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23.01.2012

11:10 Uhr

Währungsexperte im Interview

„Der Euro kann auf Parität zum Dollar fallen“

VonJörg Hackhausen

Der Euro verliert seit Monaten an Wert. Wie denken diejenigen, die täglich mit Devisen handeln? Heiko Müller, Deutschlandchef des Devisenbrokers Alpari, rechnet mit weiter Verlusten - aber nicht mit dem Schlimmsten.

Die deutschen Anleger sind sehr sicherheitsbewusst, sagt Devisenexperte Heiko Müller.

Die deutschen Anleger sind sehr sicherheitsbewusst, sagt Devisenexperte Heiko Müller.

Herr Müller, wie ist die Stimmung am Devisenmarkt? Geht die Talfahrt des Euros weiter?

Die Stimmung ist derzeit schwer zu fassen. Das Schlimmste ist die Unsicherheit. Niemand weiß, wie die Politik die Euro-Krise in den Griff bekommen will. Wir brauchen endlich eine Entscheidung! Wenn sich nichts tut, wird der Euro weiter fallen.  

Welche Rolle spielt die Herunterstufung von neun Ländern der Eurozone durch S&P?

Die Abwertung kam zu einem denkbar schlechten Moment. Sie bedeutet, dass nun die Kapitalaufnahme nicht nur für die Peripherieländer der Eurozone, die sich eh schon als sehr problematisch gestaltet, sondern auch für Schwergewichte wie Frankreich teurer wird. Außerdem stellt sich die grundsätzliche Frage, inwieweit die Herabstufung zu einem Vertrauensverlust der Marktteilnehmer in die 17-Nationen-Währung führt. Dass der Rettungsfonds ESM auf eine Billion Euro verdoppelt werden soll, dürfte wiederum für zusätzliches Vertrauen sorgen. Ebenso verliefen die letzten Auktionen für Staatsanleihen für die Länder wie Italien oder Spanien recht vielversprechend.

Wie wird es mit dem Kurs in den kommenden Monaten weitergehen?

Der Blick auf die Charttechnik zeigt, dass sich der Euro gegenüber seinem US-amerikanischen Pendant innerhalb eines Abwärtstrends befindet. Es kann sogar in Richtung Parität zum Dollar gehen. Das wird nicht in einem Rutsch passieren, sondern schrittweise. Wenn es so weitergeht, dann rechne ich damit im dritten Quartal.

Wird der Euro überleben?

Ich denke, den Euro wird es auch in fünf Jahren noch geben, allerdings in anderer Konstellation.

Weichen die Anleger auf andere Währungen aus, weil der Euro zu unberechenbar geworden ist?

Das entscheidende Kriterium für den Handel mit Währungen heißt: Liquidität. Deshalb handeln unsere Kunden weiterhin die großen Währungspaare, hauptsächlich Euro/Dollar oder Euro/Pfund.

Fakten über unsere Währung

Wie viele Euro sind im Umlauf?

14,4 Milliarden Geldscheine im Wert von 864 Milliarden Euro und 97 Milliarden Euro-Münzen im Wert von 23 Milliarden Euro sind derzeit im Umlauf.

Welche Scheine und Münzen gibt es am häufigsten?

Der Geldschein, von dem es die meisten Exemplare gibt, ist nicht etwa der häufig gebrauchte Fünf- oder Zehn-Euro-Schein. Mit einem Anteil von 34,5 Prozent sind die 500-Euro-Scheine öfter als alle anderen gedruckt worden. Zweitgebräuchlichster Schein ist der Fünfziger mit 33 Prozent. Bei den Münzen ist es einfacher: Je höher der Wert, desto häufiger ist sie geprägt worden. Die Zwei-Euro-Münze zum Beispiel macht allein über 40 Prozent aller Euro-Münzen aus.

Was bedeuten die Bilder auf den Euro-Scheinen?

Anders als bei den Münzen sehen die Euro-Scheine in allen teilnehmenden Ländern gleich aus. Robert Kalina von der Österreichischen Nationalbank hat sie entworfen. Die Bilder zeigen architektonische Stile aus sieben Epochen der europäischen Kulturgeschichte: Klassik, Romanik, Gotik, Renaissance, Barock, Rokoko, Eisenzeit und das moderne 20. Jahrhundert. Die Fenster und Tore auf der Vorderseite der Scheine symbolisieren die europäische Offenheit und Kooperation. Die Brückenbilder auf der Rückseite stehen für die Kommunikation zwischen den Europäern und zwischen Europa und dem Rest der Welt.

