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29.09.2011

16:45 Uhr

Währungen

Euro klettert über 1,36 Dollar

Nach der Bundestagsabstimmung zum Rettungsschirm hält sich der Euro klar über der Marke von 1,36 US-Dollar. Insider rechnen in Zukunft aber mit Rückschlägen.

Der große Dichter Dante ziert die italienische Zwei-Euro-Münze. dapd

Der große Dichter Dante ziert die italienische Zwei-Euro-Münze.

FrankfurtDie jüngste Erholungsrally beim Euro könnte nach Einschätzung von Experten auf wackligen Füßen stehen. Zwar stimmten immer mehr Parlamente der Aufstockung des Euro-Rettungsschirms EFSF zu, doch die Freude darüber dürfte nur von kurzer Dauer sein, sagte ein Händler. „Die Anleger warten noch immer auf eine durchschlagenden Ansatz der Politiker, wie sie die europäische Schuldenkrise letztendlich in den Griff bekommen wollen, sagte Lee Hardman, Währungsanalyst bei BTM-UFJ.

Der Euro kletterte am Donnerstag zeitweise um gut eineinhalb US-Cent auf 1,3678 Dollar. Am Montag war er noch auf ein Acht-Monats-Tief von 1,3361 Dollar zurückgefallen. Insgesamt ist die Gemeinschaftswährung mit einem Minus von gut sechs Prozent allerdings auf dem Weg zu ihrem schlechtesten Quartal seit Anfang 2010.

Heute hat auch der Bundestag mit überwältigender Mehrheit für eine Aufstockung der Milliardengarantien für den Hilfsfonds EFSF gestimmt - so wie zuvor bereits neun andere Parlamente in Europa. Insgesamt muss die Erweiterung des EFSF von allem 17 Mitgliedsstaaten der Euro-Zone abgesegnet werden.

Mit dem erweiterten Volumen von 440 Milliarden Euro und einem größeren Instrumentarium sollen vor allem Ansteckungsgefahren für kriselnde Euro-Staaten eingedämmt werden. Aus Sicht des Anleihen-Experten Neil McLeish von Morgan Stanley ist das aber noch längst nicht ausreichend: „Auch wenn der EFSF künftig effektiv 440 Milliarden Euro zur Verfügung hat, dürfte das nicht ausreichen, um im Zweifel für die Schulden großer europäischer Volkswirtschaften geradezustehen“, sagte er. „Was man braucht, ist entweder ein deutlich größerer Rettungsschirm oder eine europäische Fiskalunion.“ Hier müsste die EZB einen viel klareren Auftrag haben, als Kreditgeber letzter Instanz zu agieren, also bei Liquiditätsengpässen einzuspringen, sagte Leish.

Wie verunsichert die Anleger weiterhin sind, zeigte sich auch am Anleihenmarkt. Sie steuerten wieder verstärkt zehnjährige deutsche Papiere als sicheren Hafen an. Die Renditen gingen entsprechend zurück und lagen in der Spitze bei 1,940 Prozent nach 2,007 Prozent am Vortag.

In den vergangenen Tage hatte die Risikofreude der Anleger zwischenzeitlich wieder zugenommen, als Spekulationen über eine weitere Stärkung des Rettungsschirm EFSF die Runde gemacht hatten „Der Markt ist derzeit ziemlich konfus, denn niemand weiß, worauf er eigentlich noch setzen soll“, sagte John Davies, Anleihen-Stratege bei der WestLB.  

Keine ermutigenden Nachrichten kamen aus Italien, wo die Investoren bei einer Auktion von zehnjährigen Staatsanleihen mit historisch hohen Zinsen an den Markt gelockt werden mussten. Nach der Herabstufung der Kreditwürdigkeit durch S&P zahlte das hoch verschuldete Land einen durchschnittlichen Zins von 5,86 Prozent für frisches Geld. „Dieses Zinsniveau sorgt für Tränen“, sagte Commerzbank-Analyst David Schnautz.

Zum Vergleich: Deutschland zahlte vergangene Woche mit 1,80 Prozent einen Zins, der so niedrig war wie nie zuvor. Insgesamt nahm Italien mit der Auktion von langlaufenden Bonds 7,86 Milliarden Euro ein. Italien weist nach Griechenland den zweithöchsten Schuldenstand aller 17 Euro-Länder auf.

Von

rtr

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