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16.12.2014

13:50 Uhr

Währungscrash in Russland

Rückfall in die Rubelkrise

VonJörg Hackhausen, Jan Mallien

Der russische Rubel fällt ins Bodenlose. Ein Rettungsversuch der Zentralbank verpufft. Die Menschen stehen Schlange, um ihr Geld loszuwerden. Die Lage erinnert fatal an die Rubelkrise in den 90er-Jahren.

Drastischer Wertverlust: Der Rubel ist in diesem Jahr gegen den Euro um fast 50 Prozent gefallen. dpa

Drastischer Wertverlust: Der Rubel ist in diesem Jahr gegen den Euro um fast 50 Prozent gefallen.

DüsseldorfAlexej hat sich gerade einen nagelneuen Audi A7 gekauft, als Geldanlage. Der Bankangestellte aus Moskau denkt pragmatisch, so wie viele Russen in diesen Tagen. Die Menschen wollen lieber einen Sachwert in der Garage haben als Geld auf dem Konto. Der Wertverlust bei einem Neuwagen ist zwar auch nicht gerade gering, aber immer noch besser als der Verfall der heimischen Währung. Jeden Tag, bei jedem Einkauf spüren die Menschen, dass ihr Geld an Wert verliert.

Seit Beginn des Jahres hat sich der Wert des Rubels halbiert. Ein Euro kostete heute zeitweise 100 Rubel, zu Jahresbeginn waren es rund 45 Rubel. Im Vergleich zum US-Dollar ist die Entwicklung noch drastischer: ein Dollar kostete 80 Rubel, vor einem Jahr waren es 33 Rubel.

Der russische Präsident Wladimir Putin hat erkannt, dass er das Vertrauen in die Währung wieder herstellen muss. Die Notenbank soll ihm dabei assistieren: In der Nacht von Montag auf Dienstag hat die Zentralbank den Leitzins auf einen Schlag von 10,5 auf 17 Prozent angehoben - so stark wie zuletzt in der Rubelkrise 1998. Doch wenige Stunden nach der nächtlichen Rettungsaktion scheint der Effekt bereits verpufft. Seine anfänglichen Gewinne gegenüber dem US-Dollar büßte der russische Rubel binnen weniger Stunden ein. Die Talfahrt ging weiter, noch schneller als zuvor.

Vor den Wechselstuben bilden sich seitdem Schlangen - die Menschen tauschen ihre Rubel in Westgeld. Oder sie geben es gleich aus. Je stärker der Rubel verliert desto größer wird der Andrang. Die Verkäufer bei Porsche und Lexus schieben Extraschichten. Auch Elektronikmärkte, Einkaufszentren oder Möbelgeschäfte erleben einen Ansturm.

Bei Ikea mussten die Kunden lange warten, um eingelassen zu werden, weil die Läden überfüllt waren. Die schwedische Möbelkette hatte angekündigt, dass sie wegen des schwachen Rubels die Preise in Kürze erhöhen wird. Die russische Zeitung „Argumenty i Fakty“ riet ihren Lesern, noch vor Jahresende elektronische Geräte, Autos, Kleidung und importierte Waren zu kaufen, genauso wie unverderbliche Lebensmittel, deren Preise vor den Feiertagen angehoben werden dürften.

Kommentare (60)

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Herr Josef Schmidt

16.12.2014, 14:08 Uhr

Auf Gold als Anlage kommt dieser Banker mit seinem Audi A7 wohl nicht. Wie weit schon Dummheit verbreitet ist.

Wenn die Russen den Amis eins auswischen wollen dann sollten sie die Zinsen senken und mit den Krediten ihre Aktien möglichst billig aus dem Ausland wieder einsammeln und natürlich Gold kaufen.

Herr Dr. Michael Gross

16.12.2014, 14:14 Uhr

Wir befinden uns seit 2009 inmitten eines gewaltigen Wirtschafts- und Währungskriegs.

Von den Bilderbergmedien totgeschwiegen, stehen sich das westliche Bankenkartell um die private Fed und die aufstrebenden Nationen um die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) gegenüber.

China & Russland fordern ein Ende der Dollar-Herrschaft und die Einführung einer neuen, durch Gold gedeckten Weltleitwährung.

Das westliche Bankenkartell versucht indes mit allen Mitteln ( inkl. Krieg ), seinen sterbenden Fed-Dollar lange genug am Leben zu erhalten, um zwischenzeitlich wieder eine eigene, neue Weltwährung etablieren zu können.

Die USA ist im freien Fall und dabei ihre Weltherrschaft an China & Russland abzutreten.
Unter diesem Gesichtspunkt sind unter anderen der Syrien- und der Ukrainekonflikt zu sehen.

Die USA tauschen seit Jahren weltweit wertvolle Rohstoffe gegen „wertlose“ Dollar!

Mit ihrer Weltährung Dollar musste jedes Land im internationalen Zahlungsverkehr sich Rohstoffe bezahlen lassen und die private FED konnte dafür ohne Ende bunte Papierdollar drucken.

Gegen die Länder, die in der Vergangenheit nicht an diesem "Spiel" teilhaben wollten, sondern ihre Rohstoffe für andere Währungen weggaben, wurde ein Krieg inszeniert (Irak, Libyen, etc. und jetzt Russland).

In der Tat besteht derzeit eine Gefahr, dass ein 3. Weltkrieg sich an den aktuellen Konflikten entzünden könnte. In der Jelzin-Ära war Washington in Russland schon fast am Ziel gewesen, da sie über Beteiligungen an den Schlüsselindustrien wie Öl und Gas, aber auch den Medien, schon einen großen Profit aus dem Land gezogen hatten.

Das änderte sich als Putin an die Macht kam.

Er bekämpfte das alte System.

Aus diesem Grund ist Putin den USA bzw. deren Regierungen ein Dorn im Auge und wird deswegen in den Medien verteufelt.

Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien?

Account gelöscht!

16.12.2014, 14:19 Uhr

Die gegenwärtige Spekulation gegen den Rubel wird sich wie jede Spekulation totlaufen. Dann kommt es auf die Fundamentals an.

Wer sich über die Fundamentals der russischen Volkswirtschaft auf der Basis von Fakten und Zahlen informieren will, lese die aktuelle Studie einer russischen Consultingfirma über die Wirtschaftsentwicklung in den Jahren 2000-2012.

Man findet eine englische Fassung hier:

http://www.vineyardsaker.de/wp-content/uploads/2014/12/Awara-Study-Russia-Economy-09.012.2014.pdf

Die russische Wirtschaft ist kerngesund. Sie wird die Krise nicht nur überleben, sondern gestärkt daraus hervorgehen. Der Westen wird den Wirtschaftskrieg verlieren. Bulgarien gehört schon heute zu den großen Verlierern.

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