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27.06.2011

17:03 Uhr

Währungen

Euro legt deutlich zu

Die Angst um eine Griechenland-Pleite ist eine schwere Bürde für den Euro. Heute legt die Gemeinschaftswährung dennoch deutlich zu. Es geht Richtung 1,43 Dollar.

Der Euro hat es nicht derzeit nicht leicht. Quelle: dpa

Der Euro hat es nicht derzeit nicht leicht.

FrankfurtTrotz der andauernden Sorgen um die Lage in Griechenland ist der Euro am Montag gestiegen. Die Gemeinschaftswährung kletterte am späten Nachmittag um fast einen US-Cent auf 1,4280 Dollar. Am Mittag hatte er noch unter 1,41 Dollar notiert. Händler verwiesen auf die Nachfrage von Staatsfonds, die den Kursrückgang am Vormittag zu Käufen nutzten.

Allerdings seien viele Anleger sehr zurückhaltend. Im Fokus der Märkte steht die Abstimmung des griechischen Parlaments über das Sparpaket der Regierung. Die Zustimmung der Abgeordneten ist Voraussetzung für die Auszahlung neuer Finanzhilfen. Signale auf eine mögliche Einigung über die Bankenbeteiligung an der Hilfe stützten den Euro etwas, sagten Händler.
"Wenn die Maßnahmen vom Parlament verabschiedet werden, wird das zwar sehr gut sein, aber das Problem ist auch die Umsetzung. Sollte das Problem nur um zwei oder drei Monate verschoben werden, stehen wir bald wieder vor demselben Problem“, erklärte Chris Walker, Währungsstratege bei der UBS. Das griechische Parlament stimmt am Mittwoch über das Sparpaket für die nächsten fünf Jahre ab. Noch in diesem Sommer muss Griechenland eine ganze Reihe von Anleihen über mehrere Milliarden Euro zurückzahlen.

Frankreich preschte mit der Beteiligung seiner Banken an den neuen Hilfen vor. Regierung und Banken des Landes hätten sich auf einen Vorschlag geeinigt, der privaten Gläubigern eine Laufzeitverlängerung für auslaufende griechische Staatsanleihen schmackhaft macht. In deutschen Bankenkreisen hieß es, der Vorschlag könne auch ein Modell für Deutschland sein. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann erklärte Reuters Insider TV, dass Griechenland frische Mittel brauche. Die Lage sei ziemlich kritisch. Laut Moody's hat sich der Kapitalabfluss von griechischen Banken im Mai und Juni beschleunigt.

China - Retter des Euro?

Warum investiert China Milliarden in Europa?

Die Europäische Union ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Exportweltmeisters. Die 27 Ländern kauften 2010 chinesische Waren im Wert von 282 Milliarden Euro - 18,9 Prozent mehr als 2009. Die Volksrepublik hat deshalb ein großes Interesse an stabilen Verhältnissen bei seinem wichtigsten Kunden.

Welche Rolle spielen Chinas riesige Devisenreserve?

China hat einen Großteil seiner gigantischen Devisenreserven von gut drei Billionen Dollar in Euro-Wertpapiere wie Staatsanleihen gesteckt, um die Abhängigkeit vom Dollar zu reduzieren. Peking veröffentlicht zwar keine Daten. Experten schätzen aber, dass inzwischen ein Viertel der Devisenreserven auf Euro lautet. Weitet sich die Schuldenkrise in der Währungsunion aus, droht auch der Euro erheblich an Wert zu verlieren - und damit auch Chinas Euro-Investitionen.

Steht China trotz der Krise zu den Investitionen in Europa?

Ja. China seit Ausbruch der Krise immer wieder sein Vertrauen in die Währungsunion betont. „China ist ein langfristig orientierter Investor“, betonte Ministerpräsident Wen Jiabao und machte damit klar, Europa in der Krise nicht fallen zu lassen. Bei Worten hat es Peking nicht belassen. Die Volksrepublik hat für viele Milliarden Euro Staatsanleihen von angeschlagenen Euro-Ländern gekauft, während sich private Investoren aus Sorge vor einem Zahlungsausfall entweder zurückhalten oder exorbitante Zinsen verlangen.

Kauft China nur Wertpapiere auf?

Nein, China sichert seine Interessen auf ganz unterschiedliche Weise. Griechischen Reedern wurde ein Kredit über zehn Milliarden Dollar zur Verfügung gestellt. Hintergrund: Ein Großteil der internationalen Handelsflotte fährt unter griechischer Flagge, viele der Tanker und Schiffe werden in China gebaut. Auch in Ungarn - das zwar nicht zur Euro-Zone gehört, aber ebenfalls mit einer Schuldenkrise kämpft - engagieren sich die Chinesen. Der Technologiekonzern Huawei baut dort sein weltweit zweitgrößtes Logistikzentrum, während die chinesische Fluggesellschaft HNA Group nach der ungarischen Malev greift und die China Railway Construction Corporation das Schienennetz des südeuropäischen Landes modernisieren soll.

Gibt es Kritik an der Shoppingtour Chinas?

Amnesty International befürchtet, dass Menschenrechtsfragen in den Hintergrund gedrückt werden. „Es ist zu befürchten, dass Kritik an den Menschenrechten in Zukunft noch leiser geübt wird“, sagt deren China-Experte Dirk Pleiter. „Geraten einzelne EU-Länder in Abhängigkeit von China, wird es schwerer, innerhalb der EU eine einheitliche Linie gegenüber der Volksrepublik zu formulieren, Probleme klar anzusprechen und auch Konflikte auszutragen.“

Unterstützung bekam der Euro auch von technischen Faktoren sowie dem andauernden Konjunkturpessimismus vieler Anleger für die USA. Denn die nur schleppende Wirtschaftsentwicklung der weltgrößten Volkswirtschaft dürfte bis auf weiteres für eine Ausweitung der Zinsdifferenz zugunsten des Euro sorgen. EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark betonte am Montag, dass die expansive Geldpolitik in der Euro-Zone nicht mehr angemessen sei. Analysten gehen davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in der nächsten Woche die Zinsen in der Euro-Zone auf dann 1,5 Prozent von 1,25 Prozent anheben wird. In den USA stehen die Zinsen dagegen weiter nahe null Prozent.

Von

rtr

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