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23.02.2012

19:15 Uhr

Währungen

Warum Anleger in den Norden flüchten

VonHelmut Steuer

Die norwegische und die schwedische Währung sind im Wert zuletzt deutlich gestiegen. Den skandinavischen Notenbankern wird das jetzt zu bunt. Sie wollen die Kursrally beenden.

Blick über eine Krone auf das illuminierte Schloss Ludwigsburg. dpa

Blick über eine Krone auf das illuminierte Schloss Ludwigsburg.

StockholmSchlaflose Nächte haben derzeit Øystein Olsen und Stefan Ingves: Die Zentralbankchefs von Norwegen und Schweden machen sich große Sorgen über die Kurse ihrer Währungen. Diese Woche mussten für einen Euro nur 7,5 norwegische Kronen bezahlt werden - so wenig, wie seit neun Jahren nicht mehr. Und auch Schwedens Krone steht mit 8,81 zum Euro so stark wie seit langer Zeit nicht mehr da.

Für beide exportorientierten Länder entwickeln sich die starken Währungen zu einem Problem, da die Waren im Ausland zu teuer werden. In Schweden sanken die Exporte im Dezember beispielsweise um sechs Prozent, in Norwegen um knapp über vier Prozent.

Doch nicht nur die beiden Zentralbankchefs haben Grund zur Beunruhigung. Auch Anleger, die vor dem Hintergrund der Euro-Krise die beiden skandinavischen Währungen als sichere Anlage angesehen haben, müssen sich vermutlich auf turbulentere Zeiten einstellen. Dass Øystein und Ingves derzeit keine Gelegenheit auslassen, um die Kurse der eigenen Währungen herunterzureden, überrascht nicht. Doch auch die Experten der OECD haben errechnet, dass die norwegische Krone gegenüber dem Dollar rund 40 Prozent zu teuer und die schwedische Währung mit rund 25 Prozent überbewertet ist.

Die Versuche des Zentralbankchefs, den Kursanstieg ihrer Währungen gegenüber Euro und Dollar zu bremsen, haben zwar bislang kaum Früchte getragen, doch Experten wie Bjørn-Roger Wilhelmsen von der Swedbank in Oslo rechnen mittelfristig mit einer Schwächung beider Währungen. Bis zum dritten Quartal dürfte nach Ansicht von Analysten die norwegische Krone auf 7,6 je Euro nachgeben. Die schwedische Krone wird sich auf 8,89 für einen Euro abschwächen. Im Gegensatz zu den Analysten geht die schwedische Zentralbank weiterhin von einer weiteren Stärkung der Krone aus: Bis Ende dieses Jahres, so Ingves vergangene Woche, werde die schwedische Krone gegenüber dem Euro um weitere drei Prozent zulegen.

Die Suche nach neuen sicheren Währungen hatte begonnen, nachdem die Schweizer Nationalbank im September vergangenen Jahres angekündigt hatte, ihren Franken an den Euro zu koppeln und gleichzeitig der Euro durch die Schuldenkrise unter Druck kam. Daraufhin hatten viele Anleger nach neuen Alternativen gesucht und sie teilweise in der norwegischen und schwedischen Krone gefunden. Derzeit spreche einiges für die Krone, darunter auch die hohen Zinsen, sagte Währungsstratege von Nordea, Ole Haakon Eek-Nielsen.

Beide Volkswirtschaften präsentierten sich trotz Griechenland-Turbulenzen relativ stark. Zudem konnten beide Länder mit sehr soliden Staatsfinanzen aufwarten. Doch schon damals warnten Experten wie Camilla Viland von Norwegens größter Bank DnB: „Der norwegische Finanzmarkt ist zu klein und die Liquidität zu gering.“

Mittlerweile ist nach einem fulminanten Anstieg beider Währungen die Euphorie über die sicheren Kronen im hohen Norden verblasst. Denn das Nicht-EU-Land Norwegen leidet ebenfalls unter der Schulden- und Finanzkrise. Der norwegische Wirtschaftsverband NHO erklärte, dass die schwächere Nachfrage in den Euro-Ländern dazu führen wird, dass jedes vierte norwegische Exportunternehmen Stellenstreichungen plant. Und Schwedens Finanzminister Anders Borg revidierte seine Wachstumsprognose: Statt des bisher angenommenen Anstiegs des Bruttoinlandsprodukts von 1,3 Prozent geht Borg jetzt nur noch von einem Plus von rund 0,5 Prozent in diesem Jahr aus. Wer von den trüberen Aussichten in Norwegen und Schweden immer noch nicht überzeugt ist, für den hält der norwegische Zentralbankchef sein Lieblingsargument gegen Anlagen in Kronen parat: „Es wird an der Ausgangstür recht eng, wenn alle zusammen hinaus wollen.“

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

23.02.2012, 20:54 Uhr

Den beiden Ländern sei das Beispiel Schweiz empfohlen. Seit die SNB einen Mindestkurs von 1.20 CHF zum Euro festgesetzt hat, ist Ruhe. Wer jetzt noch auf Aufwertung des CHF spekuliert, kann höchstens Verluste einfahren.
Eine starke Währung kann gegen Aufwertung geschützt werden, sieh auch das Beispiel China, eine schwache Währung hingegen kann nicht erfolgreich gegen Abwertung verteidigt werden. Alte Sache.

ragione

24.02.2012, 12:19 Uhr

Ja, lieber Mondahu, wenn das so einfach wäre, könnte jeder einen Nobelpreis für Wirtschaft bekommen. Die Schweiz schüttet jetzt einfach ihre Franken aus, indem sie so viel für 1 Euro gibt, was der Markt nie geben würde. Wenn es aber doch zu einem Euro-Zerfall kommt - was durchaus wahrscheinlich ist - kann die Schweiz auf ihren wertlosen Euros sitzen bleiben.
FAZIT: Jetzt soll man die Chance nutzen und für Euro so
viel Franken kaufen, solange ein Umdenken nicht
stattgefunden hat. Die ein bischen Geduld wird sich
für jeden mächtig auszahlen.
Gruß! Ragione

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