Wann werden Sondermünzen geprägt?

Am 1. Januar 2012 wurden zum zehnjährigen Jubiläum des Euro-Bargelds 90 Millionen besondere Zwei-Euro-Münzen ausgegeben. Das Motiv wurde aus den fast 35.000 Beiträgen eines Online-Wettbewerbs ausgewählt. Die Euro-Länder haben schon zweimal zuvor gemeinsam Jubiläumsmünzen ausgegeben: 2007 zum 50. Jahrestag der Römischen Verträge, und 2009 zum 10. Jahrestag der (bargeldlosen) Euro-Einführung.

Wie wichtig ist der Euro für die Weltwirtschaft geworden?

Der Euro wird auch über die Grenzen der EU hinaus immer wichtiger. In den vergangenen Jahren hat er etwa ein Viertel der gesamten Devisenreserven ausgemacht. Außerdem ist der Euro die zweitmeist aktiv gehandelte Währung auf dem Devisenmarkt.

Welche Währungen sind noch „sicher“?

Es gibt keine Währung mehr, die als „Sicherer Hafen“ dient. Am interessantesten ist noch der Kanadische Dollar. Das Land ist wirtschaftlich gesund, verfügt zudem über große Rohstoffvorkommen. Mit anderen Worten: Es sind Sachwerte vorhanden, die hinter der Währung stehen. Ähnliches gilt für Australien. Auch der Australische Dollar hat noch Potenzial.

Handeln die Leute mehr oder weniger, wenn es an den Devisenmärkten es rund geht?

Die deutschen Anleger sind sehr sicherheitsbewusst. Bei hohen Schwankungen an den Märkten handeln sie weniger. In anderen Ländern ist das anders, etwa in Großbritannien. Dort sind die Anleger aktiver, wenn es turbulent zugeht.

Sie sind seit knapp zwei Jahren mit Alpari in Deutschland vertreten. Lassen sich die Deutschen überhaupt für Devisenhandel begeistern?

Deutschland ist kein leichter Markt für uns, aber einer der interessantesten. Im vergangenen Jahr haben wir Kunden hinzugewonnen. Aktuell haben wir rund 7.000 aktive Kunden.

Wie wirkt sich die Finanz- und Schuldenkrise für Sie als Anbieter von Devisenwetten aus?

Wir müssen uns mit Fragen befassen, an die wir früher nie gedacht hätten. Zum Beispiel: Wie sicher sind die Banken und Broker, mit denen wir zusammenarbeiten. Unser Hauptpartner für den Interbankenhandel ist eine der weltgrößten US-Investmentbanken mit großer Sicherheit. Eine Bank zu finden, die als absolut sicher eingestuft wird, ist aber momentan gar nicht möglich.

Heiko Müller ist Geschäftsführer von Alpari Deutschland. Der britische Devisenbroker Alpari ist ein weltweiter Anbieter von Devisenhandel über das Internet, seit knapp zwei Jahren ist das Unternehmen mit einem Sitz in Deutschland vertreten.

Kommentare (13)

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uli

23.01.2012, 11:26 Uhr

Man kann zwar sicher davon ausgehen, dass der Euro im Vergleich zu asiatischen Währungen an Kaufkraft verlieren wird. Aber der Artikel diskutiert nicht, dass auch der USD an Kaufkraft verlieren wird. Meines Erachtens sollte man eher von einem Abwertungsrennen von EURO und USD ausgehen, bei dem mal der eine und mal der andere die Nase vorn hat.

svebes

23.01.2012, 11:34 Uhr

Ist ja klar das solche Vögel wiedermal am liebsten Staatssicherheiten für ihr Risikogeschäft wollen. Der Bürger soll Verluste tragen, nachdem sich derartige Figuren vorher hemmungslos bedient haben. Aber rhetorisch schön verpackt, das muss ihm lassen.

pro-d

23.01.2012, 12:34 Uhr

Nur der ge-BILD-ete Bürger wird hierbei bluten. Also die hirnlose Meute, die sich über den Bundespräsidenten hergemacht hat und nun auch weiterhin den Politikern und Medien folgen wird.

Ich freue mich auf diese Exporthilfen, meinen dt. Aktien wird es gut bekommen und an einer erhöhten Inflation profitieren meine Immobilien.

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