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13.10.2011

16:42 Uhr

Währungs-Chaos

Griechenland-Pleite hilft dem Euro

VonJörg Hackhausen

Die Politik schließt eine Pleite Griechenlands nicht mehr aus. Der Euro legte daraufhin in den vergangenen Tagen deutlich zu. Doch die Spekulanten werden nicht locker lassen und lauern schon auf den nächsten Einbruch.

Devisenhändler in Chicago: Hoffen auf neue Hiobsbotschaften. Reuters

Devisenhändler in Chicago: Hoffen auf neue Hiobsbotschaften.

DüsseldorfDie Pleite Griechenlands steht unmittelbar bevor. Das geben erstmals auch die Politiker zu, mehr oder weniger. Sie nehmen das Wort Pleite bzw. Schuldenschnitt zwar nicht in den Mund, aber die Andeutungen sind eindeutig. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker spricht von „anderen Schritten“, über die man jetzt nachdenken müsse. Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble sagt, es spreche viel dafür, dass die Schulden „auf Dauer nicht tragfähig“ seien. Das sind ganz neue Töne.

Schadet das dem Euro? Ganz und gar nicht. Seitdem die Politik einen Schuldenschnitt nicht mehr ausschließt, legt die europäische Währung unerwartet kräftig zu. Ein Schuldenschnitt in Griechenland würde sich für den Euro positiv auswirken, weil es "das Krisentheater beenden" und die kurzfristige Volatilität abnehmen würde, meint Manfred J.M. Neumann, Wirtschaftsprofessor in Bonn und Experte für Währungen.

Am Donnerstag kletterte der Eurokurs zeitweise über 1,38 Dollar, im Laufe des Tages fiel er wieder auf 1,37 Dollar. Das ist aber immer noch deutlich höher als Anfang des Monats. Da sah es so aus, als stürze der Euro geradewegs unter 1,30 Dollar. „Der Markt setzt darauf, dass es einen großen Wurf zur Lösung der Euro-Krise geben wird“, erklärt Sandra Striffler, Devisenanalystin der DZ Bank. „Aber das bewegt sich auf dünnem Eis, da ist noch nichts in trockenen Tüchern.“

Die Kursentwicklung des Euro seit Einführung

1. Januar 1999

1. Januar 1999: Der Euro wird von den elf Gründerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) aus der Taufe gehoben. Der Umrechnungskurs zur D-Mark beträgt 1,95583 DM je Euro.
Am 4. Januar startet der Handel in Sydney - der ersten großen Börse, die nach dem Datumswechsel öffnet - mit 1,1747 Dollar.

Dezember 1999

Der Euro fällt erstmals auf 1,00 Dollar.

Frühherbst 2000

Bei Kursen unter 0,85 Dollar wächst die Befürchtung, der schwache Euro könnte die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit Unterstützung der Zentralbanken Japans und der USA greift die EZB der jungen Währung unter die Arme. Doch die Interventionen verpuffen rasch: Am26. Oktober ist ein Euro noch 0,8225 Dollar wert. Eine weitere Interventionsrunde im November hievt ihn wieder auf 0,86 Dollar.

Januar 2002

Die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds honorieren die Finanzmärkte mit Euro-Käufen. Im Juli erreicht der Euro wieder die Ein-Dollar-Marke.

März 2003

Der Beginn des Irakkrieges geht zu Lasten des Dollar. Der Euro erreicht wieder sein Einführungsniveau.

September 2003

Finanzminister und Notenbanker der sieben führenden Industrieländer (G7) fordern flexiblere Wechselkurse, was an den Märkten als Signal für den Wunsch nach einem schwächeren Dollar interpretiert wird. Am 28. November 2003 steigt der Euro erstmals über 1,20 Dollar.

September 2007

Nach einer deutlichen US-Zinssenkung im Zuge der Subprime-Krise steigt der Euro über 1,40 Dollar.

Juli 2008

Der Euro erreicht mit 1,6038 Dollar ein Rekordhoch. Nur wenige Tage zuvor - am 11. Juli - hatte übrigens auch der Ölpreis mit 147,50 Dollar je Fass sein Allzeithoch erreicht.

Oktober 2008

Im Sog der Lehman-Pleite ziehen US-Investoren ihre Euro-Gelder ab und drücken ihn bis zum 28. Oktober auf 1,2328 Dollar ,den niedrigsten Stand seit April 2006.

Oktober 2009

Mit den Aktienmärkten steigt zwar auch der Euro - erstmals seit einem Jahr klettert er am 21. Oktober über 1,50 Dollar. Doch das Comeback ist von kurzer Dauer: Griechenland schockiert die Märkte mit der Ankündigung eines etwa doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie bislang gedacht.

Dezember 2009, Januar 2010

Mit ersten Herabstufungen Griechenlands durch die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's sowie Moody's beginnt der Euro seine Talfahrt.

