Am 28. November 2003 steigt der Euro erstmals über 1,20 Dollar.

September 2007

Nach einer deutlichen US-Zinssenkung im Zuge der Subprime-Krise steigt der Euro über 1,40 Dollar.

Juli 2008

Der Euro erreicht mit 1,6038 Dollar ein Rekordhoch. Nur wenige Tage zuvor - am 11. Juli - hatte übrigens auch der Ölpreis mit 147,50 Dollar je Fass sein Allzeithoch erreicht.

Oktober 2008

Im Sog der Lehman-Pleite ziehen US-Investoren ihre Euro-Gelder ab und drücken ihn bis zum 28. Oktober auf 1,2328 Dollar ,den niedrigsten Stand seit April 2006.

Oktober 2009

Mit den Aktienmärkten steigt zwar auch der Euro - erstmals seit einem Jahr klettert er am 21. Oktober über 1,50 Dollar. Doch das Comeback ist von kurzer Dauer: Griechenland schockiert die Märkte mit der Ankündigung eines etwa doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie bislang gedacht.

Dezember 2009, Januar 2010

Mit ersten Herabstufungen Griechenlands durch die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's sowie Moody's beginnt der Euro seine Talfahrt.

Frühjahr und Sommer 2011

EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisiert am 3. März überraschend für April eine Zinserhöhung. Im Juli folgt sogar eine zweite Zinsanhebung. Am 4. Mai notiert der Euro zeitweise über 1,49 Dollar. Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bremsen die Gemeinschaftswährung aber für den Rest des Sommers aus. Sie pendelt meist in einer Spanne von etwa 1,40 bis 1,45 Dollar.

Ende Februar 2012

Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

Juni 2012

Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je und belastet den Euro. Vor allem Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt. Im Juni fällt der Euro bis auf 1,21 Dollar.

Juli 2012

Vor Investoren in London kündigt EZB-Chef Draghi am 26. Juli an, die EZB werde „alles nötige tun, um den Euro zu erhalten.“ Der vorläufige Wendepunkt in der Euro-Krise. Sofort steigt der Euro deutlich. Innerhalb eines Tages von 1,2118 auf 1,2287 US-Dollar. Wenige Wochen später machte Draghi klar, was das bedeutet: Im Notfall kauft die EZB unbegrenzt Anleihen der Krisenländer. Der Euro startet einen neuen Höhenflug.

Februar bis März 2013

Die Erleichterungs-Rally geht weiter: Anfang Februar steigt der Euro bis auf 1,37 Dollar. Das Hoch hält allerdings nicht lange vor. Wegen Unsicherheiten in Italien und Zypern fällt die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei knapp unter 1,30 Dollar.

September 2014

Die EZB überrascht die Märkte mit einem neuen Zinssenkungszyklus. Der Euro nimmt seine Talfahrt wieder auf. Signale von EZB-Chef Mario Draghi für weitere Geldspritzen drücken den Euro bis zum Jahresende auf rund 1,21 Dollar.

06. Januar 2015

Der Euro fällt auf 1,1853 Dollar und erreicht damit das Tief von Februar 2006. Zugleich nimmt die Talfahrt der Ölpreise weiter Fahrt auf. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligt sich um bis zu 1,7 Prozent auf 50,22 Dollar je Barrel (159 Liter).

Für den Euro sind viele Börsianer denn auch eher skeptisch - zumindest für den Jahresanfang 2012. „Der Trend spricht für einen schwächeren Euro“, erklärte Carl Hammer, Währungsstratege der SEB in Stockholm. Wie viele andere auch rechnet die SEB damit, dass der Euro Ende März 2012 bei 1,25 Dollar liegen dürfte.

Wenig Unterstützung bekam der Euro von der Versteigerung italienischer Staatsanleihen. „Die Auktion war kein Desaster, die Renditen waren sogar etwas niedriger, aber die Überzeichnung war nicht so toll“, sagte Audrey Childe-Freeman, Währungsstratege von JP Morgan Private Bank in London. Letztlich zeige die Auktion, dass die Schuldenkrise noch nicht ad acta gelegt werden könne. Italien hatte insgesamt gut sieben Milliarden Euro über verschiedene Laufzeiten aufgenommen. Geplant war ein Volumen von fünf bis zu 8,5 Milliarden Euro. Die Renditen gingen gegenüber der letzten Auktion Ende November etwas zurück: auf 5,62 von 7,89 Prozent bei den dreijährigen und auf 6,98 von 7,56 Prozent bei den zehnjährigen Staatsanleihen.

Die EZB griff nach Angaben von Händlern nach der Auktion am Sekundärmarkt ein, wenn auch nur mit moderaten Aufkäufen. Die Renditen der zehnjährigen italienischen Staatsanleihen lagen am Donnerstag wieder über sieben Prozent - ein Niveau, das für Euro-Länder als längerfristig untragbar gilt. Die Unsicherheit trieb wieder viele Anleger in deutsche Bundesanleihen. Der Bund-Future stieg um 53 Ticks auf 138,74 Punkte.

Verkäufe japanischer Exporteure und Privatanleger hatten schon in Fernost den Euro zum Yen auf nur noch knapp über 100 Yen gedrückt. Damit notierte der Euro zum Yen auf dem niedrigsten Niveau seit Juni 2001.

Kommentare (3)

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Birgit

29.12.2011, 11:49 Uhr

Interessant, hat doch der Volkswirtschaftsprofessor Herr Univ.-Prof. Dr. Reinhard Neck vor kurzem noch behauptet, dass es keine Eurokrise gäbe, sondern nur eine Staatsschuldenkrise. Deshalb sei alles halb so schlimm, was Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Hankel allerdings ganz anders sah. Zumidest hat erstgenannter gemeint, dass es in den nächsten Jahren keine Austritte aus der Währungsunion gäbe, wogegen Herr Hankel das Gegenteil glaubt. Nun gut: Die Zeit wird's uns lehren!

Account gelöscht!

29.12.2011, 14:36 Uhr

Frage: wie ist so etwas nur möglich???
Diese bösen Zocker/Heuschrecken, oder sind es die unfähigen deutschen Politiker???
Wer weiß, wer weiß.
Danke

hjoj

29.12.2011, 16:09 Uhr

US börse steigt wenn der Dollar schwächer wird.analog dazu china,Japa,Schweiz mit ihren Währungen.
aber wenn der € schwächer wird ist das ein alarmsignal.Lächerlich,dieses blödsinnige Argumentieren bzgl. währungen.
für mich ist es sowieso egal was die währungen machen,kaufe alles in heimatwährung

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