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26.10.2011

14:37 Uhr

Währungen

Spekulationen auf QE3 schwächen Dollar

Der Greenback fällt zum Yen auf Rekordtief. Der Euro hält sich vor dem EU-Gipfel über 1,39 Dollar. Anleger hoffen weiter auf Maßnahmen gegen die Schuldenkrise.

Noch gilt der US-Dollar als weltweite Leitwährung. Reuters

Noch gilt der US-Dollar als weltweite Leitwährung.

FrankfurtSpekulationen auf eine weitere geldpolitische Lockerung in den USA haben den Dollar am Mittwoch unter Druck gesetzt. Zum Yen fiel der Greenback auf ein neues Rekordtief von 75,69 Yen. Gegenüber dem Schweizer Franken gab er bis auf 0,8726 Franken nach und markierte den tiefsten Stand seit knapp sechs Wochen. Es mehrten sich die Stimmen, die wieder auf zusätzliche Stützungsmaßnahmen der US-Notenbank Fed wetteten, sagte ein Händler. Geschürt wurden die Spekulationen durch die Aussagen einiger Notenbank-Vertreter - zuletzt hatte der einflussreiche Chef der Fed von New York, William Dudley, gesagt, dass er wegen der andauernden schwierigen Wirtschaftslage in den USA weitere Ankäufe von Staatsanleihen durchaus für möglich halte.

„Die Fed bewegt sich auf neuerliche Maßnahmen zu“, prognostizierten die Analysten der Commerzbank in einem Kommentar. Das Instrument der Wahl dürfte ihrer Einschätzung nach der Kauf hypothekengesicherter Anleihen sein, um damit die Hypothekenzinsen zu drücken. Mit einer Refinanzierung zu günstigeren Zinsen hätten die Haushalte dann mehr Geld für andere Zwecke zur Verfügung, erläuterten die Analysten.

Die Kursentwicklung des Euro seit Einführung

1. Januar 1999

1. Januar 1999: Der Euro wird von den elf Gründerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) aus der Taufe gehoben. Der Umrechnungskurs zur D-Mark beträgt 1,95583 DM je Euro.
Am 4. Januar startet der Handel in Sydney - der ersten großen Börse, die nach dem Datumswechsel öffnet - mit 1,1747 Dollar.

Dezember 1999

Der Euro fällt erstmals auf 1,00 Dollar.

Frühherbst 2000

Bei Kursen unter 0,85 Dollar wächst die Befürchtung, der schwache Euro könnte die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit Unterstützung der Zentralbanken Japans und der USA greift die EZB der jungen Währung unter die Arme. Doch die Interventionen verpuffen rasch: Am26. Oktober ist ein Euro noch 0,8225 Dollar wert. Eine weitere Interventionsrunde im November hievt ihn wieder auf 0,86 Dollar.

Januar 2002

Die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds honorieren die Finanzmärkte mit Euro-Käufen. Im Juli erreicht der Euro wieder die Ein-Dollar-Marke.

März 2003

Der Beginn des Irakkrieges geht zu Lasten des Dollar. Der Euro erreicht wieder sein Einführungsniveau.

September 2003

Finanzminister und Notenbanker der sieben führenden Industrieländer (G7) fordern flexiblere Wechselkurse, was an den Märkten als Signal für den Wunsch nach einem schwächeren Dollar interpretiert wird. Am 28. November 2003 steigt der Euro erstmals über 1,20 Dollar.

September 2007

Nach einer deutlichen US-Zinssenkung im Zuge der Subprime-Krise steigt der Euro über 1,40 Dollar.

Juli 2008

Der Euro erreicht mit 1,6038 Dollar ein Rekordhoch. Nur wenige Tage zuvor - am 11. Juli - hatte übrigens auch der Ölpreis mit 147,50 Dollar je Fass sein Allzeithoch erreicht.

Oktober 2008

Im Sog der Lehman-Pleite ziehen US-Investoren ihre Euro-Gelder ab und drücken ihn bis zum 28. Oktober auf 1,2328 Dollar ,den niedrigsten Stand seit April 2006.

Oktober 2009

Mit den Aktienmärkten steigt zwar auch der Euro - erstmals seit einem Jahr klettert er am 21. Oktober über 1,50 Dollar. Doch das Comeback ist von kurzer Dauer: Griechenland schockiert die Märkte mit der Ankündigung eines etwa doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie bislang gedacht.

Dezember 2009, Januar 2010

Mit ersten Herabstufungen Griechenlands durch die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's sowie Moody's beginnt der Euro seine Talfahrt.

