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31.01.2014

16:13 Uhr

Währungsverfall

Türken flüchten in US-Dollar

Die türkische Lira hat stark an Wert verloren. Eine Erholung ist auch nach der jüngsten Zinserhöhung nicht in Sicht. Unter der Bevölkerung macht sich Panik breit. Verbraucher und Unternehmen horten Dollar.

Allein in der Woche bis zum 24. Januar stiegen die Bestände an Dollar um zwei Prozent. dpa

Allein in der Woche bis zum 24. Januar stiegen die Bestände an Dollar um zwei Prozent.

IstanbulAus Furcht vor einem weiteren Verfall der Landeswährung Lira horten türkische Verbraucher und Unternehmen Dollar. Allein in der Woche bis zum 24. Januar stiegen die Bestände an Dollar um zwei Prozent auf 122 Milliarden an, wie aus jüngsten Daten der Zentralbank hervorgeht. Experten sehen das als Zeichen, dass viele Verbraucher auch nach der jüngsten Zinserhöhung nicht an eine Erholung der Lira glauben. Auch die Ratingagentur Moody's rechnet mit einem anhaltenden Druck auf die Währung. Zumal durch die kräftige Zinserhöhung Risiken für die Konjunktur drohten, erklärte Moody's am Freitag. Auch andere Schwellenländer waren zuletzt in wirtschaftliche Turbulenzen geraten. Eine Konjunkturabkühlung und die Straffung der US-Geldpolitik schickten ihre Währungen auf Talfahrt.

Viele türkische Unternehmen deckten sich inzwischen mit Dollar ein, um sich so gegen Wechselkursschwankungen abzusichern, sagte ein hochrangiger Devisenhändler bei einer Bank in Istanbul. „Einzelne Investoren und Haushalte, die bei früheren Kursverlusten der Lira noch jeweils zehn bis 15 Milliarden Dollar verkauft haben, stocken jetzt ihre Bestände sogar noch weiter auf und setzen damit die Währung zusätzlich unter Druck.“

Weltweite Währungsreserven

2004

Gesamt: 2,655 Billionen

US Dollar: 1,739 Billionen (65,45 %)
Britisches Pfund: 0,093 Billionen (3,50 %)
Yen: 0,114 Billionen (4,29 %)
Schweizer Franken: 0,004 Billionen (0,15 %)
Euro: 0,655 Billionen (24,67 %)

2005

Gesamt: 2,844 Billionen

US Dollar: 1,891 Billionen (66,49 %)
Britisches Pfund: 0,107 Billionen (3,76 %)
Yen: 0,113 Billionen (3,97 %)
Schweizer Franken: 0,004 Billionen (0,14 %)
Euro: 0,679 Billionen (23,87 %)

2006

Gesamt: 3,315 Billionen

US Dollar: 2,158 Billionen (65,10 %)
Britisches Pfund: 0,15 Billionen (4,52 %)
Yen: 0,115 Billionen (3,47 %)
Schweizer Franken: 0,006 Billionen (0,18 %)
Euro: 0,827 Billionen (24,95 %)

2007

Gesamt: 4,119 Billionen

US Dollar: 2,631 Billionen (63,87 %)
Britisches Pfund: 0,199 Billionen (4,83 %)
Yen: 0,131 Billionen (3,18 %)
Schweizer Franken: 0,006 Billionen (0,15 %)
Euro: 1,076 Billionen (26,12 %)

2008

Gesamt: 4,21 Billionen

US Dollar: 2,685 Billionen (63,78 %)
Britisches Pfund: 0,178 Billionen (4,23 %)
Yen: 0,146 Billionen (3,47 %)
Schweizer Franken: 0,14 Billionen (0,15 %)
Euro: 1,104 Billionen (26,22 %)

2009

Gesamt: 4,59 Billionen

US Dollar: 2,848 Billionen (62,05 %)
Britisches Pfund: 0,195 Billionen (4,25 %)
Yen: 0,133 Billionen (2,90 %)
Schweizer Franken: 0,005 Billionen (0,11 %)
Euro: 1,27 Billionen (27,67 %)

2010

Gesamt: 5,163 Billionen

US Dollar: 3,193 Billionen (61,84 %)
Britisches Pfund: 0,203 Billionen (3,93 %)
Yen: 0,189 Billionen (3,66 %)
Schweizer Franken: 0,007 Billionen (0,14 %)
Euro: 1,343 Billionen (26,01 %)

2011

Gesamt: 5,652 Billionen

US Dollar: 3,525 Billionen (62,37 %)
Britisches Pfund: 0,217 Billionen (3,84 %)
Yen: 0,204 Billionen (3,61 %)
Schweizer Franken: 0,004 Billionen (0,07 %)
Euro: 1,394 Billionen (24,66 %)

