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13.01.2012

14:48 Uhr

Währungskonten

Die ertragreiche Flucht aus dem Euro

VonJens Hagen

Spekulationen mit Devisen sind begehrt wie niemals zuvor - trotz des hohen Risikos. Ein Vergleich zeigt, welche Währungskonten, Aktien, Fonds oder Zertifikate für Privatanleger taugen.

Die Tafel einer Wechselstube in Frankfurt: Auch Privatanleger können mit Währungen spekulieren. Dabei gehen sie hohe Risiken ein. ap

Die Tafel einer Wechselstube in Frankfurt: Auch Privatanleger können mit Währungen spekulieren. Dabei gehen sie hohe Risiken ein.

DüsseldorfDie Flucht aus dem Euro hat schon längst begonnen – zumindest bei den Kunden der Direktbanken. Bei Comdirect und Cortal Consors verdoppelten sich beispielsweise die Einlagen auf den Fremdwährungskonten in den vergangenen zwei Jahren. Noch erfolgreicher ist die Konkurrenz. Beim S-Broker der Sparkassen lag der Zuwachs sogar bei 230 Prozent. Die beliebtesten Institute verwalten aktuell Einlagen von Privatkunden im dreistelligen Millionenbereich.

Anleger setzen angesichts der Staatsschuldenkrise in Europa und dem damit verbundenen Wertverlust der eigenen Währung verstärkt auf ausländische Zahlungsmittel wie Yen, norwegische Krone und US-Dollar. Bei Verwerfungen auf den internationalen Devisenmärkten hoffen sie auf die sehr hohen Gewinnchancen innerhalb kurzer Zeit. Mit Wertpapieren, Devisenfonds, Zertifikaten und Hebelprodukten lässt sich auf Devisen spekulieren. Die einfachste Möglichkeit ist allerdings ein sogenanntes Fremdwährungskonto.

Vor allem die Produkte der Direktbanken bieten sich für Anleger an. Via Internet lassen sich die Beträge zwischen den fremden Währungen und hoch verzinsten Tagesgeldkonten hin- und herschieben. „Flexibilität ist besonders wichtig, da Anleger je nach Marktsituation schnell agieren müssen“, sagt Max Herbst, Inhaber der Finanzberatung FMH. Für das Handelsblatt verglich er die Konditionen der wichtigsten Anbieter (Tabelle am Ende des Artikels).

Kurzfristige Marktentwicklungen können Privatkunden trotz ständiger Erreichbarkeit aber kaum nachvollziehen. Die Banken nehmen Aufträge nur täglich entgegen. Wie das funktioniert zeigt etwa das Beispiel der DAB Bank. Das Institut rechnet alle Aufträge, die bis zwölf Uhr erteilt werden, zum Kurs von 13 Uhr ab. Jede Order, die nach dieser Frist eingeht, wird zum Kurs des folgenden Handelstags abgerechnet. Andere Institute haben ähnliche Regelungen. Wenn die Währung einbricht, muss der Kunde Verluste hinnehmen.

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Die Zukunft des Euros bleibt unsicher. Anleger können mit den richtigen Aktien, Fonds oder Zertifikaten von den Verwerfungen auf den Devisenmärkten profitieren. Die besten Strategien im Überblick.

Nicht nur beim Handel müssen sich Anleger gedulden. Auch wer sein Konto neu eröffnet, muss bei einigen Direktbanken einen Tag Wartezeit einplanen. Da es keine Referenzkurse der Bundesbank mehr gibt, variieren die Kursdaten je nach Anbieter. Auf welche Vorgaben die Banken zurückgreifen, veröffentlichen sie in ihren Preis-Leistungsverzeichnissen.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Kommentare (9)

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MarkusZZ

13.01.2012, 15:54 Uhr

man kann auch einfach bei seinem broker ausländische staatsanleihen oder unternehmensanleihen kaufen. dann muss man auch kein fremdwährungsdepot einrichten.
wenn man zb damit rechnet, dass der euro sich in diesem jahr weiter abschwächt, könnte man ISIN US912828PW43 kaufen. diese anleihe der us-regierung läuft bis ende 2012.
vg

Account gelöscht!

13.01.2012, 16:04 Uhr

Es gibt ja genuegend Online-Tradingplattformen fuer Waehrungen. Da kann man wirklich sekundengenau traden. Dem Retailtrader sei jedoch gesagt, dass er nicht selten von den grossen Tradern ueber den Tisch gezogen wird. Das Trading unterliegt keinerlei Regelungen - nicht wie bei Aktien. Es geht 24 Stunden, und 5 Tage die Woche. Die gewerblichen Trader koennen natuerlich auch die ganzen Aktionen (Limits beispielsweise) der Retailtrader sehen. Fast alle Retailtrader verlieren langristig - es gab Untersuchungen dazu. Ich habe mal in drei Wochen 7 Mio Euro erwirtschaftet. Leider war es ein Demokonto. Aber der Anbieter der Tradingplattform war beeindruckt und hat mich persoenlich angeschrieben. Mit wirklichem Geld baute ich jedoch nur Verluste. Warum? Einfach Angst denke ich.

Arminius

13.01.2012, 18:14 Uhr

Dank des jetzt auf ein realistisches Niveau zurückgekehrter Euro werden die Gewinne die Großkonzernen im Euroraum machen wieder im Euroraum reinvestiert.
Auch weil, wegen des Wechselkurs des Euro, Importe aus Nichteuroländer teurer sind, werden wir mehr Produkte Made im Euroland kaufen und weniger importieren.
Das wird sich auch auf die Arbeitslosigkeit in den Krisenländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit positiv auswirken (Spanien und Portugal 40% Jugendarbeitslosigkeit) und folglich auch auf deren Schulden weil die Sozialausgaben sinken und die Steuereinnahmen zunehmen.
Deutsche Weltkonzerne, weil im Nichteuroausland engagiert, haben ein unpatriotisches Interesse an einem starken Euro. Sie können dadurch billig im Nichteuroausland produzieren und den Euroraum mit billig Produkte „Made in Germany“ überfluten. Dies mit riesigen Gewinne aber zum Nachteil der schwächeren Eurowirtschaften. Sollte wegen des jetzt richtig bewerteter Euro Erdöl teurer werden, sehe ich es las ein Vorteil, vor allem für die Umwelt. Es muss nicht jeder deutscher Fettsack mit einem Panzer unterwegs sein. Schön wäre wenn der Euro noch um ein paar Cents fällt.
Die richtige Parität liegt bei 1,25,- zum US-Dollar

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