Frühjahr und Sommer 2011

EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisiert am 3. März überraschend für April eine Zinserhöhung. Im Juli folgt sogar eine zweite Zinsanhebung. Am 4. Mai notiert der Euro zeitweise über 1,49 Dollar. Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bremsen die Gemeinschaftswährung aber für den Rest des Sommers aus. Sie pendelt meist in einer Spanne von etwa 1,40 bis 1,45 Dollar.

Ende Februar 2012

Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

Juni 2012

Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je und belastet den Euro. Vor allem Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt. Im Juni fällt der Euro bis auf 1,21 Dollar.

Juli 2012

Vor Investoren in London kündigt EZB-Chef Draghi am 26. Juli an, die EZB werde „alles nötige tun, um den Euro zu erhalten.“ Der vorläufige Wendepunkt in der Euro-Krise. Sofort steigt der Euro deutlich. Innerhalb eines Tages von 1,2118 auf 1,2287 US-Dollar. Wenige Wochen später machte Draghi klar, was das bedeutet: Im Notfall kauft die EZB unbegrenzt Anleihen der Krisenländer. Der Euro startet einen neuen Höhenflug.

Februar bis März 2013

Die Erleichterungs-Rally geht weiter: Anfang Februar steigt der Euro bis auf 1,37 Dollar. Das Hoch hält allerdings nicht lange vor. Wegen Unsicherheiten in Italien und Zypern fällt die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei knapp unter 1,30 Dollar.

September 2014

Die EZB überrascht die Märkte mit einem neuen Zinssenkungszyklus. Der Euro nimmt seine Talfahrt wieder auf. Signale von EZB-Chef Mario Draghi für weitere Geldspritzen drücken den Euro bis zum Jahresende auf rund 1,21 Dollar.

06. Januar 2015

Der Euro fällt auf 1,1853 Dollar und erreicht damit das Tief von Februar 2006. Zugleich nimmt die Talfahrt der Ölpreise weiter Fahrt auf. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligt sich um bis zu 1,7 Prozent auf 50,22 Dollar je Barrel (159 Liter).

Allerdings gehen die Experten nicht davon aus, dass Fed-Chef Ben Bernanke bereits nach der nächsten Sitzung Anfang November ein neues Kaufprogramm (“QE3“) verkünden wird. Die US-Notenbank habe bereits auf den letzen beiden Sitzungen eine ganze Reihe von geldpolitischen Änderungen auf den Weg gebracht. Zudem dürfte die Fed auch abwarten wollen, ob die Euro-Zone die Schuldenkrise in absehbarer Zeit in den Griff bekommt.

Bislang steht ein umfassendes Maßnahmenpaket zur Beendigung des europäischen Schuldendilemmas noch aus. Auf den großen Befreiungsschlag sollten sich die Anleger wohl auch beim EU-Gipfel am Abend nicht einstellen. Nach Reuters-Informationen sind kaum konkrete Zahlen zu den größten Baustellen - Griechenland-Hilfen, Hebelwirkung beim Euro-Rettungsfonds EFSF und Kapitalstärkung der Banken - zu erwarten.? Der Euro hielt sich dennoch tapfer in Reichweite seines am Dienstag erreichten Sechs-Wochen-Hochs von 1,3959 Dollar - am Nachmittag notierte er bei 1,3936 Dollar. „Offenbar hoffen die Investoren noch immer, dass sie nach dem Gipfel zumindest etwas klarer sehen, wohin die Richtung geht,“ sagte ein Händler.

Sollten die Erwartungen enttäuscht werden, dürften am Rentenmarkt vor allem die Kurse der als sicher geltenden zehnjährigen Bundesanleihen anziehen. Eine Rally sei für Donnerstag durchaus vorstellbar, sagte Achilleas Georgolopoulos, Stratege bei der Lloyds Bank in London. Am Mittwoch notierten die Bundespapiere leicht im Minus, die Rendite stieg auf 2,087 nach 2,063 Prozent im Schlussgeschäft vom Dienstag.

Für Italien wird derweil die Zinsbelastung größer: Bei der rund zehn Milliarden Euro schweren Emission sechsmonatiger und zweijähriger Anleihen musste das hoch verschuldete Land Anlegern am Mittwoch Renditen von 3,5 beziehungsweise 4,6 Prozent bieten. Dies ist jeweils der höchste Stand seit rund drei Jahren. „Auf den Auktionen lastet die Unsicherheit über die schwierige politische Situation in Italien und den Ausgang des EU-Gipfels“, sagte ING-Analyst Alessandro Giansanti. „Wenn es nicht bald eine klare Entscheidung zur Stärkung des EFSF gibt, werden Länder wie Italien und Spanien, die besonders von Ansteckungsgefahren bedroht sind, weiter leiden müssen.“ Die Rendite der zehnjährigen italienischen Papiere blieb knapp unter sechs Prozent.

Von

rtr

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