Frühjahr und Sommer 2011

EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisiert am 3. März überraschend für April eine Zinserhöhung. Im Juli folgt sogar eine zweite Zinsanhebung. Am 4. Mai notiert der Euro zeitweise über 1,49 Dollar. Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bremsen die Gemeinschaftswährung aber für den Rest des Sommers aus. Sie pendelt meist in einer Spanne von etwa 1,40 bis 1,45 Dollar.

Ende Februar 2012

Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

Juni 2012

Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je und belastet den Euro. Vor allem Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt. Im Juni fällt der Euro bis auf 1,21 Dollar.

Juli 2012

Vor Investoren in London kündigt EZB-Chef Draghi am 26. Juli an, die EZB werde „alles nötige tun, um den Euro zu erhalten.“ Der vorläufige Wendepunkt in der Euro-Krise. Sofort steigt der Euro deutlich. Innerhalb eines Tages von 1,2118 auf 1,2287 US-Dollar. Wenige Wochen später machte Draghi klar, was das bedeutet: Im Notfall kauft die EZB unbegrenzt Anleihen der Krisenländer. Der Euro startet einen neuen Höhenflug.

Februar bis März 2013

Die Erleichterungs-Rally geht weiter: Anfang Februar steigt der Euro bis auf 1,37 Dollar. Das Hoch hält allerdings nicht lange vor. Wegen Unsicherheiten in Italien und Zypern fällt die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei knapp unter 1,30 Dollar.

September 2014

Die EZB überrascht die Märkte mit einem neuen Zinssenkungszyklus. Der Euro nimmt seine Talfahrt wieder auf. Signale von EZB-Chef Mario Draghi für weitere Geldspritzen drücken den Euro bis zum Jahresende auf rund 1,21 Dollar.

06. Januar 2015

Der Euro fällt auf 1,1853 Dollar und erreicht damit das Tief von Februar 2006. Zugleich nimmt die Talfahrt der Ölpreise weiter Fahrt auf. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligt sich um bis zu 1,7 Prozent auf 50,22 Dollar je Barrel (159 Liter).

Bei einem Schuldenschnitt von Griechenland müssten Gläubiger wohl mehr als 60 Prozent ihrer Ansprüche abschreiben. Wobei die Banken glimpflich davon kommen und erneut mit Steuergeld gerettet werden dürften. Das kommt an den Märkten erst einmal gut an. Weniger gut kam am Donnerstag der Monatsbericht der EZB an, in dem die Notenbank warnte, eine Beteiligung des privaten Sektors könnte den Ruf des Euro international schädigen.

Dass sich die Lage beruhigen wird, erwarten die Experten nicht. „Ich glaube nicht, dass alles schon gegessen ist, aber der Markt war sehr stark gegen den Euro positioniert, und wir sehen jetzt eine Art Bereinigung“, erklärt Jesper Bargmann, Währungsstratege bei der RBS in Singapur. Allerdings seien einige Marktteilnehmer inzwischen wieder so weit, ihre Euro zu verkaufen. Schlechte Nachrichten könnten jederzeit wieder eine stärkere Reaktion auslösen.

Kommentare (35)

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Account gelöscht!

13.10.2011, 13:17 Uhr

Wenn einmal nichts mehr da ist, kann auch nichts mehr geplündert werden. Nicht nur auf finanzieller, sondern auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene ist dann alles weg. Die Staaten sind bankrott und handlungsunfähig. Hungersnot und Zivilkriege drohen oder werden Wirklichkeit. Wenn dann der Menschheit alles um die Ohren fliegt, werden aber die Plünderer plötzlich als Retter auftreten, mit UNO-Truppen und NATO-Söldnern die Volkserhebungen niederschlagen, mit Bomben und Raketen die „Zivilbevölkerungen schützen“ (wie in Libyen) und nach diesem endzeitlichen Armageddon schließlich die Stunde Null ausrufen, eine „Währungsreform“ starten, ein paar Sündenböcke benennen - und dann wird alles gut. Es wird für sie ein Leichtes sein, mit dem Raubgold eine seriöse Golddeckung zu suggerieren und für die neu aufzubauende Weltwirtschaft eine allgemeine „Chancengleichheit“ im besten sozialistischen Sinne zu propagieren, während sie selbst nun offen die Weltherrschaft ausüben. Die Europäische Union wird jetzt unverhohlen den Zweck erfüllen, für den sie gegründet wurde: eins unter mehreren Verwaltungsgebieten der Achse Tempelberg-Wallstreet-Pentagon zu bilden.

Das sind die Perspektiven - gnadenlos, aber realistisch formuliert. So mancher Europäer ahnt oder weiß das. Aber er sitzt gelähmt wie das Kaninchen vor der Schlange und hat nicht den Mut, aufzustehen und dem Geldwurm den Kopf zu zertreten.

Genau darum aber geht es.

Account gelöscht!

13.10.2011, 13:38 Uhr

.
Ich hab die Haare schön !
.

HGL

13.10.2011, 13:42 Uhr

Leute holt Euer Geld von den Bankkonten ,sonst hat

Schäuble es Euch geklaut für die Bankrott Ausländer .

Gebt es aus wegen der kommenden hohen Inflation u. dem

EURO Crash !

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