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10.07.2013

10:54 Uhr

Währungsreserven

Goldwette bringt Venezuela in Not

Venezuela wollte sich von der „Diktatur des Dollars“ befreien. Unter Präsident Hugo Chavez begann das Land, seine Währungsreserven in Gold zu tauschen. Das rächt sich jetzt. Dem Land droht das Geld auszugehen.

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Die Goldwette, die Venezuelas Ex-Präsident Hugo Chavez in den letzten Jahren seines Lebens eingegangen ist, bricht in sich zusammen - ausgerechnet zur falschen Zeit für sein Land.

Chavez hatte argumentiert, sein Land solle sich von der „Diktatur des Dollars“ befreien. Bis 2012 häufte er mehr als 70 Prozent der Währungsreserven seines Landes in Gold an. Das ist der höchste Anteil unter allen Schwellenländern und mehr als 50 Mal so viel wie in den Nachbarstaaten Kolumbien und Brasilien, zeigen Daten des World Gold Council.

In den vergangenen zehn Jahren wurde Venezuela mit einer Rally von fast 400 Prozent für den Schritt belohnt. Aber in diesem Jahr ist der Goldpreis um rund 25 Prozent eingebrochen. Das hat dazu geführt, dass die Reserven der Zentralbank zuletzt den niedrigsten Stand in acht Monaten erreicht haben. Es gefährdet die Fähigkeit der Regierung, ausländische Anleihe-Gläubiger zu bezahlen.

Im Juni senkte Standard & Poor's das Rating von Venezuela auf das niedrigste Niveau seit acht Jahren. Die Rendite von Venezuelas Dollar-Anleihen ist vergangenen Monat um 62 Basispunkte auf 11,84 Prozent gestiegen. Die Kosten, um sich gegen einen Zahlungsausfall des Landes über sogenannte Credit-Default-Swaps abzusichern, sind dieses Jahr um 377 Basispunkte auf 1024 Basispunkte angestiegen.

Was 2013 aus 100.000 Euro wurde (1.Halbjahr)

Silber

62.510 Euro

Brasilianische Aktien

73.320 Euro

Gold

74.490 Euro

Russische Aktien

83.690 Euro

Chinesische Aktien (Shanghai Composite)

88.730 Euro

Türkische Aktien

90.210 Euro

Bundesanleihen

98.260 Euro

US-Treasuries

98.540 Euro

Sparbuch

100.032 Euro

Tagesgeld

100.930 Euro

US-Dollar

101.220 Euro

Deutsche Aktien

104.360 Euro

Öl (WTI)

105.550 Euro

Japanische Aktien

113.630 Euro

US-Aktien

115.280 Euro

Venezolanische Aktien

151.720 Euro

„Die Reserven von Venezuela sind sehr stark unter Druck geraten“, sagte Francisco Rodriguez, Volkswirt bei der Bank of America, in einem Interview mit Bloomberg. Falls es bei dem derzeitigen Niveau des Goldpreises bleibe, werde „sich die Wahrnehmung verstärken, dass sich Venezuelas Rückzahlungsfähigkeit verschlechtert“.

„Nicht nur die Gesamtreserven sind gefallen, sondern wir haben derzeit auch das niedrigste Niveau an Barreserven“, sagte Jose Manuel Puente, Professor für Volkswirtschaft an der IESA-Hochschule in Caracas. „Weil die Barreserven gering sind, schwächte sich die Fähigkeit der Zentralbank ab, die Devisenmärkte zu adressieren.“ Die Reserven der Zentralbank waren vergangene Woche unter 25 Milliarden Dollar gefallen - nach bis zu 29,9 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr.

Kommentare (24)

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Mobius

10.07.2013, 11:19 Uhr

Liebes Handelsblatt, "Gold-Wette bringt Venezuela in Not", "Das rächt sich jetzt.". So wie ich sehe, rührt das Problem jedoch von der Abschöpfung der Goldbuchgewinne in Zeiten der Goldhausse. Wären die Buchgewinne nicht - wie von euch auch berichtet - in den Infra-Fonds geflossen, wäre die Zentralbank mehr als auskömmlich kapitalisiert. Ist das zu wenig reißerisch, oder ist das analytische Niveau eurer Schreiberlinge (Journalisten oder Redakteure ist bei dem Niveau mittlerweile wohl kaum noch rechtzufertigen) zu gering, um dies zu erkennen? Da wundert auch die Perzeption der Goldfanatiker über das Bashing in den Medien nicht mehr...

Account gelöscht!

10.07.2013, 11:30 Uhr

Jetzt wirds auch klar, warum die Zockerbanken wie Goldman Sachs ein künstliches Goldpanik ausgelöst haben. Flucht aus dem Gold. Man will verhindern, dass Venezuela Schule macht, denn so könnte jeder bald den heiligen allmächtigen Dollar in Frage stellen. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die USA Venezuela in den nächsten Jahren militärisch angreifen werden. Man zerstört eben erstmal eine Volkswirtschaft, verursacht Elend, und dann kommt man mit der Armee, um Demokratie und Freiheit zu installieren.

Account gelöscht!

10.07.2013, 11:49 Uhr

Der Sozialismus wird durch andere zerstört? Die Ausreden der Linken werden ja immer abenteuerlicher...

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