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05.04.2013

09:05 Uhr

Währungen

Yen im freien Fall, Euro beruhigt sich

Nach einer langen Berg- und Talfahrt kommt der Euro zur Ruhe. Die ultralockere Geldpolitik Japans lässt den Yen um weitere vier Prozent abstürzen. Starken Einfluss erwarten Analysten von den US-Arbeitsmarktdaten.

Der Yen-Kurs in Dollar: Immer noch fallend. Reuters

Der Yen-Kurs in Dollar: Immer noch fallend.

FrankfurtNach seiner Berg- und Talfahrt am Vortag hat sich der Euro zum Wochenschluss wenig verändert präsentiert. Die Gemeinschaftswährung notierte bei 1,2921 Dollar nach 1,2934 Dollar im New Yorker Schlussgeschäft. Maue Konjunkturaussichten und Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung hatten den Euro während der Pressekonferenz von EZB-Chef Mario Draghi am Donnerstag auf ein Vier-Monats-Tief von 1,2745 Dollar gedrückt. Entspannung machte sich erst wieder breit, als Draghi gegen Ende der Frage- und Antwortrunde die Sorgen vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone zerstreute. Der Euro zog daraufhin wieder deutlich an.

Im Tagesverlauf dürften Anleger ihre Aufmerksamkeit auf den US-Arbeitsmarktbericht richten. Von Reuters befragte Analysten rechnen mit einem leichten Dämpfer. Sie sagten für Februar im Schnitt ein Plus von 200.000 Stellen nach 236.000 Stellen im Vormonat voraus. "Erwartungen einer vorzeitigen Beendigung der Anleihekäufe sollten daher nicht unterstützt werden", schrieb Helaba-Experte Ralf Umlauf in einem Kommentar. Zuletzt hatte der US-Notenbanker Dennis Lockhart es als möglich bezeichnet, dass die Federal Reserve noch in diesem Jahr geldpolitisch vom Gas geht.

Die Aussicht auf eine ultralockere Geldpolitik in Japan hat die Landeswährung am Freitag erneut auf Talfahrt geschickt. Der Dollar stieg bis auf 97,19 Yen und notierte damit so hoch wie seit dreieinhalb Jahren nicht mehr. Seit die japanische Notenbank am Donnerstag angekündigt hat, den Geldhahn radikal aufzudrehen, ist der Greenback in der Spitze mehr als vier Prozent zum Yen gestiegen.

Steckt die Welt im Währungskrieg?

Warum hat der Euro an Wert gewonnen?

Der Höhepunkt der Euro-Krise im Jahr 2012 war ein Tiefpunkt für den Euro. Der Wechselkurs fiel bis auf 1,20 Dollar. Seitdem hat sich die europäische Währung wieder erholt. Aktuell notiert sie bei 1,35 Dollar.
Für Europas obersten Währungshüter, EZB-Chef Mario Draghi, ist klar: „Die Aufwertung ist ein Zeichen der Rückkehr des Vertrauens in den Euro.“ Dazu kam die sehr lockere Geldpolitik in Japan und den USA: Die dortigen Notenbanken öffneten ihre Geldschleusen extrem weit, machten damit ihre Währungen billig. Das funktioniert so: Investoren verkaufen Wertpapiere in Dollar oder Yen (zum Beispiel an die Zentralbank, die sie ihnen mit frisch gedrucktem Geld abnimmt) und kaufen stattdessen welche in Euro. Als Konsequenz ändern sich die Wechselkurse - die „Preise“ für Währungen, die Angebot und Nachfrage widerspiegeln.

Welche Ziele verfolgen die Notenbanken in den USA und Japan?

Draghi ist überzeugt: Es geht nicht um einen „Währungskrieg“ oder einen Wettlauf um die billigste Währung. Vielmehr seien die aktuellen Wechselkursbewegungen ein Nebeneffekt der diversen Bemühungen, die Wirtschaft anzuschieben. Allerdings ist der Ansatz der Notenbanken teils völlig verschieden: Während Preisstabilität vorrangiges Ziel der EZB ist, hat die US-Notenbank Fed explizit einen doppelten Auftrag: Stabile Preise und möglichst hohen Beschäftigungsstand. „Man löscht dann dort eben das Feuer, das am heißesten brennt“, erklärt Commerzbank-Notenbankexperte Bernd Weidensteiner. In Japan übte die Regierung massiv Druck auf die Notenbank aus, die Geldschleusen noch weiter zu öffnen - ein fatales Signal, wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann meint: Die Unabhängigkeit der Zentralbank sei essenziell.

