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15.08.2011

12:14 Uhr

Währungen

Schweizer drohen Franken-Bindung an

Die Schweizer Notenbank erwägt drastische Schritte. Berichte über die mögliche Bindung des Franken an den Euro machen die Runde. Die Schweizer Währung gibt daraufhin kräftig nach, Dollar und Euro profitieren.

Anleger positionieren sich für weitere Interventionen der Schweizer Notenbank. Quelle: dpa

Anleger positionieren sich für weitere Interventionen der Schweizer Notenbank.

TokioDie Wechselkurse von Euro und Dollar zum Schweizer Franken haben an den asiatischen Börsen deutlich angezogen. Berichte über eine mögliche Bindung des Franken an die europäische Gemeinschaftswährung hielten Anleger davon ab, noch mehr Geld in die ansonsten als sicherer Hafen geltende Devise zu stecken. Für einen Euro wurden am Montagmittag 1,1282 Franken bezahlt, nachdem sich die Schweizer Währung in der vergangenen Woche sogar einer Parität anzunähern schien. Der Dollar stieg auf 0,7914 Franken und damit auf einen Stand, den er seit Anfang des Monats nicht mehr erreicht hatte.

Währungsentwicklung des Schweizer Franken von Januar 2010 bis August 2011 (im Verhältnis zum Euro)

Die Schweizer „SonntagsZeitung“ berichtete, die Nationalbank des Landes wolle zunächst das Ziel eines Wechselkurses zum Euro von etwas über 1,10 Franken setzen und werde dafür am Mittwoch grünes Licht von der Regierung in Bern erhalten. Die Zentralbank hat zuletzt wiederholt erklärt, alles zu tun, um den Höhenflug der Währung zu bremsen und damit die Wirtschaft der Alpenrepublik zu entlasten. Die doppelte Schuldenkrise auf beiden Seiten des Atlantiks hat die Investoren in Scharen in sichere Häfen wie die Schweizer und japanische Währung oder in Investitionen in den Schwellenländern getrieben.

Der Tag an den Märkten (Stand 16:45 Uhr)

Dax

-5,8 Prozent

MDax

-6,1 Prozent

TecDax

-4,9 Prozent

Eurostoxx 50

-5,3 Prozent

Nikkei

-1,3 Prozent

CSI 300 (China)

-1,8 Prozent

Dow Jones

-3,6 Prozent

S&P 500

-3,8 Prozent

Nasdaq

-4,1 Prozent

Euro

1,4320 Dollar (-0,7 Prozent)

Öl (Brent)

108,05 Dollar (-2,6 Prozent)

Gold

1.815 Dollar je Feinunze (+1,5 Prozent)

„Wir setzen mittelfristig weiter auf eine Baisse des Franken“, sagte Paul Robinson von Barclays Capital. „Wir stimmen der Schweizer Nationalbank zu, dass er massiv überteuert ist, aber wir erwarten nicht, dass die jüngste Aufwertung zum Euro in dieser Woche hält.“ Die Devisenmärkte wurden zudem davon gestützt, dass an den Börsen nach den heftigen Abstürzen der vergangenen Woche wieder etwas Normalität einzukehren schien und die Kurse anzogen.

Händler richteten ihre Hoffnungen auf Fortschritte bei der Lösung der europäischen Schuldenkrise durch die Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy am Dienstag. „Das deutsch-französische Gipfeltreffen könnte uns das Gefühl geben, dass wir uns in die richtige Richtung bewegen und das wäre eine positive Entwicklung“, sagte Robert Rennie von der Westpac Bank in Sydney.

Zum Dollar wurde der Euro etwas fester mit 1,4272 Dollar gehandelt. Zum Yen notierte die US-Währung kaum verändert bei 76,79 Yen und damit unweit ihres Rekordtiefs. Der Euro kostete 109,82 Yen.

So funktionieren Eingriffe in den Devisenmarkt

Wie verläuft so ein Eingriff?

Die Intervention einer Notenbank bezieht sich immer auf die eigene Landeswährung. Die Zentralbanker kaufen oder verkaufen am Devisenmarkt die eigene Währung in großen Mengen, um deren Kurs in die gewünschte Richtung zu bewegen. Durch einen Kauf soll die Devise auf- und durch einen Verkauf abgewertet werden.

Was sind die Vor- und Nachteile?

Generell werden durch eine Abwertung die Exporteure im eigenen Land meist gestärkt, weil sie ihre Waren im Ausland günstiger verkaufen können. Allerdings schmeckt dies oft anderen Ländern nicht, da ihre Firmen an Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Zentralbanken und Staaten sehen nur selten tatenlos zu, wenn sich die Bedingungen für ihre Exporteure massiv verschlechtern. Im schlimmsten Fall droht ein Abwertungswettlauf der Währungen.

Wie kann der Erfolg eines Eingriffs wahrscheinlicher werden?

Ein Eingriff in den Devisenmarkt ist also meist nur dann erfolgreich, wenn er mit anderen Notenbanken abgesprochen ist. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Federal Reserve (Fed) in den USA haben im vergangenen Jahr nur wenig Bereitschaft erkennen lassen, sich an einer Interventionen ihrer Kollegen zu beteiligen.

Wie verliefen solche Eingriffe?

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat während der europäischen Schuldenkrise versucht, die Aufwertung des Franken zum Euro zu stoppen. Dafür deckte sich die Nationalbank im großen Umfang mit Euro ein. Kritiker warfen der SNB vor, der Alleingang am Devisenmarkt habe nichts gebracht - der Franken legte sogar weiter zu. Immerhin gelang es der Nationalbank eine Untergrenze von 1,20 Franken zu verteidigen.

War die EZB bereits an einer solchen Maßnahme beteiligt?

Die EZB intervenierte zum ersten und bisher einzigen Mal im Herbst 2000 offen an den internationalen Währungsmärkten. Damals hatten EZB, die US-Notenbank Fed und die Bank von Japan gemeinsam Euro gekauft, um die Gemeinschaftswährung zu stützen. Dies gelang bei einem Kurs von 82 US-Cents.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Rick

15.08.2011, 10:39 Uhr

"den er seit Anfang des Monats nicht mehr erreicht hatte. "

boa und wir haben schon den 15.....die Weltwirtschaft ist gerettet....

Account gelöscht!

15.08.2011, 11:41 Uhr

Und hier zeigt sich noch eine Lüge der Euro-Beführworter: Eine neue D-Mark müsste nicht automatisch aufwerten. Durch das Geldmengenwachstum und die Kopllung an andere Devisen kann man eine Aufwertung sicher verhindern. Norwegen, Korea udn China machen dies seit Jahren erfolgreich vor. Deutschlands Wirtschaft würde also nicht an einer aufwertenden neuen D-Mark ersticken.

Account gelöscht!

15.08.2011, 14:21 Uhr

"Schweizer drohen Franken-Bindung an"

Boha, ich bin entsetzt was für eine Drohung !

Und, wo ist das Problem ?

Ach ja, dann könnte man auch gleich den Euro einführen.

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