2012

Gesamt: 6,085 Billionen

US Dollar: 3,715 Billionen (61,05 %)
Britisches Pfund: 0,245 Billionen (4,03 %)
Yen: 0,248 Billionen (4,08 %)
Schweizer Franken: 0,018 Billionen (0,30 %)
Euro: 1,477 Billionen (24,27 %)

2013 (Q3)

Gesamt: 6,191 Billionen

US Dollar: 3,803 Billionen (61,43 %)
Britisches Pfund: 0,242 Billionen (3,91 %)
Yen: 0,239 Billionen (3,86 %)
Schweizer Franken: 0,017 Billionen (0,27 %)
Euro: 1,496 Billionen (24,16 %)

Die Lira hatte 2013 17 Prozent an Wert verloren. Wie andere Währungen zuletzt aufstrebender Schwellenländer beschleunigte sie ihren Kursrutsch zu Jahresbeginn sogar noch. Auslöser ist ein massiver Kapitalabfluss in Folge der Straffung der Geldpolitik durch die US-Notenbank. Viele Investoren ziehen ihr Geld ab, da die wirtschaftlich wieder erstarkten USA dank anziehender Renditen attraktiver werden. Die Notenbanken in den Schwellenländern versuchen über Zinserhöhungen gegenzusteuern, was aber das Wachstum bremst. Die türkische Notenbank hob den Leitzins nach einer Krisensitzung am Dienstag um etwa fünf Prozentpunkte an, konnte die Lira aber damit nur zeitweise stützen. Türken müssen nun doppelt so viele Lira für einen Dollar zahlen wie vor sechs Jahren, als die Währung ihren Höchstkurs erreicht hatte.

Die Panik in der Türkei ist groß – und das zu Recht

Video: Die Panik in der Türkei ist groß – und das zu Recht

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Von

rtr

Kommentare (6)

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compact-magazin_com

31.01.2014, 16:38 Uhr

"Türken flüchten in US-Dollar"

Ist das ein schlechter Witz?

Nach der Einigung in den USA über den Haushalt und über die Schuldenobergrenze ist es in den Massenmedien um die US-Schulden extrem ruhig geworden.
In der Öffentlichkeit versuchen die verantwortlichen Politiker und Bankster auch immer wieder den Eindruck zu vermitteln, dass sie alles unter Kontrolle haben. Doch lassen wir uns nicht davon täuschen. Das entspricht keineswegs der Realität.

Im Grunde wird es tagtäglich schlimmer und nicht besser. Derzeit steigen die Schulden in den USA mit dem größten Tempo der vergangenen Jahre.

Im Endeffekt wird es am Ende der Amtszeit von Marionette Obama so sein, dass in diesen acht Jahren so viele Schulden bei den int. Bankstern angehäuft wurden, wie unter allen Präsidenten in der Geschichte der USA.

In den vergangenen 13 Monaten ist der Schuldenstand der USA um mehr als 1,12 Billionen Dollar angestiegen!

Und das wird immer mehr werden – denn neben den neuen Schulden müssen natürlich vor allem die alten Schulden immer wieder umgewandelt werden, wenn die entsprechenden Anleihen auslaufen.

So werden in diesem Jahr in den USA wohl bis zu 7,5 Billionen Dollar an alten Schulden umgewandelt.

Das Problem ist nur: Noch gibt es Banken, die bereit sind den USA Geld zu leihen.
Wenn aber diese Banken das Vertrauen in die USA verlieren, wird das dramatische Folgen haben für die immer noch größte Volkswirtschaft der Welt. Ich bin fest davon überzeigt, dass wir aktuell die größte Spekulationsblase an den Finanzmärkten erleben, die es je in der Geschichte gegeben hat.

Und wenn diese Blase platzt, werden nicht nur die USA massive Probleme bekommen. Das wird die gesamte Weltwirtschaft in den Abgrund ziehen. Aber von dieser realen Gefahr hören wir in den gleichgeschalteten Massenmedien nichts!

Spätestens wenn wieder die angehobene Schuldenobergrenze erreicht wird, werden die USA wieder mit ihren Schulden in den Fokus rücken.

Wie kann man da von einem starken Dollar sprechen?

Kalli

31.01.2014, 17:41 Uhr

Es sind nicht die Banken, die der US-Regierung Geld leihen müssen. Es reicht, dass die FED die Anleihen kauft.

Bingo

31.01.2014, 17:55 Uhr

Ich sehe noch eine bessere Alternative zum Dollar: den EURO.Mit ueber 11 Prozent Arbeitslosen steht die EU viel besser da als die USA mit 6.7 Prozent, ganz zu schweigen von den auseinanderdriftenden Wirtschaften und Wettbewerbsfaehigkeiten und den "sozialen"Transfers der wirtschaftsstarken Deppenlaendern zu den "m'enfoutisten" Laendern. Das ist ganz bestimmt eine starke Zukunftswaehrung!

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