Wie reagiert die Europäische Zentralbank?

EZB-Präsident Draghi erklärte, die Notenbank habe die Euro-Aufwertung als potenzielles Risiko für Konjunktur und Geldwertstabilität im Auge. In einen „Währungskrieg“ will sich die EZB aber bisher nicht hineinziehen lassen - auch weil geldpolitische Schritte zur gezielten Euro-Abwertung Reformen der Krisenstaaten bremsen könnten. „Bei einem Krieg gibt es immer nur Verlierer“, sagte EZB-Direktor Jörg Asmussen dem „Handelsblatt“. „Wenn andere Notenbanken einen anderen Weg gehen, müssen wir dem nicht automatisch folgen.“

Wer profitiert von einem starken Euro?

Für Verbraucher in Deutschland bringt ein starker Euro mehrere Vorteile: Urlaubsreisen in ferne Länder werden tendenziell günstiger, ebenso wie der Sprit an der Tankstelle. Tendenziell werden alle importieren Waren günstiger. Auch Unternehmen, die für ihre Produktion Rohstoffe wie Erdöl einführen müssen, können preiswerter einkaufen. Denn diese Rohstoffe werden in Dollar abgerechnet.

Wem schadet ein starker Euro?

Vor allem der deutschen Exportwirtschaft. Seit Sommer 2012 hat der Euro zu vielen Währungen aufgewertet. Waren aus dem Euroraum werden im außereuropäischen Ausland tendenziell teurer, das könnte die konjunkturelle Erholung im Euroraum gefährden. Deutsche Maschinenbauer spüren den stärkeren Euro bereits, weil ihre Produkte gegenüber der Konkurrenz aus den USA oder Asien teurer werden. Doch während sich deutsche Maschinen, Autos und Elektroprodukte auch über guten Ruf und Qualität verkaufen, dürfte der erstarkte Euro vor allem Euro-Krisenländern wie Griechenland, Portugal und Spanien zu schaffen machen. Allerdings bezweifelt EZB-Direktoriumsmitglied Asmussen, dass das Wechselkursthema entscheidend ist für die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder: „Da geht es um Lohnstückkosten, Bürokratiekosten, mangelnde Produktivität und überregulierte Produktmärkte.“

Ist der Euro gegenüber Dollar oder Yen schon überbewertet?

Laut Draghi bewegt sich der Euro in der Nähe seines langfristigen Durchschnittswerts. 2008 hatte der Euro mal beinahe 1,60 US-Dollar gekostet, 2003 weniger als 90 US-Cent. Glaubt man dem „Big-Mac-Index“ des Magazins „Economist“, dann ist der japanische Yen gegenüber Euro und US-Dollar noch unterbewertet. Der Index vergleicht den Preis für den gleichen Burger in verschiedenen Währungsräumen. Demnach kostete der Big Mac in den USA im Januar 4,37 Dollar, im Euroraum 4,88 Dollar, in Japan nur 3,51 Dollar. Bereinigt um die Wirtschaftskraft pro Kopf ist der Burger damit in Japan um 17,1 Prozent zu billig, in der Eurozone aber um 20,8 Prozent zu teuer. In Deutschland kostet der Big Mac übrigens demnach „nur“ 17,7 Prozent mehr als in den USA, in Griechenland aber 28,1 Prozent, in Italien sogar satte 34,6 Prozent mehr.

Um Japan aus der seit fast zwei Jahrzehnten anhaltenden Deflation zu führen, soll künftig noch mehr Geld gedruckt werden. Zudem signalisierte der neue Notenbankchef Haruhiko Kuroda seine Bereitschaft, falls nötig die Schleusen sogar noch stärker zu öffnen. Nach Einschätzung der Analysten von Barclays könnte der Dollar nun in den kommenden Wochen bis auf 103 Yen steigen.

Von

rtr

Kommentare (1)

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mon_yburns@central.banktunnel.eu

05.04.2013, 10:12 Uhr

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