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16.07.2014

14:25 Uhr

Währungen

Euro verliert an Gewicht – Dollar dominiert

Das Ansehen des Euros hat schwer gelitten. Aktuelle Zahlen belegen: Der Anteil an den Währungsreserven nimmt ab. Davon profitiert der Dollar. Die US-Währung bleibt die unangefochtene Leitwährung der Welt.

Die Europäische Gemeinschaftswährung gibt weiter nach. dpa

Die Europäische Gemeinschaftswährung gibt weiter nach.

FrankfurtDer Euro bleibt zwar eine wichtige Reservewährung, verliert aber an Gewicht. Sein Anteil an den weltweiten Währungsreserven hat einer EZB-Studie zufolge 2013 weiter abgenommen. Wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Mittwoch in Frankfurt mitteilte, hatte die Gemeinschaftswährung Ende vergangenen Jahres einen Anteil von 24,4 Prozent an den Reserven der Notenbanken und des Internationalen Währungsfonds (IWF). Das ist fast ein Prozentpunkt weniger als ein Jahr zuvor. Damit setzt sich ein Negativtrend für den Euro fort, der Mitte 2010 mit Ausbruch der Euro-Schuldenkrise begann.

Nach Meinung der EZB könnte der Euro künftig wieder an Bedeutung gewinnen. Die Währungshüter verwiesen darauf, dass zwischen Januar und Dezember 2013 wieder deutlich mehr Kapital in den Euro-Raum floss. Zudem bliebt die Attraktivität des Euro als Parallelwährung in zahlreichen Ländern Zentral-, Ost- und Südosteuropas unvermindert hoch.

Insgesamt hielten die Notenbanken am Stichtag 31. Dezember 2013 Devisen im Gegenwert von umgerechnet 11,7 Billionen Dollar – ein neuer Rekord. Allerdings werden von den Statistikern nur gut die Hälfte der Reserven erfasst, da zahlreiche Zentralbanken nicht veröffentlichen, wie sich ihre Währungsreserven zusammensetzen – so etwa die chinesische Zentralbank.

Euro gegen den Rest der Welt - Währungsbilanz 2013

Chinesischer Yuan

Euro/Yuan +0,8 Prozent

Britisches Pfund

Euro/Pfund +2 Prozent

Schweizer Franken

Euro/Franken +2,5 Prozent

US-Dollar

Euro/US-Dollar +3,7 Prozent

Russischer Rubel

Euro/Rubel +13,2 Prozent

Kanadischer Dollar

Euro/Kan. Dollar +13,3 Prozent

Norwegische Krone

Euro/Nor. Krone +14,7 Prozent

Australischer Dollar

Euro/Aus-Dollar +22,2 Prozent

Japanischer Yen

Euro/Yen +24,1 Prozent

Türkische Lira

Euro/Türk. Lira +26,6 Prozent

Südafrikanischer Rand

Euro/Rand +28,8 Prozent

Dass der Dollar die unangefochtene Leitwährung der Welt bleibt, zeigen auch diese Zahlen: An 90 Prozent der Devisen-Transaktionen im Volumen von 5,3 Billionen Dollar pro Tag in 2013 war der Greenback beteiligt, wie Daten der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) belegen. Das ist der gleiche Anteil wie 1989. Mehr als 80 Prozent der Handelsfinanzierung erfolgte im vergangenen Jahr in Dollar, zeigen Daten des Finanznetzwerks Swift.

Weltweit ziehen Unternehmen, Verbraucher und Zentralbanken den Dollar anderen Währungen wie dem Euro oder dem Yen vor, da sie darauf setzen, dass er von der Federal Reserve und der US- Regierung stets unterstützt wird, sagt Marc Chandler, Chef- Devisenstratege bei Brown Brothers Harriman & Co. in New York. „Es haben schon immer Leute gesagt, dass der Dollar ersetzt werden wird, passiert ist allerdings noch nichts“, sagt Chandler. „Die größte Gefahr für den Dollar besteht darin, dass sich die USA entscheiden könnten, die Verantwortung abzugeben und nicht darin, dass sich andere aus dem einen oder anderen Grund über ihn beschweren.“

Kommentare (1)

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Herr Mmnews De

16.07.2014, 16:04 Uhr

Wie kann es sein, dass der Dollar noch die Welt regiert, obwohl die USA in Teilen ihrer Wirtschaft global längst nicht mehr wettbewerbsfähig sind und daher seit 26 Jahren ununterbrochen ein chronisches Handelsbilanzdefizit vorweisen, sich die höchste Staatsverschuldung aller Zeiten leisten?

Dabei sind die globalen Wirtschaftsdaten der USA alles andere als rosig: Die US-Handelsbilanz weist seit 1987 ungebrochen Defizite auf, die in diesen 26 Jahren angehäufte Defizitsumme beträgt 9627 Mrd. Dollar.

Ursächlich dafür ist, dass die US-Ökonomie in Teilen gegenüber ihren Hauptkonkurrenten – der EU, China und Japan – längst nicht mehr wettbewerbsfähig ist.

Hinzu kommen chronisch wachsende Haushaltsdefizite, die aus drastisch steigenden Rüstungsausgaben resultieren. Mit der seit Jahrzehnten praktizierten Vergabe von Staatsanleihen und ihrer Geldschöpfung „lösen“ die diversen US-Marionettenregierungen beide Probleme – ihre Leistungsbilanzdefizite und die folglich immer weiter wachsenden Haushaltsdefizite.

Technisch werden diese beiden Ziele wie folgt umgesetzt: Um die laufenden Staatsausgaben zu tätigen, tauscht das US-Finanzministerium Staatsanleihen bei der privaten FED gegen von dieser frisch gedruckte Dollars um – allein in 2013 wurden so 1100 Mrd. Dollar in Umlauf gebracht!

Die private FED wiederum vermarktet die Staatsanleihen auf dem Weltmarkt und lenkt so ständig neues Kapital in die US-Ökonomie, das für den Ausgleich von Leistungsbilanzdefiziten sorgt. Der Preis für diese Geldschöpfungspolitik ist die gigantische Staatsverschuldung der USA, die zwischen 2003 und 2013 von 6731 auf 17556 Mrd. Dollar kletterte!

Die Staatsquote stieg damit im selben Zeitraum von 60 auf 108 Prozent!

All das funktioniert jedoch nur so lange, wie der Ölhandel in Dollar abgewickelt und der Status der US-Währung nicht durch andere potentielle Leitwährungen – wie den Euro oder Chinas Renminbi – gefährdet wird.

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