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04.04.2014

15:18 Uhr

Währungsspekulation

Chinas Devisenamt warnt vor Kapitalabflüssen

Mitte 2013 begannen Investoren, massiv Gelder aus aufstrebenden Schwellenländern abzuziehen - mit der Folge heftiger Währungsturbulenzen. Nun warnt China, dass dies im Jahresverlauf auch die Volksrepublik treffen könnte.

100- Renminbi-Noten: Die chinesische Währung könnte bald unter Druck geraten. dpa

100-Renminbi-Noten: Die chinesische Währung könnte bald unter Druck geraten.

PekingChinas staatliches Devisenamt sieht das Risiko eines stärkeren Kapitalabflusses. Wie die Behörde am Freitag mitteilte, könnten Spekulationen über eine straffere Geldpolitik in den USA dazu führen, dass im Jahresverlauf abermals vermehrt Mittel aus den Schwellenländern abgezogen werden. Dies könnte nun zunehmend auch China treffen. Bereits Mitte 2013 hatten Investoren massiv Geld aus aufstrebenden Staaten wie Indien, Indonesien oder Brasilien abgezogen, nachdem die US-Notenbank Fed eine weniger lockere Geldpolitik in Aussicht gestellt hatte. China war davon aber verschont geblieben. Andere asiatische Währungen gerieten in heftige Turbulenzen.

Die gegenwärtige Rückführung der Wertpapierkäufe durch die Federal Reserve sei zwar nicht gleichbedeutend mit einer strafferen Geldpolitik, heißt es in der Mitteilung des Devisenamts. Die Ungewissheit über Geschwindigkeit und Auswirkungen der abnehmenden Geldschwemme gehe jedoch mit großen Unsicherheiten einher.

Wie Anleger in den Devisenmarkt investieren können

Zertifikate

Über Zertifikate können Kleinanleger auf die Entwicklung ganz verschiedener Währungspaare wetten. Besonders beliebt ist das Verhältnis Euro zu Dollar. Je nach Art des Zertifikats steigt das Risiko. Während es bei Zinszertifikaten vergleichsweise begrenzt ist, spielen die Anleger mit verschiedenen Hebelprodukten wie den sogenannten Knock-Outs alles oder nichts. Sollte der Basiswert, also der Devisenkurs, während der Laufzeit die festgelegte Knock-Out-Schwelle durchbrechen, ist die Wette verloren. Geht der Plan auf, winkt wegen der Hebelwirkung des Zertifikats der große Gewinn.

Optionen

Optionen ermöglichen mit geringem Einsatz hohe Gewinne - bei gleichzeitig hohem Risiko. Wer eine Option kauft, geht ein Termingeschäft ein. Der Käufer erwirbt das Recht, eine Währung zu einem festen Kurs und innerhalb einer festgelegten Frist einzutauschen. Der Reiz daran ist, dass er für die Option nur einen Bruchteil des eigentlichen Wertes bezahlen muss, gewissermaßen als Pfand. Durch den kleinen Einsatz ist eine extreme Hebelwirkung möglich. Optionsgeschäfte sind im Devisenhandel weit verbreitet. Im Internet bieten Broker diese Wetten auch für Privatanleger an. Die Angebote unterscheiden sich deutlich bei Gebühren, dem maximal möglichen Hebel oder der Differenz zwischen An- und Verkaufskursen. Unerfahrene Anleger sollten lieber die Finger davon lassen.

Direkthandel

Den direkten Zugang zur großen, weiten Welt der Währungen bieten Online-Plattformen wie Alpari oder Forex Capital Markets (FXCM). Nach vorsichtigen Schätzungen liegt die Zahl der Nutzer in Deutschland zwischen 50.000 und 70.000. Der Handel funktioniert in erster Linie über Hebelprodukte, mit denen man schon auf winzige Änderungen bei der vierten oder fünften Nachkommastelle wetten kann. Die Zugangsschwelle für Privatanleger ist niedrig, weil die Transaktionskosten sehr gering sind. Wer 10.000 Dollar kauft, zahlt bei manchen Brokern gerade mal zwei Dollar Gebühr.

Währungskonten

Einige Banken bieten ihren Kunden sogenannte Währungsanlagekonten an. Das Prinzip ist einfach. Der Anleger verschiebt eine Summe X auf sein Währungskonto - ähnlich wie bei einem Tagesgeldkonto, nur in einer anderen Währung. Wechselt er sein Geld etwa in Franken, bleibt es geschützt, falls der Euro gegenüber der Schweizer Währung fallen sollte. Neben der möglichen Aussicht auf Wechselkursgewinne lockt bei manchen Angeboten zusätzlich ein fester Zins.

Devisenfonds

Erst seit 2004 dürfen Fondsgesellschaften Währungsgeschäfte nicht nur zur Kurssicherung, sondern auch als eigenes Anlageprodukt anbieten. Bei den Fonds unterscheidet man aktive und passive. Aktiv heißt, dass ein Manager den Devisenfonds verwaltet. Er investiert in Geldmarktpapiere - das sind kurz laufende Anleihen - unterschiedlicher Währungen oder schließt Devisentermingeschäfte ab. Die passive Variante funktioniert über börsengehandelte Indexfonds, sogenannte Exchange Traded Funds (ETF). Hier profitiert der Anleger von der Entwicklung eines bestimmten Währungskorbs. ETFs kosten weniger Gebühren, können aber nicht auf überraschende Veränderungen reagieren. Auf dem deutschen Markt stehen rund 60 Devisenfonds zur Auswahl.

Aktien/Anleihen

Um indirekt von Währungseffekten zu profitieren, können Anleger auch Aktien oder Anleihen aus anderen Ländern kaufen. Neben möglichen Kursgewinnen winken Wechselkursgewinne, vorausgesetzt natürlich der Euro verliert zur jeweiligen Fremdwährung weiter an Wert.

Die Fed hatte im Dezember damit begonnen, ihre zur Konjunkturbelebung aufgelegten Wertpapierkäufe schrittweise zurückzuführen. Eine erste Leitzinserhöhung hat Fed-Chefin Janet Yellen unlängst für das erste Halbjahr 2015 in Aussicht gestellt.

Bereits jetzt hat sich der jahrelange Kapitalzufluss nach China deutlich abgeschwächt. Dies hat nach Einschätzung von Beobachtern jedoch andere Gründe als die amerikanische Geldpolitik. So gehen Regierung und Notenbank verstärkt gegen den Zufluss spekulativen Kapitals vor, um eine Überhitzung der heimischen Vermögensmärkte zu verhindern.

Unter anderem lässt es die chinesische Notenbank zu, dass die Landeswährung Renminbi deutlich an Wert verliert. Zusammen mit den im Bankensektor schlummernden Risiken dürfte dies den Kapitalstrom nach China weiter bremsen, meinen Experten.

In größeren Schwellenländern setzte Mitte vergangenen Jahres eine Kapitalflucht in erheblichem Ausmaß ein, die zeitweilig zu starkem Wertverlust der Währungen dieser Staaten führte. Die Schwellenländer stemmen sich mit aller Macht gegen den Abzug des Kapitals, das ihren Wirtschaftsboom in der Vergangenheit stark angeheizt hatte. Investoren reagieren besonders empfindlich bei den „fragilen Fünf“ Indien, Indonesien, die Türkei, Brasilien und Südafrika und bringen ihre Gelder lieber in sichere Häfen sich deutlich erholender Volkswirtschaften wie den USA.

Von

dpa

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